Darum gehts
Lindsey Vonn (41) auf Rang 50? Mit 3,30 Sekunden Rückstand? Unmöglich.
Genau das passiert vor einer Woche in Zauchensee (Ö). Natürlich nur im Training. Sie selber sagt: «Ich gehe ab sofort nicht mehr volles Risiko. Ich möchte einfach ins Ziel kommen und gesund bleiben. Entscheidend sind die Olympischen Spiele im Februar.» Und die US-Amerikanerin ergänzt schmunzelnd: «Ich bin im Alter ja hoffentlich klüger geworden.»
Es folgt das Rennen. Vonn fährt allen davon und ihren 84. Weltcupsieg ein. Zwei fehlen noch, dann holt sie Ski-Legende Ingemar Stenmark (86 Siege) ein. Aber wie war das jetzt mit dem Risiko, dass sie keinesfalls mehr eingehen möchte?
«Ich habe Lindsey kürzlich gefragt: Was machst du nächstes Jahr?»
Aksel Svindal (43) lächelt. Der Super-Elch aus Norwegen ist seit letztem Sommer Vonns Trainer. Besser: Erfolgstrainer. «Lindsey fährt mit vernünftigem Risiko. Sie steht besser auf den Ski als vor ihrer sechsjährigen Ski-Pause. Viel stabiler. Genau das war unser Ziel in der Vorbereitung. Lindsey sollte sich nicht mehr unnötig in Gefahr bringen, schliesslich ist Olympia das ganz grosse Ziel.»
Bloss: Vonn ist auch so, mit weniger Risiko, pfeilschnell. Egal bei welchem Schnee, Wetter oder Kurssetzung. Ihre Platzierungen in diesem Winter: 1, 2, 4, 3, 3, 1. Sie führt im Abfahrtsweltcup mit 129 Punkten Vorsprung.
«Zuerst wollte Lindsey nach Cortina aufhören. Dann hat sie mir gesagt, dass sie bis zum Weltcupfinale fährt», so Svindal. Im Idealfall beendet Vonn ihre zweite Karriere mit einer Olympia-Goldmedaille und einer Weltcupkristallkugel. Aber wäre es nicht schade, danach zurückzutreten? Svindal: «Ich habe Lindsey kürzlich gefragt: Was machst du nächstes Jahr? Aber sie hat gemeint, dass sie zu 100 Prozent aufhören wird. Es gibt keinen weiteren Winter.»
Svindal über Vonns Schwächen
Die Teilprothese im rechten Knie macht Vonn keinerlei Probleme. Im Gegenteil. «Jetzt ist das linke Knie sogar das schlechtere», sagt Svindal. Man erkenne kaum noch Unterschiede in den Kurven. «Da macht sie den Unterschied aus. Beim Gleiten gibt es aber stärkere Fahrerinnen – drei oder vier Österreicherinnen sind besser.» Kritik auf hohem Niveau. Fakt ist: Vonn hat Klasse, Erfahrung und einen enormen Grundspeed. «Dazu ist sie körperlich extrem stark und ist voller Selbstvertrauen.»
Ob Vonn in Tarvisio (It) ihre Erfolgsserie fortsetzt? Das letzte Rennen im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien gewann sie – das war vor 15 Jahren. Von ihren heutigen Gegnerinnen war damals keine aktiv. Svindal: «Was Lindsey macht, ist beeindruckend. Einfach cool!»