Darum gehts
- Malorie Blanc gewinnt Heimsieg in Crans-Montana vor 6250 Fans
- Trainer Karl Frehsner lobt Blancs Energieeffizienz und mentale Stärke
- Erster Speed-Podestplatz des Winters trotz Ausfällen von Gut-Behrami und Gisin
Malorie Blanc (22) fährt in Crans-Montana VS aufs oberste Podest und in die Herzen der 6250 Fans. Sie flippen aus, jubeln, schwenken die Schweizer Fahnen. Im Zielraum umarmen sich die Swiss-Ski-Betreuer, klatschen mit jedem ab, der in der Nähe steht. Endlich der erste Speed-Podestplatz des Winters – und dann gleich ein Heimsieg. Nur einer bleibt ganz ruhig: Karl Frehsner.
Die 86-jährige Trainer-Legende freut sich innerlich. «Ich kenne Malo schon lange», sagt er und tönt, als hätte er den Premieren-Sieg der Walliserin vorausgeahnt. «Sie ist gefahren, als gäbe es keine Hindernisse. Mit Freude. Malorie hat eine gute Körperposition, eine gute Anatomie. Und sie verliert keine unnötige Energie. Eigentlich ist sie mit halber Kraft gefahren.»
Wie bitte? Mit halber Kraft? «Das ist vielleicht übertrieben. Aber Malorie verliert viel weniger Energie als andere, weil sie ganz locker fährt. So wie Beat Feuz früher oder Marco Odermatt. Hast du sie jemals im Ziel kaputt gesehen? Nein. Und das wirst du auch nicht bei Malorie – ausser sie ist verzweifelt, weil sie Fehler gemacht hat.»
«Druck interessiert sie nicht»
Die Klasse auf den Ski ist das eine. Die Aussenwirkung das andere. Blanc ist sympathisch, aufgestellt, bescheiden. Vor 30 Jahren hätte man rasch von einem Ski-Schatz gesprochen. Und dennoch sagt Frehsner: «Sie ist keine einfache Frau.»
Er meint das nur positiv. «Malorie sagt ihre Meinung, hat eine gute Ausdrucksform und kommt bei den Leuten gut an. Sie geht ihren Weg.» Entscheidend sei, dass sie sich selbst bleibt. «Auch wenn es einigen nicht passt. Kritiker wird es immer, aber das ist egal.»
In Crans-Montana hält Blanc dem Druck der Öffentlichkeit stand, obwohl nach den Ausfällen von Lara Gut-Behrami (35), Michelle Gisin (31) und Rückkehrerin Corinne Suter (31) viel Druck auf ihr lastet. «Druck interessiert sie nicht. Sie muss so Skifahren, wie sie es kann. Und nicht wie andere wollen. Das tut sie. Dazu hat Malorie ein sehr gutes Umfeld – man schaut zu ihr. Das ist sehr positiv.»