Zu Besuch bei der SVP-Regierungskandidatin und der Skilegende
Accolas mischen die Politik auf – und nehmen kein Blatt vor den Mund

Valérie Favre Accola will für die SVP in den Bündner Regierungsrat. Sie und ihr Ehemann, Skilegende Paul Accola, kritisieren die «Wohlstandsverwahrlosung» und «die unbegrenzte Zuwanderung in die Sozialwerke». Blick hat sie in Davos besucht.
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Valérie Favre Accola, höchste Bündnerin und Statthalterin von Davos, will für die SVP in den Regierungsrat. Ihr Mann ist Skilegende Paul Accola.
Foto: Andy Mettler

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Valérie Favre Accola will für die SVP in den Bündner Regierungsrat
  • Sie setzt sich für bezahlbaren Wohnraum, Kinderschutz, Familien oder weniger Bürokratie ein
  • Sie und ihr Ehemann, Skilegende Paul Accola, sprechen über Familie, Sport und die Gesellschaft.
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Patrick GerberRedaktor Politik

Davos gibt sich idyllisch und bodenständig – und ist doch ein Ort von Welt. Auf dem Bahnhofplatz ist viel los. Reisebusse spucken an diesem sonnigen Samstag Dutzende Touristen aus, ausgerüstet mit Sonnenhüten und Wanderkarten. Valérie Favre Accola (53), derzeit höchste Bündnerin und SVP-Regierungsratskandidatin, wartet am Bahnhof.

Auf der Weiterfahrt ins Seitental Sertig gibt es einen Zwischenstopp: Ihr Ehemann, Ski-Legende Paul Accola (59), steigt zu. Kurz zuvor hat er an einem steilen Hang mit einem gelben Menzi-Muck-Bagger ein ehemaliges Kartoffelfeld umgegraben. Für das Gespräch zieht der einstige Gesamtweltcupsieger einen frischen Pullover über und stellt sich als Pauli vor – auch seine Frau nennt ihn so. «Früher gab es keine freien Samstage», sagt er. Eine Haltung, die auch Valérie Favre Accola prägt – selbst wenn die beiden nicht immer derselben Meinung sind. 

Die Bündner Regierungsratswahlen

Der Bündner Regierungsrat hat 5 Sitze. Die Mitte (vorher CVP und BDP) ist aktuell durch Jon Domenic Parolini (66), Marcus Caduff (53) und Carmelia Maissen (49) vertreten. Zudem sitzen Martin Bühler (49, FDP) und Peter Peyer (60, SP) in der Regierung. Seit dem Zerwürfnis der SVP Graubünden mit Eveline Widmer-Schlumpf (70) im Jahre 2008 konnte die Partei nie mehr einen Sitz für sich gewinnen. 

Für die Regierungsratswahlen am 14. Juni kandidieren 9 Politikerinnen und Politiker – darunter auch Valérie Favre Accola. Neben vier Bisherigen sind dies Reto Bott (24, parteilos), Micheal Maurizio (56, FDP), Nora Saratz Cazin (45, GLP) und Aita Zanetti (56, Mitte). Nicht mehr antreten kann Jon Domenic Parolini – er wurde bereits zweimal wiedergewählt. 

Die Regierung des Kantons Graubünden 2026
Alice des Neves

Der Bündner Regierungsrat hat 5 Sitze. Die Mitte (vorher CVP und BDP) ist aktuell durch Jon Domenic Parolini (66), Marcus Caduff (53) und Carmelia Maissen (49) vertreten. Zudem sitzen Martin Bühler (49, FDP) und Peter Peyer (60, SP) in der Regierung. Seit dem Zerwürfnis der SVP Graubünden mit Eveline Widmer-Schlumpf (70) im Jahre 2008 konnte die Partei nie mehr einen Sitz für sich gewinnen. 

Für die Regierungsratswahlen am 14. Juni kandidieren 9 Politikerinnen und Politiker – darunter auch Valérie Favre Accola. Neben vier Bisherigen sind dies Reto Bott (24, parteilos), Micheal Maurizio (56, FDP), Nora Saratz Cazin (45, GLP) und Aita Zanetti (56, Mitte). Nicht mehr antreten kann Jon Domenic Parolini – er wurde bereits zweimal wiedergewählt. 

Richtig zuhören und anpacken

«Was mich auszeichnet ist, dass ich gut zuhören und anpacken kann sowie belastbar bin», sagt Valérie Favre Accola beim Gespräch im «Schwingerstübli» des «Walserhuus» im Sertig. Sie ist Vizepräsidentin von Davos und Präsidentin des Bündner Parlaments – Statthalterin und Standespräsidentin, so nennen das die Bündner. Seit 20 Jahren ist sie politisch aktiv. 

Die «wertkonservative und wirtschaftsliberale» SVP-Politikerin strebt nun einen Sitz im Regierungsrat an. Dort ist ihre Partei seit dem Zerwürfnis mit alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (70) nicht mehr vertreten. «Ein Drittel der Bevölkerung hat im Moment keine Stimme in der Regierung», sagt sie.

