Darum gehts
Vor einer Woche stieg in Zürich-Oerlikon die vierte Swiss-Ski-Night. Der höchst erfolgreiche Verband feierte sich bei der Schneesport-Gala selbst. Das Motto? «Glow for Snow». Glühe für den Schnee. Was kaum einer weiss: Seit Wochen glühen auch die Gemüter mehrerer Schweizer Ski-Asse. Genauer: jene der Speed-Frauen. Alle Top-Athletinnen sind stinksauer. Warum?
Speed-Gruppenchef Stefan Abplanalp (53) wurde am 8. April entmachtet. Einen Tag vor Beginn der Schweizer Meisterschaften. Er musste seinen Posten räumen – neu ist der Berner fürs Skicross-Team zuständig.
Verpackt wurde die Medienmitteilung so, wie man es auch aus dem Fussball kennt. Mit salbungsvollen Worten. Man sei bei einer «umfassenden Saisonanalyse» zu diesem Schluss gekommen, schrieb der Verband. «Gemeinsam mit Stefan Abplanalp», hiess es weiter. Die Anpassung erfolge «im Hinblick auf die kommenden Jahre und den laufenden Generationenwechsel».
Suter kehrte auch dank Abplanalp zum Siegen zurück
Doch hinter den Kulissen lief es anders. Mehrere Quellen bestätigen: Abplanalp eckte mit seiner direkten, fordernden und eloquenten Art an. Schlamperei duldete er nicht. Gleichzeitig schuf er ein Umfeld, das viele Athletinnen schätzten. Talent Malorie Blanc (22) hob mehrfach hervor, wie wichtig Abplanalp für ihre Entwicklung gewesen sei. In Crans-Montana gewann sie ihr erstes Weltcuprennen.
Für erfahrene Fahrerinnen wie Corinne Suter (31), Lara Gut-Behrami (35) oder Jasmine Flury (32) zählt ohnehin weniger Technikunterricht als Vertrauen. Mit welchem Tempo werde ich in diese Kompression rasen? Kann ich auf diesem Eis voll auf Zug fahren? Geht dieser Sprung 30 oder 50 Meter weit?
Bei den Antworten geht es nicht nur um Zeitgewinn oder Zeitverlust, sondern auch um die eigene Gesundheit. Umso wichtiger ist es, dem Trainer zu glauben – bei Abplanalp war dies der Fall. Auch dank ihm kehrte Suter zum Siegen zurück. Nach einer Verletzung kurz vor der Saison fuhr sie mit Schmerzen und Zweifeln, kämpfte aber immer weiter. Nach Olympia löste sich der Knopf.
Die Meinung der Athletinnen war egal
Swiss Ski setzt nun auf Silvan Epp (44). Ein kompletter Neustart – ausgerechnet ein Jahr vor der Heim-WM. Ob das funktioniert, bleibt offen. Zwar verdient Epp eine faire Chance. Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Denn sportlich lieferte das Team. Trotz schwerer Verletzungen von Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin steigerte sich die Mannschaft gegenüber dem Vorjahr deutlich: 1235 statt 817 Punkte. Suter fand nach ihrer Verletzung zum Siegen zurück. Selbst Alpin-Direktor Hans Flatscher sagt: «Es lag nicht an den Ergebnissen.»
Besonders brisant: Keine Athletin wurde vor dem Entscheid zur Arbeit von Abplanalp befragt. Das wirkt nicht nur unprofessionell, sondern fragwürdig. Schliesslich riskieren die Fahrerinnen auf der Piste ihr Leben. Bei den Slalom-Frauen läuft es anders. Camille Rast und Wendy Holdener arbeiten seit Jahren mit Trainern, die sie selbst vorgeschlagen haben. Swiss Ski hörte zu, diskutierte und entschied sich. Diesmal lief alles anders.
Was bleibt? Die Speed-Affäre muss sportlich nicht zwingend Folgen haben. Keine Athletin wird absichtlich schlecht fahren, um ein Zeichen zu setzen. Sie würden sich nur selbst schaden. Suter, Blanc und Gut-Behrami sind immer für Siege gut, ihre Klasse ist unbestritten.
Fakt ist aber auch: Das Theater generierte nicht nur böses Blut, sondern kostete Energie. Optimale Voraussetzungen für den neuen Winter sind das nicht.