Tragische Todesfälle
Die traurigen Schicksale von fünf Schweizer Olympia-Helden

Sie alle feierten bei Olympia grosse Erfolge. Doch ihre Leben endeten tragisch und viel zu früh. Fünf Schweizer Schicksale, die die Schweiz berührten.
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Daniel LeuStv. Sportchef

Reto Capadrutt (Bob, Olympia-Silber 1932/1936)

Gewannen 1932 im Zweierbob Olympia-Silber: Reto Capadrutt und Oscar Geier.
Foto: RDB

In den 1930er-Jahren zählte der Bündner zu den erfolgreichsten Bobfahrern der Welt. Nebst seinen beiden Olympiamedaillen gewann er einen WM-Titel und zweimal WM-Bronze. 1932 schrieb die amerikanische Zeitung «The Post-Star»: «Der schlanke junge Schweizer mit einem Engelsgesicht und Nerven wie Stahl, den alle fürchten.» Doch dann wurde ihm 1939 ausgerechnet die WM zu Hause in St. Moritz zum Verhängnis. Während des Zweier-Trainings kam Capadrutt nach einem Sturz unter seinen Schlitten. Während der 27-Jährige sofort tot war, überlebte sein deutscher Bremser Gatzsch den Unfall nahezu unverletzt. In der Todesanzeige schrieb die Trauerfamilie: «Wir durften erfahren, wieviel Liebe, Freundschaft und Verehrung unserem unvergesslichen Reto Capadrutt nah und fern entgegengebracht wurde. Es ist uns dies ein grosser Trost, und wir danken allen herzlich für die innige Teilnahme an unserem so herben Verlust.»

Felix Endrich (Bob, Olympia-Gold 1948)

1953 mussten die Familie und Freunde Abschied nehmen von Felix Endrich.
Foto: IMAGO/Pond5 Images

Bis heute ist unklar, warum der Schreibmaschinen-Händler wenige Tage nach seinem WM-Titel im Zweier 1953 auf der Olympia-Bobbahn Riessersee ums Leben kam. Klar ist, dass Felix Endrich mit seinem Viererbob in der legendären Bayern-Kurve, in der auch seine Frau Edith gestanden haben soll, tödlich verunglückt ist. Die «NZZ» schrieb damals: «Für einen Augenblick schien Endrich den Überblick verloren zu haben, denn der Schlitten schoss bereits im ersten Drittel der eigentlichen Bayern-Kurve nach oben und wurde aus der Bahn getragen. Der Bob streifte mehrere Flaggenmasten und zerschellte schliesslich in zwölf Meter Entfernung an einem Baum. Der Arzt stellte bei Endrich einen schweren Schädelbasisbruch und einen Bruch des Halswirbels fest, die nach kurzer Zeit zum Tod geführt haben müssen.» Endrich wurde nur 31 Jahre alt.

Edy Reinalter (Ski alpin, Olympia-Gold 1948)

Goldfahrt: 1948 wurde Edy Reinalter in seiner Heimat St. Moritz Olympiasieger im Slalom.
Foto: RDB

Am 19. November 1962 hätte Reinalter an der Generalversammlung des Skiclubs Alpina St. Moritz zum neuen Präsidenten gewählt werden sollen, doch dazu kam es nicht, da er an diesem verhängnisvollen Montag 41-jährig ums Leben kam. Reinalter weilte im vorarlbergischen Schruns auf der Jagd. Nachdem er am Morgen noch einen prächtigen Hirsch erlegt hatte, erschoss er sich beim Reinigen des Gewehrs versehentlich. Er hatte offenbar eine im Lauf steckende Patrone übersehen. 14 Jahre zuvor wurde er in seiner Heimat im Slalom Olympiasieger, obwohl er einige Monate zuvor einen Trainingsunfall gehabt hatte und es zuerst nur als Ersatzmann ins Schweizer Olympiateam geschafft hatte.

Roger Staub (Ski alpin, Olympia-Gold 1960)

1971: Roger Staub mit seiner Frau Lilo und Sohn Yuri.
Foto: Blick

Schweizer Meister im Eishockey und Wasserski, Lebemann, Charmeur, Familienvater und Olympiasieger: Roger Staub war vieles in seinem Leben. Doch dann kam dieser verhängnisvolle 30. Juni 1974. Staub stürzte 38-jährig in Verbier beim Test eines neuen Deltasegler-Modells aus 150 Meter Höhe ab und brach sich dabei das Genick. Ein Augenzeuge erklärte damals Blick: «Plötzlich geriet der Drachenflügler in gefährliche Schräglage. Ich sah, wie sich Roger mit aller Kraft wehrte, wie er mit den Beinen ruderte, um wieder eine normale Fluglage zu gewinnen. Aber umsonst …» 2024 erzählte seine Witwe Lilo Staub, wie sie vom Tod ihres Mannes erfahren hatte: «Ich war in Zürich, und unser Kind spielte bei den Nachbarn. Die schauten dort mit den Erwachsenen am Nachmittag die ‹Tagesschau› und erfuhren dadurch, dass Roger gestorben war. Als sie es mir dann auch mitteilten, konnte ich das zuerst gar nicht glauben, denn Roger war zwar schon immer ein Abenteurer gewesen, aber zuvor hatte er sich dabei noch nie auch nur einen Knochen gebrochen.»

Nadia Röthlisberger-Raspe (Curling, Olympia-Silber 2002)

2004: Nadia Röthlisberger-Raspe und ihr Söhnchen Jari.
Foto: AP

Im Team von Skip Luzia Ebnöther und Third Mirjam Ott war die gebürtige Baslerin als Ersatzfrau an den Olympischen Spielen 2002. Damals hatte die Hochbauzeichnerin schon einen acht Monate alten Sohn namens Jari. 2004 wurde Röthlisberger-Raspe zum zweiten Mal Mutter. Doch 2015 schlug das Schicksal brutal zu. 46 Tage nach der Diagnose Knochenkrebs starb sie 42-jährig viel zu früh. An der Trauerfeier in Worb sagte Ott: «Nadia war ein Sonnenschein. Sie begrüsste mich stets mit einem riesigen Lächeln im Gesicht.»

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