«Das ist nicht okay!»
Olympia-Zoff im Schweizer Abfahrts-Team

Nach der ersten Probe zur Olympia-Abfahrt in Bormio rumort es im Schweizer Team. Niels Hintermann kritisiert eine Entscheidung seiner Trainer.
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Superstar Marco Odermatt ist im ersten Training zur Olympia-Abfahrt als Drittschnellster der beste Schweizer.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Niels Hintermann ist nach dem ersten Training zur Olympia-Abfahrt hässig
  • Er hat kein Verständnis, dass die Trainer einen dritten Startplatz vorab vergeben haben
  • Hintermann fährt im zweiten Training am Donnerstag gegen Stefan Rogentin um den letzten freien Startplatz
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Niels Hintermann ist richtig hässig. Der Zürcher ärgert sich zum einen, dass er im ersten Training zur Olympia-Abfahrt 2,06 Sekunden auf die Bestzeit des Amerikaners Ryan Cochran-Siegle verliert. Der 30-Jährige ist aber auch richtig hässig auf sein Trainerteam. «Was diese Herren am Dienstagnachmittag entschieden haben, ist nicht okay, es ist nicht im Sinne des Sports!» Hintermann spricht die teaminterne Qualifikation an, bei der er gegen den Bündner Stefan Rogentin um den den letzten freien Startplatz in der Olympia-Abfahrt stechen muss.

«Ich habe zwar überhaupt nichts dagegen, dass ich diese Qualifikation bestreiten muss, schliesslich habe ich im laufenden Weltcup-Winter keinen Podestplatz herausgefahren. Aber Alexis Monney kann aus dieser Saison auch keinen Top-drei-Rang vorweisen, dennoch hat man ihn gesetzt.»

Der erfolgreichste Zürcher Skirennfahrer (drei Weltcupsiege) seit Peter Müller (68) setzt seine kernige Ansprache fort: «Seit ich 2017 anlässlich der WM in St. Moritz erstmals an einem Grossanlass dabei war, war es im Schweizer Abfahrtsteam immer so, dass die Athleten, die im Weltcup nicht den Sprung aufs Podest geschafft haben, ausnahmslos im Training eine Quali bestreiten mussten. Doch jetzt fängt man leider plötzlich etwas Neues an.»

Janka hat Verständnis für Hintermann

Monney hat in der aktuellen Weltcupsaison einen fünften Rang und ausserdem drei weitere Top-Ten-Klassierungen eingefahren, Hintermann war in Kitzbühel Sechster und in Gröden Siebter. Dass Monney im Dezember 2024 auf der Stelvio in Bormio, wo jetzt die Olympiarennen der Männer ausgetragen werden, die Weltcup-Abfahrt gewonnen hat, hätte gemäss Carlo Janka bei der jüngsten Selektion keine Rolle spielen dürfen.

«Die Bedingungen in Bormio werden sehr wahrscheinlich anders sein als bei Monneys Sieg im Dezember 2024. Das Licht dürfte im Februar besser sein, die Piste weniger eisig. Darum sehe ich aufgrund der letzten Resultate keinen Grund, um Alexis im Vergleich mit Niels und Rogi zu bevorzugen», gab der Gesamtweltcupsieger von 2010 zu Protokoll. Cheftrainer Tom Staufer hält fest, «dass das Gesamtbild bei dieser Trainerentscheidung zugunsten von Alexis den Ausschlag gegeben hat».

«An seiner Stelle wäre ich wohl auch genervt»

Monney gibt unumwunden zu, dass er von dieser Entscheidung selber überrascht war: «Ich hatte mich gedanklich bereits auf die Quali vorbereitet, ich habe mich auf eine brutale schwere Woche eingestellt. Aber ohne Quali-Druck kann ich natürlich sehr viel Energie sparen.»

Gleichzeitig macht der 26-jährige Freiburger klar, «dass ich den Ärger von Hintermann sehr gut nachvollziehen kann. An seiner Stelle wäre ich wohl auch genervt. Und ich habe bei den Trainern nie Druck gemacht, dass sie mich setzen müssen. Aber selbstverständlich sage ich jetzt meinen Trainern auch nicht, dass ich die Quali trotzdem fahren möchte.»

Monney realisiert im ersten Training mit einem ausgelassenen Tor die viertschnellste Zeit, damit ist er zwei Zehntel langsamer als Superstar Marco Odermatt mit der drittschnellsten Zeit. Stefan Rogentin ist acht Zehntel schneller als Niels Hintermann. Die Entscheidung in dieser Qualifikation fällt jedoch erst im zweiten Training vom Donnerstag.

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