«Freue mich, heimzugehen»
Jetzt will Slalom-Ass Rast nur noch rasten

Trotz Krankheit beeindruckt Camille Rast in Spindlermühle mit Platz zwei im Slalom. Mikaela Shiffrin siegt und sichert sich ihre neunte Slalom-Kristallkugel – historisch!
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Fotobombe geht schief! Oder: Sie ist noch besser als gedacht. Camille Rast «crasht» das Siegerfoto der Amerikanerinnen.
Foto: AP

Darum gehts

  • Camille Rast wird in Spindlermühle Zweite trotz Krankheit und wenig Energie
  • Mikaela Shiffrin gewinnt ihre neunte Slalom-Kristallkugel mit 1,67 Sekunden Vorsprung
  • Wendy Holdener wird Dritte im Slalom-Weltcup, Meillard hofft auf Olympia-Start
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Mathias GermannReporter Sport

Als Camille Rast (26) im Zielraum von Spindlermühle (Tsch) auftaucht, ist sie blass. Zwei Wochen Krankheit haben Spuren hinterlassen. Die Laune aber stimmt. «Ich freue mich aufs Heimgehen und Ausruhen», sagt sie. Platz zwei ist stark. Und: Mikaela Shiffrin (30) wäre selbst mit vollem Akku kaum zu schlagen gewesen. Rast verliert 1,67 Sekunden auf den US-Star, der seine neunte Slalom-Kristallkugel gewinnt – Rekord. «Im zweiten Lauf war ich fast gleich schnell», sagt Rast. Stimmt: Es fehlt eine Hundertstel.

Rast mobilisiert noch einmal ihre letzten Kräfte. Die Erkältung sitzt fest. Zwischen Rennen, Training und Reisen blieb ihr keine Zeit zur Erholung. Sie lag auch tagsüber zuweilen im Bett. Rast hustet. «Ich hatte wenig Energie.» Kurz darauf platziert sie beim Siegesfoto der Amerikanerinnen eine Fotobombe, die gelungener nicht sein könnte. Rast rennt vor die Linse, rutsch in den Skischuhen weg, fällt hin und krümmt sich vor Lachen. So wie auch die US-Frauen. Nur Shiffrin erschrickt im ersten Moment. Köstlich.

Aus sportlicher Sicht hat das keine Bedeutung. Und doch zeigt es: Rast wechselt mühelos zwischen Wettkampf und Pause. Sie bleibt locker, selbst wenn es ihr schlecht geht. Das stimmt optimistisch für Olympia. «Mikaela ist sehr gut. Aber ich gebe alles. Vielleicht sind diesmal mehr Kinder vor Ort, die Ski fahren – und die ich inspirieren kann.»

Shiffrin: «Könnte jeden Moment abfliegen»

In Cortina deutet vieles auf ein Slalomduell Shiffrin gegen Rast hin. Die Amerikanerin bleibt Favoritin. Doch sie muss inzwischen mehr riskieren. Grund: Rast schlug sie vor drei Wochen in Kranjska Gora (Sln). Shiffrin reagierte klug, ohne Panik, mit noch mehr Einsatz. In Spindlermühle sagt sie: «Es ist schön, schnell zu sein. Aber wenn ich schnell bin, habe ich das Gefühl, ich könnte jeden Moment abfliegen.»

Wendy Holdener (32) wird Fünfte. Als Halbzeit-Zweite enttäuscht sie das. «Oben war es gut, danach fehlte die freche Linie. Das war zu wenig», sagt sie im SRF. Die Saison wirkt durchzogen, für einige wohl enttäuschend.

Die Bilanz spricht aber von Klasse und Konstanz: acht Slaloms, nie schlechter als Rang acht, Dritte im Slalom-Weltcup. Was fehlt, ist der letzte Angriff. Gelingt er in Cortina, liegen Medaillen drin. Holdener hat oft bewiesen, das sie an Grossanlässen den Turbo zünden kann.

Darf Meillard doch nach Cortina?

Mélanie Meillard (27) und Eliane Christen (27) teilen sich Rang 16. Christen ist für Olympia gesetzt, Meillard muss auf Gnade der Swiss-Olympic-Selektionäre hoffen. Sie hat nur die halbe Richtlinie erfüllt.

Für sie sprechen die Startnummer in der Gruppe nach den Top 7, der offene, vierte Startplatz und der flache Olympiahang – ihr Terrain. Am Montag gibt Swiss Olympic die Selektionen bekannt.

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