Darum gehts
- Justin Murisier wechselt mit 34 Jahren von Head zu Kästle.
- Kästle feiert Comeback dank tschechischem Investor und neuen Fahrererfolgen.
- Murisier unterschreibt Dreijahresvertrag, unterstützt vom erfahrenen Alex Martin.
Es ist ein aussergewöhnlicher Materialwechsel: Justin Murisier (34) fährt nicht mehr mit Ski von Head, sondern geht künftig mit Ausrüster Kästle an den Start. Der Birds-of-Prey-Champion erinnert damit an die goldenen Jahre von Pirmin Zurbriggen (63).
Die Geschichte der österreichischen Skifirma beinhaltet einen raketenhaften Aufstieg, gefolgt von einem dramatischen Absturz. Durch den Walliser Jahrhundert-Rennfahrer Pirmin Zurbriggen haben die Latten aus dem vorarlbergerischen Hohenems in den 80er-Jahren Weltruhm erlangt: 40 Einzelweltcupsiege, vier grosse Kugeln, vier WM-Goldmedaillen und ein Olympiasieg hat der geniale Schweizer Allrounder aus Saas-Almagell zwischen 1984 und 1990 auf Kästle eingefahren.
Kurz nach Zurbriggens Rücktritt wurde der Abstieg von Kästle im Rennsport durch den Verkauf an die italienische Firma Benetton eingeleitet. Nach den WM-Goldmedaillen der Norweger Tom Stiansen (Slalom) und Kjetil André Aamodt (Kombination) 1997 in Sestriere ist das Unternehmen in der sportlichen Bedeutungslosigkeit verschwunden.
«Wie bei Stöckli vor der grossen Ära von Odermatt»
Die Basis für den Wiederaufstieg wurde 2018 gelegt, als der tschechische Milliardär Thomas Nemec die Mehrheit der Kästle-Aktien übernahm. Nemec, der sich einen Grossteil seines Vermögens mit einer Reifenfirma erarbeitet hat, investiert viel Geld in den Rennsport. 2023 bescherte ihm die Slowenin Ilka Stuhec (35) den ersten Weltcupsieg seit dem Wiedereinstieg.
Bei den Männern verlief das Kästle-Comeback wesentlich harziger, weil sich kein Hochkaräter getraut hat, zum in Vorarlberg ansässigen Ski-Hersteller zu wechseln. Doch dann hat das tschechische Greenhorn Jan Zabystran am 19. Dezember 2025 beim Weltcup-Klassiker von Gröden in sensationeller Manier im Super-G triumphiert.
«Das Ganze erinnert mich an Stöckli – vor der grossen Ära von Marco Odermatt», resümierte Kästle-Botschafter Zurbriggen nach Zabystrans Triumph. «Lange Zeit hat sich kein Abfahrer getraut, auf Stöckli-Ski zu wechseln, bis der junge Marco Odermatt in eindrücklicher Manier bewiesen hat, dass auch die Ski einer kleineren Firma extrem schnell sind. Und nun hat Zabystran gezeigt, dass auch unser Material perfekt funktioniert.»
Murisier erhält namhaften Betreuer
Diese Gewissheit hat seit ein paar Wochen auch Justin Murisier. Der Unterwalliser gehörte in den letzten sechs Jahren genau wie der dreifache Olympiasieger Franjo von Allmen (24) zur Speed-Armada von Head. Im vorletzten Winter hat Murisier auf der technisch schwierigen Birds-of-Prey-Abfahrt in Beaver Creek seinen ersten Weltcupsieg gefeiert. Aber nachdem sich der 34-Jährige in der letzten Saison mit zwei Top-Ten-Ergebnissen begnügen musste, spürte er bei Head nicht mehr dasselbe Vertrauen.
Auch deshalb hat Murisier im April erstmals Kästle getestet. «Ich habe das enorme Potenzial vom Kästle-Material bereits bei den ersten Schwüngen im Ultental bemerkt. Und nach vier Test-Tagen war mir endgültig klar, dass ich meine Karriere auf dem türkisblauen Ski fortsetzen will.» Nun hat Murisier bei Kästle einen Dreijahresvertrag unterschrieben.
Mit Alex Martin erhält Murisier einen renommierten Servicemann. Martin hat gigantische Erfolge an der Seite von US-Riesenslalom-Hero Ted Ligety gefeiert. Im letzten Winter hat der Vorarlberger die Ski von Österreicher Stefan Babinsky präpariert, welcher bei den Super-G in Wengen und Kitzbühel den Sprung auf das Podest schaffte..