Ski-Stars trauern an Inferno-Bar in Crans-Montana
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Einen Monat nach Katastrophe:Ski-Stars trauern bei Inferno-Bar in Crans-Montana

Trauer, Blumen, Kerzen! Italien-Ass Curtoni: «Ich kannte ein Opfer»
Die traurige Rückkehr nach Crans-Montana

27 Tage nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana kehrt der Skiweltcup zurück. Doch die Stimmung bleibt gedämpft: keine Feiern, stattdessen gedenken die Sportler der Opfer der Katastrophe.
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Zeichen der Trauer: Ein grosser Blumenstrauss auf der Treppe des «Le Constellation».
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • 27 Tage nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana: Skiweltcup ohne Feierlichkeiten
  • Starker Wind verhindert die Gedenkaktion der Athletinnen für die Opfer
  • Italiens Skiteam legt einen grossen Blumenstrauss nieder
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Mathias GermannReporter Sport

Auf den ersten Blick ist in Crans-Montana VS alles wie immer. Schnee fällt, Einheimische kaufen Croissants, die Touristen tragen Pelz oder Skihelme. Vor dem Eisfeld im Zentrum sitzt Bibi, das Maskottchen der Region: drei Meter Plüsch, Ski nach vorn gestreckt, ein breites Lachen. Alles wie immer. Oder?

Nein. Nichts ist wie immer.

Seit der Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation sind 27 Tage vergangen. Vergessen wird sie nicht. Auch jetzt nicht, da der Skiweltcup zurück ist. Hinter Bibi, wo sonst Corinne Suter und andere an Stahlseilen über die Menge zur Startnummernauslosung sausen, bleibt es still. Keine Party, keine Animation, keine Zeremonien. Alle Festivitäten sind abgesagt.

Mittwoch. Erster Trainingstag der Frauen-Abfahrt. Startzeit ist 10.30 Uhr. Es gibt Verschiebungen. 11 Uhr. Dann 11.30 Uhr. Der Wind ist zu stark. Schliesslich wird der Start nach unten verlegt. Dort, wo es im Super-G losgeht. Dabei standen die Athletinnen seit 8 Uhr am Mont Lachaux bereit. Sie wollten ein riesiges Herz formen – zum Gedenken an die Opfer, als Zeichen der Kraft für Verletzte, Familien und Freunde. Der Wind macht es unmöglich. Vielleicht wird es am Donnerstag nachgeholt.

Shootingstar Blanc wuchs in der Nähe auf

Gegen 13 Uhr ist das Training vorbei. Entscheidend sind die Resultate nicht, 14 Fahrerinnen verpassen ein Tor. Malorie Blanc (22) kommt gut durch. Sie ist die schnellste Schweizerin (9.) und freut sich, so nah von daheim erstmals im Weltcup zu fahren. «Ich konnte im eigenen Bett schlafen, kenne viele Leute und liebe die Strecke», sagt sie.

Blanc ist in Ayent aufgewachsen, fünf Kilometer Luftlinie entfernt. Sie kannte die Bar, war aber nie drin. «Die Leute hier sind mit den Gedanken bei den Opfern und ihren Familien. Alle halten zusammen. Gleichzeitig sind sie froh, dass der Ski-Zirkus da ist. Wenn wir etwas Abwechslung und Freude bringen können, ist das wichtig.»

Auch Cornelia Hütter (33, Ö) denkt über den Sport hinaus. Die Abfahrtsweltcupsiegerin von 2024 sagt: «Ob ich Athletin bin oder nicht, spielt keine Rolle. So eine Tragödie trifft mich als Menschen. Das nimmt mich mit.» Ski fahren sei nicht das Wichtigste. Und doch glaubt sie: «Mit unserem Sport können wir vielleicht etwas Positives bewirken und den Familien zeigen: Ihr seid nicht allein.»

Curtoni kannte ein Brandopfer

Während die Fahrerinnen den Zielraum verlassen, begeben sich viele Journalisten zurück ins Zentrum. Vor der «Le Constellation» will der italienische Verband der Opfer gedenken. Mehrere von ihnen waren Italiener. Um 15.30 Uhr beginnt die Zeremonie. Im dichten Schneefall gehen Betreuer und Athletinnen zum Unglücksort.

Teamchef Gianluca Rulfi legt Blumen auf die Holztreppe, Olympiasiegerin Sofia Goggia (33) legt einen Wimpel des Verbandes dazu. Die Front des Lokals ist mit Spanplatten verschlossen, davor brennen Kerzen in einer Blumenkiste. Die Athletinnen stehen im Halbkreis. Leere Blicke, Trauer. Niemand spricht. Nur Goggia (33) murmelt etwas – vielleicht ein Gebet.

Nach fünf Minuten geht das Team zu den Bussen. Italienische Journalisten folgen ihm, suchen Stimmen. Ohne Erfolg. Für Elena Curtoni ist die Tragödie besonders nah. Die 34-Jährige kannte den italienischen Nachwuchsgolfer Emanuele Galeppini, der mit 16 Jahren im Feuer starb. Auch seine Eltern. «Mein Mann hat mit ihnen gearbeitet. Es wird schwer sein, hier zu stehen.» Hilft das Gedenken, den Fokus wieder auf den Sport zu richten? «Ein bisschen. Aber ein Teil meiner Gedanken bleibt bei den Familien.»

Irgendwann wird es dunkel in Crans-Montana. Bibi lacht noch immer. Das Leben geht weiter. Irgendwie. Der Ski-Zirkus bietet wieder etwas Normalität.

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