«Es ist frustrierend»
18 Monate nach Sturz leidet Slalom-Weltmeisterin Rast immer noch

Ein Sturz in Sestriere 2025 verfolgt Camille Rast (27) bis heute. Die Slalom-Weltmeisterin leidet weiterhin an Schmerzen, doch sie gibt nicht auf. Mit neuem Coach und Trainingslager in Argentinien bereitet sie sich auf die neue Saison vor.
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Mathias GermannReporter Sport

Es ist nur ein kurzer Moment. Ein Wimpernschlag. Camille Rast (27) ist blitzschnell unterwegs, verliert kurz vor dem Ziel die Kontrolle über ihre Ski, fädelt ein und stürzt. Kurz darauf steht sie wieder auf. Kein Knochen ist gebrochen, kein Band gerissen. Und doch leidet Rast noch immer unter den Folgen jenes Unfalls im Februar 2025.

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Camille Rast (27) kämpft nach wie vor mit den Folgen ihres Sturzes in Sestriere. Und das, obwohl schon eineinhalb Jahre vergangen sind.
Foto: keystone-sda.ch

«Nach eineinhalb Jahren hatte ich gehofft, keine Schmerzen mehr zu haben», sagt sie. Doch so ist es nicht. «Sobald eine neue Belastung da ist, tut es weh. Dann stabilisiert sich alles. Bis wir etwas anderes machen. Dann fängt es wieder von vorne an.»

Entmutigt ist die Slalom-Weltmeisterin von Saalbach 2025 deshalb nicht. Sie wusste, dass die Heilung ihrer Hüfte viel Zeit brauchen würde. Noch immer leidet sie am Morel-Lavallée-Syndrom. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Körper, weil sich die Haut vom darunterliegenden Gewebe löst. «Ein Teil des Körpers klebte nach dem Aufprall am Schnee, der andere rutschte weiter», erklärt Konditions-Trainer Florian Lorimier.

Heilung? «Könnte länger als zwei Jahre dauern»

Normalerweise heilt eine solche Verletzung innerhalb von eineinhalb bis zwei Jahren. Man könnte meinen, dass es bei Spitzensportlern schneller geht. Sie sind fitter als die meisten Menschen, ernähren sich besser und werden optimal betreut. Doch das Gegenteil ist der Fall. «Skifahren auf Top-Niveau ist nicht gerade die Erholung, die der Körper braucht. Bei mir könnte es also länger als zwei Jahre dauern», sagt Rast. Der Dauerstress bleibt nicht ohne Folgen.

Wie viel sie trotz der Verletzung leisten kann, zeigte Rast im vergangenen Winter. Achtmal stand sie auf dem Weltcuppodest, zweimal gewann sie. Bei Olympia holte sie auf einer flachen, für sie wenig geeigneten (weil eher flachen) Strecke Silber.

Hier findet Slalom-Ass Camille Rast ihren Ausgleich
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Ausgleich auf dem Sattel:Slalom-Ass Camille Rast bereitet sich auf Saison vor

«Wir wissen, wie man mit dieser Verletzung umgeht. Frustrierend ist es trotzdem», sagt Rast. Erstmals erzählt sie, wie mühsam vor allem die zweite Saisonhälfte für sie war. «Ich hatte jede Nacht Schmerzen. Medikamente nahm ich nur ganz selten, weil mein Magen nicht gut darauf reagiert», sagt die Walliserin.

Trotzdem wurde sie im Slalom-Weltcup hinter der überragenden Mikaela Shiffrin (31, USA) Zweite – ein Zeichen ihrer Konstanz. «Darauf bin ich stolz. Aber ohne die Probleme wäre mehr möglich gewesen», ist sie überzeugt.

In Ushuaia folgt die Belastungsprobe auf Ski

Nach dem Winter fiel die Spannung ab. Ihr Körper fiel in ein Loch, machte einen «Shutdown», wie Rast es nennt. «Mein Körper zeigte mir ganz klar: Ich will jetzt nicht mehr. Jetzt brauche ich meine Ruhe!» Sie gab ihm die nötige Auszeit. Als sie ins Konditionstraining zurückkehrte, spürte sie die Folgen. «Wir fingen ganz locker an. Trotzdem reagierten Hüfte und Gesässmuskel schlecht. Wir mussten ganz von vorne beginnen.»

Drei Skitage hat Rast auf dem Gletscher hinter sich. Ab Dienstag folgen drei weitere in der Skihalle von Wittenburg (De). Ende August fliegt sie mit dem Team nach Ushuaia (Arg). Dort will sie sich in einem dreiwöchigen Trainingslager das Rüstzeug für den Winter holen.

«Ich freue mich darauf», sagt sie. Mit dabei ist ihr neuer Trainer Claude-Alain Art. Er folgt auf Erfolgscoach Denis Wicki, der im Frühling in Pension ging. «Er kennt mich seit klein auf, hat meine ganze Karriere verfolgt. Und er spricht Französisch. Das vereinfacht die Arbeit mit Florian und mir», sagt Rast.

Der ehemalige Pistenchef von Crans-Montana VS war Rasts Wunschlösung. Sie selbst fragte ihn an. «Er bringt neue Ideen und neue Energie. Mega cool, dass es geklappt hat.»

Bis zum Saisonstart in Sölden am 24. Oktober bleiben zwei Monate. «Viel zu wenig Zeit, wie immer», sagt Rast. Ihre Hüfte würde ihr wohl beipflichten. Rast hofft allerdings, dass sie sich gar nicht erst meldet. Das wäre das beste Zeichen.

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