Darum gehts
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Es klingt unglaublich, entspricht aber der Wahrheit: Im Schweizer Skiteam macht man sich derzeit für einen Österreicher stark. Die Rede ist von Hannes Trinkl (58). Der Abfahrts-Weltmeister von 2001 ist seit zwölf Jahren beim internationalen Skiverband FIS als Speed-Chef angestellt. In dieser Funktion ist er nicht zuletzt für die Vorbereitung und Kurssetzung bei den Abfahrten auf höchster Stufe zuständig.
Nachdem sein langjähriger Chef, der Südtiroler Markus Waldner, letzte Woche als FIS-Herren-Rennleiter abgetreten ist, denkt aber auch Trinkl über einen Rücktritt nach. Und das würde Swiss-Ski-Cheftrainer Tom Stauffer enorm bedauern. «Die Zusammenarbeit mit Hannes war über all die Jahre sehr gut. Wenn er tatsächlich aufhören sollte, wäre er auf dieser Position nur sehr schwer zu ersetzen», hält der Erfolgstrainer fest.
Trinkl lässt im Telefongespräch mit Blick durchblicken, dass er seine Zukunft vom neuen FIS-Rennleiter abhängig macht: «Dieses Geschäft ist nicht zum Spassen. Es geht um die Gesundheit der Athleten. Da muss man sich gut überlegen, mit wem man das mittragen kann – oder eben nicht.»
Angebot abgelehnt
Die FIS hat dem Oberösterreicher nach Waldners überraschendem Abgang den Job des Rennleiters angeboten – der 58-Jährige hat aber abgelehnt, weil er der Meinung ist, dass sein Know-how für diese Aufgabe zu wenig gross sei. «Die FIS sollte alles daran setzen, dass Markus zurückkommt, weil es in meinen Augen für diese schwierige Tätigkeit keinen Besseren als ihn gibt. Er hat zu allen einen guten Draht und hat regelmässig in schwierigen Momenten die richtige Entscheidung getroffen», hält Trinkl fest.
Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Waldner noch einmal den Rennleiterposten der FIS bekleiden wird, steht praktisch auf dem Nullpunkt. Gemäss Blick-Informationen hatte sich der 63-Jährige für den Posten des FIS-Alpindirektors beworben, der von Geschäftsführer Urs Lehmann kreiert wurde, um die Rennleitung zu entlasten. Doch im vergangenen Juli erhielt der finnische Super-G-Spezialist Janne Leskinen (55) den Vorzug. Laut Insidern fühlte sich Waldner dadurch in seinen Kompetenzen beschnitten.
«Ein grossartiges Projekt, aber …»
Eine seiner letzten Sitzungen führte Waldner vor wenigen Wochen nach Genf. Dort diskutierten Vertreter von Swiss-Ski und der Zermatter Franz Julen über die Zukunft der Gornergrat-Abfahrt. Vor allem Julen und Trinkl lieferten sich dabei ein Wortgefecht: Während Julen den mit dem ehemaligen FIS-Präsidenten Johan Eliasch schriftlich vereinbarten Weltcup-Termin im März 2028 ins Feld führte, sprach sich Trinkl für eine längere Testphase vor der Weltcup-Premiere am Gornergrat aus.
Trinkl wehrt sich aber gegen den Vorwurf, dass er gegen dieses Projekt sei. «Ich finde diese Gornergrat-Abfahrt eines der grossartigsten Projekte, welches es seit langem gibt. Aber das Ganze gehört einfach gewissenhaft und gut vorbereitet.»
Überraschender Fürsprecher
Franz Julen lässt keinen Zweifel daran, dass die Gornergrat-Abfahrt 2028 bereit für die Weltcup-Premiere sein werde. Gleichzeitig spricht auch er sich in aller Deutlichkeit für einen Verbleib von Trinkl als FIS-Speed-Chef aus. «Ich schätze die Zusammenarbeit mit Hannes sehr, auch wenn wir nicht immer derselben Meinung sind. Von seiner grossen Erfahrung in den Speed-Disziplinen und seiner Kompetenz – gerade in Sicherheitsfragen – können die lokalen Organisatoren enorm profitieren. Er versteht auch unsere Anliegen und ist zudem ein Mann der klaren Worte.»
Aber es bleibt dabei: Wie es mit Trinkl weitergeht, wird erst klar sein, wenn die FIS Waldners Nachfolger bestimmt hat. Und das dürfte nicht vor der nächsten Woche passieren. Bei den Rennen in Sölden, Levi und Gurgl wird Frauen-Rennleiter Peter Gerdol auch bei den Männern das Sagen haben.