Corinne Suter (32) will nur eines: endlich Ruhe. Nicht auf der Piste, da lässt sie es gerne krachen – sondern von Spitälern, Kliniken und Rehazentren. Diese besuchte sie in den letzten Jahren zu oft. Gehirnerschütterung 2023, Kreuzbandriss und Meniskusschaden 2024, Fussbruch 2025 – immer dann, wenn der Winter so richtig begann.
Drei Jahre, drei Rückschläge. Suter sucht keine Ausreden. «Bislang lief alles gut, ich hatte eine gute Vorbereitung ohne Probleme», sagt die Olympiasiegerin und Weltmeisterin in der Abfahrt. Und: «Ich bin mega zufrieden.»
Der Speed-Auftakt ist noch weit weg
Bis zum Speed-Auftakt am 11. Dezember in Beaver Creek (USA) dauert es noch gut zwei Monate. Beim Südamerika-Camp in Valle Nevado (Chile) trat Suter bereits mächtig aufs Gaspedal. Sie ist und bleibt die Referenz im Schweizer Speed-Team. «Man sagt irgendwie immer, man muss schauen, dass man nicht zu früh parat ist. Aber wenn du jetzt langsam bist, machst du dir trotzdem Gedanken. Es gilt, den richtigen Mittelweg zu finden.»
Suter ist zurück in der Schweiz. Kondi, Riesenslalom-Training, dazu auch mal den Kopf lüften. Ende November reist sie mit dem Team für ein Speed-Camp in die USA. Sie weiss: «Wenn es zählt, kann ich auch nochmals etwas drauflegen. Diese Erfahrung habe ich in den letzten Jahren gemacht.»
Ist Suter gesund, ist sie schnell – fast immer
Die Schwyzerin ist die Frau für die grossen Momente. WM-Gold 2021, Olympiasieg 2022, dazu weitere Medaillen. Bei den Olympischen Winterspielen im vergangenen Februar klappte es dagegen nicht. Suter fuhr mit Schmerzen im Fuss, war nicht frei – weder im Kopf noch auf den Ski.
Die Therapien danach schlugen an. Prompt raste sie in Soldeu (AND) zu ihrem ersten Saisonsieg. Es folgten weitere Topplatzierungen und der Schweizer Meistertitel im Super-G. «Ich finde, dass ich mein Skifahren von damals beibehalten konnte», sagt sie. Tönt vielversprechend.
Etwas ist dennoch anders. Speed-Cheftrainer Stefan Abplanalp musste im Frühling gehen, Silvan Epp ersetzt ihn. Auch Jvano Nesa war nicht mehr erwünscht, für ihn kam Laurent Praz. Ein solcher Schnitt weniger als ein Jahr vor der Heim-WM in Crans-Montana VS? Alles andere als ideal.
«Es braucht sehr viel Kommunikation»
Suter hält sich mit Kritik zurück. Alte Verletzungen? Druck? Neue Trainer? «Wenn ich darüber nachgrüble, ist das nur verlorene Energie.» Dennoch lässt sie durchblicken, dass ihr die fehlende Kontinuität auf den Trainerpositionen missfällt. «Jeder Wechsel braucht Zeit. Es dauert einfach, bis man sich kennenlernt, bis man genau weiss, wie der andere funktioniert.» Und: «Es braucht sehr viel Kommunikation. Das Sich-Finden. Und das ist, glaube ich, jetzt die grosse Challenge.»
Abplanalp war für Suter eine wichtige Bezugsperson. Ihm vertraute sie voll und ganz. «Das ist wichtig, wenn man mal Zweifel hat, unsicher ist oder einfach eine Bestätigung braucht. Das tut halt manchmal gut.»
Sie kennt die Pisten fast auswendig
Mit 32 Jahren plagen Suter allerdings weniger Zweifel als früher. «Ich bin gewisse Abfahrten x-mal gefahren und weiss, wo es Sinn macht, zu riskieren. Und wo nicht. Ich brauche nicht mehr extrem viel Betreuung vor einem Rennen.»
Sollte Suter gesund bleiben, wird sie zu den grossen Trümpfen im Schweizer Team zählen – im Weltcup und an der Heim-WM. Einstige Rückschläge hier, erneute Trainerwechsel da. Jetzt will Suter vor allem eines: endlich Ruhe.