Darum gehts
- Schweizer Speed-Team reist nach Chile, Michelle Gisin bleibt wegen Verletzungen zu Hause
- Gisin erholt sich von schwerem Sturz, plant Schnee-Comeback im Oktober in Zermatt
- 258 Tage nach Unfall: Gisin bei 60 Prozent, Knie und Rücken bereiten Probleme
In wenigen Tagen reisen die Schweizer Speed-Asse nach Chile. Ihr Ziel: Valle Nevado. Dort holen Corinne Suter und Co. die Grundlagen für den kommenden Winter. Fehlen wird Michelle Gisin (32). «Das käme zu früh», sagt sie.
258 Tage sind seit ihrem Horrorsturz im Abfahrtstraining von St. Moritz GR vergangen. Viel Zeit – aber nicht genug, um wieder die Alte zu sein. «Ich bin etwa bei 60 Prozent», schätzt sie. Und freut sich. «Vor einem halben Jahr hätte ich das nicht für möglich gehalten. Zuletzt ging es steil bergauf.» Vorsicht bleibt trotzdem. Brüche am Halswirbel, Probleme an der Schulter, Taubheitsgefühle in den Fingern – Gisin kämpft weiter mit den Folgen ihres Unfalls.
Entscheidend ist ihr linkes Knie. Kreuz- und Innenband funktionieren acht Monate nach der Operation gut, die Quadrizepssehne braucht noch Zeit. «Velofahren geht nicht gut. Sobald der Oberkörper fixiert ist, habe ich Schmerzen in Rücken und Handgelenk», sagt sie. Anderes klappt hervorragend. «Klettern ist super. Auch Wandern. Mit Stöcken mache ich über 1000 Höhenmeter – problemlos.» Die Engelbergerin schuftet im Kraftraum und baut endlich wieder Muskeln auf.
Comeback oder nicht? «Es schwankt»
Bei einem Kick-off-Event der Heim-WM in Crans-Montana spazieren wir mit Gisin zum Start der Abfahrtspiste Mont Lachaux. Im Februar 2027 geht es hier um Medaillen. «Entweder bin ich als Botschafterin oder als Athletin hier», sagt sie schmunzelnd.
Prognosen sind schwierig. Gisin will zuerst auf den Schnee – im Oktober in Zermatt VS soll es so weit sein. Dann entscheidet sie, ob sie die Ski an den Nagel hängt. «Ich hätte keine Mühe zu sagen: Das wars. Aber vielleicht gibt es ja noch eine dritte Option.»
Sie verrät: «Vielleicht lasse ich die Saison bleiben und kehre übernächsten Winter zurück.» Diese Variante hatte man von ihr bisher noch nie gehört. «Sie hat sich vor kurzem aufgetan. Wenn es mich packt, warum nicht?»
Manchmal fühlt sich Gisin wieder wie eine Athletin. Dann wieder gar nicht. «Es schwankt», gibt sie zu. Die zweifache Kombi-Olympiasiegerin weiss: «Es ist noch ein weiter Weg, bis ich wieder kompetitiv in einem Starthaus stehe.» Wenn es überhaupt je so weit kommt.