Valérie Favre Accola ist vielseitig engagiert. Sie war Leiterin der Regionalentwicklung Prättigau/Davos, präsidiert den Unihockey-Club Iron Marmots Davos Klosters und ist Geschäftsführerin der Paul-Accola-Stiftung. Beiden liegt die Sportnachwuchsförderung besonders am Herzen. «Sport ist eine Lebensschule und verbindet uns auch als Gesellschaft», sagt sie. Man lerne, zuzuhören, auch Regeln zu befolgen und sich für andere sowie Teamkollegen stark zu machen, ergänzt Paul Accola. 

«Unbegrenzte Zuwanderung in Sozialwerke»

Diese Eigenschaften – vor allem das Zuhören – seien auch in der Politik entscheidend. «Als Politikerin stellt man sich in den Dienst der Gesellschaft», sagt Valérie Favre Accola. Dabei hat sie mehrere Anliegen: Abbau der zunehmenden Bürokratie und Regulierungen. «Ich erlebe das auch im Unternehmen von Pauli», erklärt sie. Dagegen müsse etwas unternommen werden. «Man muss immer mehr Formulare und Statistiken ohne Mehrwert ausfüllen», bestätigt er.

Valérie Favre Accola setzt sich politisch für bezahlbaren Wohnraum, den Kindesschutz sowie die Stärkung der Familie ein. Zudem positioniert sie sich gegen neue EU-Verträge und gegen die «unbegrenzte Zuwanderung». Favre Accola unterstützt auch die 10 Millionen-Initiative, als einzige der Bündner Regierungskandidierenden. «Es geht nicht um einen Zuwanderungsstopp, sondern um Leitplanken», sagt sie. Grundsätzlich sei man nicht gegen Zuwanderung, betonen beide. Wer arbeite – «und zwar in einer Branche, in der man es wirklich braucht» –, sei willkommen. «Aber heute haben wir vor allem eine unbegrenzte Zuwanderung in die Sozialwerke.»

Favre Accola bemängelt den fehlenden bezahlbaren Wohnraum für Fachkräfte, was den Mangel verschärfe. «Gerade jene Menschen, die in den Städten am Dichtestress leiden und über genug Geld verfügen, leisten sich dann in den Bergen eine Zweitwohnung.» Der Druck steige. 

Kritik an «Wohlstandsverwahrlosung»

Sie habe eigentlich nie eine politische Karriere angestrebt, sagt Valérie Favre Accola. Sie sei einfach hineingewachsen. Politisch interessiert seien sie beide aber immer gewesen. «Es sollte normal sein, dass man sich dafür interessiert», so Pauli Accola. Am Ende wolle jeder wissen, wofür seine Steuergelder eingesetzt werden.

Zu Hause diskutierten sie oft über Politik. «Wir sind zwar in derselben Partei und sehen dieselben Probleme». Bei den Lösungen seien sie sich aber nicht immer einig, sagt Valérie. «Blöd ist, dass ich am Schluss einfach immer recht habe», kontert Pauli mit einem Lächeln. Selbst noch einmal in die Politik einsteigen will er dennoch nicht. Zwar kandidierte er einst für den Nationalrat und war Grossrats-Stellvertreter. Aber: «Ich werde ja jetzt von Valérie vertreten», sagt er schmunzelnd. 

Auf die lange Dauer ihrer Ehe – 24 Jahre – angesprochen, winkt Pauli ab: «So lange ist das gar nicht.» Wichtig sei, sich Freiräume zu lassen und die Stärken wie Schwächen des Partners zu akzeptieren, ergänzt Valérie Favre Accola. «Ich kann immer auf Pauli zählen.»

Arbeit und Familie sehen beide nicht als Gegensatz. «Mein Engagement in der Paul-Accola-Stiftung und im Unihockeyverein ist auch ein Familienprojekt», sagt Valérie Favre Accola. Sie habe damit wegen ihrer Kinder begonnen, die im Unihockeysport aktiv sind. Die Frage nach der Vereinbarkeit stelle sich für sie deshalb nicht. So oder so: Die Teilzeitarbeit bereitet Paul Accola Probleme. Er führt ein Unternehmen mit drei Angestellten, das im Tiefbau und in der Landwirtschaft tätig ist. «Es gibt Tage, da muss es einfach vorwärtsgehen.» Wenn jemand nur 60 oder 80 Prozent arbeite, sei das für die Arbeitsplanung «des Unternehmers sehr mühsam». Ob Mann oder Frau spiele für ihn keine Rolle: «Ich nehme auch eine Frau, die fünf Tage die Woche arbeitet.»

Vieles verbindet die Eltern von drei Kindern, gerade das Engagement für die Gemeinschaft in ihrer Heimat. «Mir geht es nicht um das weltbekannte Davos. Es geht uns um das Davos, das wir kennen und lieben», sagt Valérie Favre Accola. 

Im «Schwingerstübli» sind die beiden bestens bekannt, werden gegrüsst – eine Britin bittet die Ski-Legende um ein Foto. Dann trennen sich ihre Wege wieder: Valérie Favre Accola geht am Tag des Besuchs zur Feier des HC Davos – trotz des verlorenen Playoff-Finals gegen Fribourg-Gottéron. Paul Accola zieht es zurück an den Hang. «Ich habe schon fast wieder einen ganzen Tag verloren.»

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