Darum gehts
- Henrik Kristoffersen kritisiert Pistenbedingungen und gerät mit Offiziellen aneinander
- In Schladming vergleicht er die eisige Piste mit Sommerreifen
- Ziel: fünfter Sieg im Schladming-Slalom und alleiniger Rekordhalter werden
Henrik Kristoffersen (31) ist ein Heisssporn. Immer wieder macht er seinem Ärger Luft. Im November 2023 stürmen Klimaaktivisten den Zielraum in Gurgl (Ö). Das macht den Norweger stinksauer, er will zu ihnen stürmen und ihnen die Meinung sagen. Mit Müh und Not halten ihn mehrere Personen davon ab. «Verdammte Idioten!», poltert er im norwegischen Fernsehen.
In diesem Winter ist es die Slalom-Piste in Wengen BE, die Kristoffersen verärgert. Er liefert sich einen verbalen Schlagabtausch mit FIS-Rennleiter Markus Waldner und kritisiert die viel zu wechselhafte Präparation. «So etwas ist extrem gefährlich für die Knie und den Rücken.» Das Gepoltere hat Folgen. Waldner machte eine Ansage in Richtung des Norwegers: «Nächstes Mal gibts eine empfindliche Strafe.»
«Weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll»
Auch beim Nacht-Riesenslalom von Schladming (Ö) passt ihm die Piste nicht. Sie ist extrem eisig und stellt ihn mit Startnummer 1 vor grosse Probleme – 2,18 Sekunden Rückstand und Zwischenrang 19 sprechen eine klare Sprache. Und trotz Warnung kann Kristoffersen seinen Ärger nicht zurückhalten. «Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll», meint er gegenüber dem norwegischen Sender Viaplay. Und fügt an: «Aber ich kann ja nach Wengen nichts mehr sagen. Markus Waldner hat mir einen Maulkorb verpasst.»
Trotzdem setzt er danach zu Kritik an. «Es ist völlig lächerlich. Ich bin im Weltcup noch nie in einem Riesenslalom gefahren, bei dem es so glatt war.» Um zu verdeutlichen, was er meint, zieht Kristoffersen folgenden Vergleich: «Es ist, als würde man mit Sommerreifen auf glattem Eis fahren.» Als er gefragt wird, welche Gefühle er nun habe, gibts eine klare Antwort. «Das kann ich im Fernsehen nicht laut sagen. Leider.»
Im Slalom jagt er den Rekord
Aber der Ärger über die Piste ist so gross, dass er sich zwischenzeitlich Gedanken macht, ob er in der Entscheidung überhaupt noch einmal antreten will. Er wisse nicht, ob er dazu Lust habe oder nur aus Protest fahren solle. Letztlich ist das Sportlerherz dann doch grösser. Kristoffersen fährt noch einmal. Verbessern kann er sich nur um eine Position auf Platz 18.
Ob er im Slalom am Mittwochabend (1. Lauf ab 17.45 Uhr) besser mit der Planai zurechtkommt? Dort verfolgt er ein besonderes Ziel, wie er der «Krone» sagt: «Ich will diesen fünften Sieg!» Damit würde er Benjamin Raich (47, Ö) hinter sich lassen und alleiniger Rekordsieger im Schladming-Slalom werden. Gleichzeitig wäre es sein erster Triumph diesen Winter.