Es geht um mehr als nur Verletzungen
Das sind die Problemzonen der Schweizer Speed-Frauen

Bei den Schweizer Speed-Frauen stehen an diesem Wochenende die Heimrennen in Crans-Montana an. Wunder – sprich Podestplätze – dürfen nicht erwartet werden. Warum die Schweizerinnen zurzeit hinterher fahren. Eine Analyse.
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Darum gehts

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Mathias GermannReporter Sport

Debakel. Blamage. Sackschwach. So fielen die Urteile über die Schweizer Speed-Frauen in den letzten Wochen aus.

Während die Männer in Adelboden BE und Wengen BE Volksfeste feierten, sanken die Erwartungen an Corinne Suter (31) und Co. vor Abfahrt und Super-G in Crans-Montana VS. Doch sind die Schweizerinnen wirklich schlechter als im letzten Winter?

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Die Schweizer Speed-Frauen sind momentan die Sorgenkinder bei Swiss-Ski.
Foto: keystone-sda.ch

Die Fakten zuerst: In fünf Abfahrten und drei Super-Gs gab es keinen Podestplatz. Janine Schmitt (25) wurde in Zauchensee (Ö) Fünfte, Malorie Blanc (22) in St. Moritz GR Sechste. Von den Speed-Fahrerinnen erfüllten nur sie die vollen Olympia-Limiten. In einem fiktiven Speed-Nationencup liegt die Schweiz auf Rang 6. Schmitt ist 19. der Abfahrtswertung, Blanc kommt im Super-G nicht über Platz 16 hinaus.

Für die Ski-Nation Schweiz ist das eines: ungenügend. Ausser Österreich verfügt kein Verband über ähnlich grosse finanzielle Mittel. Mit der Sommer-Speed-Strecke in Zermatt VS besitzt Swiss-Ski zudem einen klaren Standortvorteil.

«Niemand glaubt, mit der Brechstange etwas erzwingen zu können»

Seit diesem Winter ist Stefan Abplanalp (52) Gruppentrainer der Speed-Frauen. Man spürt: Unter ihm ist Bewegung im System. «Aber ich bin auch nicht zufrieden», sagt er. «Wir wollen und können mehr.»

Cheftrainer Beat Tschuor (57) mahnt zu Geduld: «Wir haben Leistungsträgerinnen, die von Verletzungen zurückkommen und deshalb noch nicht konstant auf ihrem höchsten Niveau fahren. Und wir haben jüngere Athletinnen, bei denen sich Erfolgserlebnisse und Rückschläge noch abwechseln.« Die Entwicklung gehe in die richtige Richtung, sei aber noch nicht abgeschlossen.«Unser starkes Trainerteam verfügt über all die Erfahrung, die es braucht, um in dieser Situation nicht plötzlich das Gefühl zu haben, man könne mit der Brechstange etwas erzwingen.»

Die Ausreisser bleiben rar

Vor der Saison verletzten sich Lara Gut-Behrami (34), Michelle Gisin (32) und Corinne Suter (31). Suter ist zurück, aber noch nicht in Topform. Das Trio holte im letzten Winter 1559 Speed-Punkte – 82,4 Prozent der gesamten Ausbeute. Der Rest brachte es auf 334 Punkte. Erstaunlich: In diesem Winter sammelte das Team ohne die drei Stars bereits 357 Punkte. Dabei stehen noch neun Speed-Rennen aus.

Entwarnung gibt es trotzdem nicht. Ausreisser nach oben wie die Topresultate von Janine Schmitt und Malorie Blanc sind rar. Dabei hatte Frauen-Cheftrainer Tschuor gehofft, ohne die grossen Namen könnten andere profitieren. Diese Hoffnung erfüllte sich nur selten. Malorie Blanc fährt solide, scheint sich derzeit aber selber mehr unter Druck zu setzen und verliert dabei ihre grösste Stärke: Lockerheit. Janine Schmitt macht kleine, stetige Fortschritte. «Was fehlt, ist eine Fahrerin vorneweg, wie Marco Odermatt bei den Männern. Jemand, der liefert und Druck nimmt. Viele wollen es zu gut machen», sagt Abplanalp.

Andere hinken ihrer Bestform hinterher: Jasmine Flury (32), Joana Hählen (34), Priska Ming-Nufer (33), Delia Durrer (22). Gründe gibt es viele, auch Verletzungen.

Gewinnen lernen im Europacup

Hinter der Schweizer Speed-Krise stecken nicht nur Ausfälle, fehlendes Risiko und Formschwächen. Es gibt auch ein strukturelles Problem. Die Schweiz hat Junge und Routiniers, aber keinen Mittelbau. Es fehlen Fahrerinnen zwischen 25 und 30. Viele wurden früh verheizt oder zu Platzfahrerinnen erzogen – und verschwanden. «Swiss-Ski ist bemüht, Siegerinnen auszubilden. Darum ist es wichtig, dass einige Athletinnen den Weg über den Europacup machen. Dort sollen sie lernen, zu gewinnen», sagt Abplanalp.

Und Crans-Montana? Siege sind kaum zu erwarten, Podestplätze ebenfalls nicht. Zwei Tage durften die Schweizerinnen exklusiv auf der gewässerten WM-Strecke von 2027 trainieren. Das nährt Hoffnung. Doch sie ist fragil.

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