Auf Schimpf-Tirade folgt die Entschuldigung
Blick-Leserkommentare schockten Ski-Crack Hintermann

Niels Hintermann spricht nach der verpassten Qualifikation für die Olympia-Abfahrt bemerkenswert starke Worte aus.
Kommentieren
1/6
Niels Hintermann kann im Kampf um den letzten Schweizer Startplatz bei der Olympia-Abfahrt ...
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Niels Hintermann verliert das Quali-Duell um den letzten Abfahrts-Startplatz im Schweizer Olympia-Kader
  • Nach Schimpf-Tirade bittet der Zürcher um Entschuldigung
  • Die Wut habe ihn regelrecht blockiert auf der Piste, sagt der Ski-Crack
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
RMS_Portrait_AUTOR_1182 (1).JPG
Marcel W. PerrenSki-Reporter

Die Entscheidung ist gefallen: Stefan Rogentin (31) und nicht Niels Hintermann (30) wird am Samstag bei der wichtigsten Abfahrt der letzten vier Jahre am Start stehen.

Im Ziel des zweiten Trainings auf der Stelvio liegt der Zürcher zwar 35 Hundertstel vor dem Bündner. Aber Swiss-Ski-Cheftrainer Tom Stauffer hat vor dieser Qualifikation um den letzten Schweizer Startplatz entschieden, dass die vierte Zwischenzeit nach dem San-Pietro-Sprung entscheidend ist, damit der Substanzverlust im Hinblick auf das Rennen nicht zu gross ist. Und bei dieser vierten Zwischenzeit war Rogentin fast acht Zehntel schneller als Hintermann.

Wer nun glaubt, dass der Verlierer nach dieser Ausmarchung mit einer Schimpftirade aufwartet, wie nach dem ersten Training, muss sich eines Besseren belehren lassen. Hintermann ist total gefasst und sagt: «Rogi hat eine Weltklasse-Leistung abgeliefert, deshalb gibt es nichts zu kritisieren.»

Der Atomic-Pilot holt Luft und ergänzt, dass er die Fahrt von «Rogi» zwar nicht gesehen habe, von Trainer Vitus Luönd aber erfahren habe, dass Rogi «genial gefahren» sei. «Danach bin ich nach der Devise ‹alles oder nichts› gefahren.» Bis auf einen kleinen Schnitzer fand Hintermann dann auch die eigene Fahrt «nicht so schlecht».

«Da ist ein regelrechter Krieg ausgebrochen»

Gereicht hats dennoch nicht. So entschuldigt sich der 30-jährige Zürcher kurz nach dem Training noch für seinen Wutausbruch am Mittwoch, als er seine Trainer-Crew öffentlich dafür kritisierte, dass Alexis Monney ohne Podestplatz einen fixen Startplatz erhält: «Das war eine blöde Aktion von mir, es tut mir richtig leid. Mir war anfänglich nicht bewusst, was ich mit meinen Worten angerichtet habe. Doch dann hat mich meine Frau angerufen und gesagt, dass ich mir mal anschauen solle, was in den Medien wegen meiner Aussagen abgeht.»

Besonders die Leserkommentare bei Blick haben Hintermann geschockt: «Da ist unter den Kommentatoren ein regelrechter Krieg ausgebrochen. Die einen haben mich verflucht, die andern haben mich verteidigt. Deshalb habe ich kurz darauf auf meinem Instagram-Profil ein Entschuldigungsschreiben veröffentlicht.»

Bei Olympia rumsitzen will Hintermann nicht

Persönlich entschuldigt hat er sich bei Alexis Monney, seinen Trainern und bei Swiss-Ski-Sport-CEO Walter Reusser. «Die haben meine Entschuldigung alle mit einem Lächeln angenommen. Sie kennen mich zum Glück schon länger und wissen deshalb, dass ich ein besonders emotionaler Mensch bin», erzählt Hintermann schmunzelnd. «Aus irgendeinem Grund ist mir am Dienstagnachmittag der ganze Quali-Scheiss irgendwie in den falschen Hals geraten, dadurch hat sich bei mir eine irrationale Wut entwickelt.»

Hintermann habe sich während des Fahrens auch darüber aufgeregt, dass er so hässig war. «Das hat mich auf der Piste auch blockiert.» Hintermann glaubt nicht, dass er am Montag in der Team-Kombination eingesetzt wird. Und weil im Super-G die vier Startplätze fix an Odermatt, von Allmen, Monney und Rogentin vergeben sind, wird der gebürtige Bülacher sehr wahrscheinlich schon bald in die Schweiz zurückfahren. «Ich habe nicht vor, bis am Montag untätig hierzubleiben.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen