Exploit im Wallis
Blanc rast in Crans-Montana zu ihrem ersten Weltcupsieg

Die Walliserin zeigt beim Heimrennen eine sensationelle Fahrt und überstrahlt alle. Der Exploit ist der Lichtblick bei den Schweizerinnen, die ansonsten die Top 15 verpassen.
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Ramona BieriRedaktorin Sport

Das Podest

1. Malorie Blanc (Sz) 1,17,34
2. Sofia Goggia (It) +0,18
3. Breezy Johnson (USA) +0,36

Mit dieser Fahrt holt sich Blanc ihren ersten Sieg
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Exploit in Crans-Montana:Mit dieser Fahrt holt sich Blanc ihren ersten Sieg

Das Rennen

Um kurz nach halb zwölf bebt Crans-Montana. Der Grund dafür heisst Malorie Blanc. Die 22-jährige Walliserin zeigt eine sensationelle Fahrt bei ihrem Heimrennen. Und knackt die Bestzeit der Disziplinenführenden Sofia Goggia. Das Publikum tobt, feiert sie für ihre Leistung. Und Blanc geniesst den Moment mit einem Strahlen im Gesicht, das die Sonne in den Schatten stellt. Sie sorgt für einen Exploit, der den Schweizerinnen gut tut. Für die Speed-Frauen ist es der erste Podestplatz in diesem Winter. Und das gelingt Blanc an dem Ort, an dem sie vor zwei Jahren einen herben Rückschlag wegstecken musste. 2024 hat sie sich bei einem Sturz in der Europacup-Abfahrt das Kreuzband gerissen. Nun überstrahlt sie alle.

Allerdings muss sie noch mehr als einmal so richtig zittern. Erst ist Laura Pirovano drauf und dran, eine neue überlegene Bestzeit aufzustellen. Bei der dritten Zwischenzeit liegt die Italienerin sechs Zehntel vorne. Und dann das! Sie fährt am letzten Tor vorbei und scheidet aus. Bitter für sie. Denn Pirovano hätte Blanc von der Spitze verdrängt. Kurz darauf zeigt Breezy Johnson mit Startnummer 29, dass die Piste immer noch schnelle Fahrten zulässt. Die Amerikanerin vergibt im Schlusshang den Sieg, reiht sich aber hinter Goggia auf Platz 3 ein. So bleibt Blanc in Führung. Und feiert den ersten Weltcupsieg ihrer Karriere. Im vierten Super-G des Winters ist sie die vierte Siegerin.

Die Schweizerinnen


16. Jasmina Suter +1,22
23. Corinne Suter +1,55
28. Priska Ming-Nufer +2,15
29. Janine Schmitt +2,16
29. Joana Hählen +2,16
38. Delia Durrer +3,37
DNF Jasmine Flury

Corinne Suter zeigt einen starken Start. Aber je länger ihre Fahrt dauert, desto mehr fällt sie zurück. Man sieht, dass sie aufgrund ihrer Verletzung, die sie vor dem Saisonstart erlitten hat, noch nicht zu 100 Prozent bereit ist, das Risiko zu suchen. Sie nimmt vor allem im letzten Abschnitt viel raus.

Jasmina Suter kann nicht mit ihrer Landsfrau mithalten. Sie handelt sich 1,22 Sekunden Rückstand ein. Und ist am Ende dennoch die zweitbeste Schweizerin.

Gleich zweimal hat Joana Hählen Glück. Sie kann einen Sturz verhindern. Die Rettungstaten kosten allerdings viel Zeit. So findet sie sich in der Rangliste weit hinten wieder. Letztlich reicht es gerade noch für zwei Weltcuppunkte. Platz 29 teilt sie sich mit der zeitgleichen Janine Schmitt.

Von oben bis unten ist es für Jasmine Flury ein Krampf. Letztlich merkt sie, dass es nichts mehr bringt und fährt im Zielhang an einem Tor vorbei. Sie scheidet aus. Neben ihr verpasst auch Delia Durrer die Punkte. Sie handelt sich einen zu grossen Rückstand ein.

Die Stimmen gegenüber SRF

Malorie Blanc: «Unglaublich, ich habe ein bisschen Mühe, alles zu realisieren. Als ich ins Ziel gekommen bin, habe ich die Leute gehört und gedacht, das war wohl nicht so schlecht. Schade hat es Pirovano nicht ins Ziel geschafft – sie hätte es verdient. Ich weiss nicht, wann das alles bei mir ankommt. Aber wenn ich die Leute höre, das ist unglaublich – boah, ich habe kleine Ameisen in meinem Herz. Familie, Freunde – ich habe gehört, dass 200 Personen für mich da sind. Ich bin mega dankbar, dass alle gekommen. Ohne sie wäre es ganz anders. Auf dieser Piste habe ich alles erlebt, habe mich hier auch verletzt. Es ist so ein schöner Ort, wenn ich ins Wallis komme, ist es einfach zu Hause und ich kann es voll geniessen. Ich bin sehr froh, habe ich das auf dieser Piste gemacht für diese Leute.»

Corinne Suter: «Mir war es wichtig, dass ich bei den Ausfahrten das Tempo mitnehmen kann. Das Rennen war nicht einfach, sondern ziemlich technisch. Ein-, zweimal hab ich zu viel hingestellt, da verliert man viel Zeit. Im Hinblick auf Olympia versuche ich noch irgendwo zu trainieren. Jetzt geht es darum, die guten Schwünge, die dabei sind, zusammenzufügen und das von oben bis unten durchzuziehen.»

Das gab zu reden

Das Rennwochenende in Crans-Montana steht ganz im Zeichen der Brandkatastrophe von Silvester. Das Rahmenprogramm wurde angepasst, der Fokus gilt dem sportlichen Aspekt. Am Freitag legen die Athleten auf einem schwarzen Herz im Schnee Rosen nieder, um den Opfern zu gedenken. Schwarz ist auch die Farbe, die im Zielraum dominiert. Der Zielbogen ist schwarz statt rot. Die üblichen Werbebanden zieren keine bunten Sponsoren-Logos, sondern schwarze Schleifen und der Slogan «Unsere Gedanken sind bei euch», übersetzt in mehrere Sprachen. Vor dem Rennstart am Samstag gibts eine Gedenk-Zeremonie.

Foto: Getty Images

Das gab zu reden II

Im April verletzte sich Federica Brignone schwer. Vor elf Tagen gibt sie mit Platz 6 im Riesenslalom am Kronplatz ein fulminantes Comeback. Nun greift die Italienerin auch im Speed wieder an. Ihren Start in der Abfahrt verhindert am Freitag der Rennabbruch, im Super-G ist es nun soweit. Sie zeigt eine solide Fahrt, kann aber nicht mit den Schnellsten mithalten. Am Ende klassiert sie sich in den Top 20.

Die Bedingungen

Am Freitag war es grau und neblig, es hat geschneit. 24 Stunden später siehts komplett anders aus. Von Wolken ist nichts mehr zu sehen. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint – Kaiserwetter par exzellence. Und auch die Piste ist bei Temperaturen knapp unter null Grad in gutem Zustand.

So gehts weiter

Die Frauen haben die Olympia-Hauptprobe hinter sich. Das nächste Rennen ist die Abfahrt (8. Februar, 11.30 Uhr), in der es um Medaillen geht. Im Super-G werden diese am 12. Februar (11.30 Uhr) verteilt.

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