Darum gehts
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Mikaela Shiffrin (31, USA) sorgt schon vor ihrem traditionellen Atomic-Medientermin am Donnerstag für eine Überraschung. «Ich plane, in diesem Winter weniger Slaloms zu fahren», vermeldet sie. Stattdessen will sie sich stärker auf Riesenslalom und Super-G konzentrieren. Damit hätte keiner gerechnet.
Zweimal Gold bei Olympia, viermal bei Weltmeisterschaften, 73 Weltcupsiege, neun kleine Kristallkugeln – Shiffrin ist die beste Slalomfahrerin aller Zeiten. Nun kehrt sie ihrer Paradedisziplin zumindest teilweise den Rücken. Die ersten beiden Zick-Zack-Rennen des Winters in Levi (Fi) und Gurgl (Ö) lässt sie aus. Was danach kommt, bleibt offen.
Aus Schweizer Sicht eröffnet Shiffrins Slalom-Kürzung neue Möglichkeiten. Öffnet sich damit plötzlich die Tür zur kleinen Kristallkugel?
Seit Vreni Schneider 1995 gewann keine Schweizerin mehr die Slalom-Kugel
«Wenn man nur schwarz und weiss auf die Zahlen schaut, könnte man das als Ziel nennen», sagte Camille Rast (27) kürzlich. Weltmeisterin ist die Walliserin bereits, 2025 gewann sie Gold in Saalbach (Ö). Die Kugel fehlt noch.
Gleiches gilt für Wendy Holdener (33). Zweimal wurde sie am Ende des Winters Zweite, beide Male hinter Shiffrin. Dazu kommen vier dritte Plätze. Für beide Schweizerinnen wäre Slalom-Kristall ein Highlight. Auch für Swiss-Ski: Seit 1995 wartet die Schweiz auf eine Kugel in dieser Disziplin. Damals gewann Vreni Schneider zum sechsten und letzten Mal die Trophäe.
Girardelli glaubt an Rast, Abplanalp bleibt bei Shiffrin
«Wenn Shiffrin nicht alle Slaloms fährt, haben Rast und Holdener definitiv Chancen. Auch Lara Colturi traue ich viel zu», sagt ORF-Expertin Nicole Hosp (42, Ö). Ähnlich denkt Marc Girardelli (63). Der dreifache Slalom-Kugel-Gewinner glaubt vor allem an Rast: «Ich könnte mir gut vorstellen, dass sie die Situation ausnutzt. Holdener eher weniger, sie ist zu wenig konstant für die Kugel.»
Entscheidend wird sein, wie viele Slaloms Shiffrin tatsächlich auslässt. Neben Levi und Gurgl gibt es nur noch einen Slalom im Weltcup-Kalender, der ohne Riesenslalom stattfindet: Courchevel (Fr). Bei allen anderen könnte Shiffrin an den Start gehen, ist sie doch ohnehin vor Ort. Potenziell verschenkt sie damit 300 Punkte.
«Für mich wäre Mikaela auch so noch die Favoritin auf die Kugel», sagt Stefan Abplanalp (53). Der ehemalige US-Speed-Chef kennt Shiffrin gut, im Frühling 2024 wäre er beinahe ihr Coach geworden. Er verzichtete aus familiären Gründen. «Mikaela hat in ihrem Leben so viele Slalomläufe gemacht – ihre Basis ist enorm. Sie kann auch ohne viel Training gewinnen.»
Shiffrin hat 442 Punkte Vorsprung auf Rast
Im letzten Winter gewann Shiffrin neun von zehn Weltcupslaloms. Am Ende hatte sie 980 Punkte, 442 mehr als Rast. Sie hätte also auch damals problemlos einige Rennen auslassen können.
So oder so sorgt Shiffrin für neue, kaum gekannte Spannung im Slalom-Weltcup. Sie tut auch dann Gutes für den Skisport, wenn sie nicht fährt.