Das Wort Slalom stammt aus dem Norwegischen. Aus dem Land, das die Wiege des alpinen Skisports ist. «Slalam» nannte man damals die ersten Versuche mit den schmalen Latten. «Slalam» bedeutet «kleiner Abhang».
Dass die Norweger den Slalom in diesem Winter nach Belieben dominieren, hat also eine gewisse historische Logik. Sie haben ihn schliesslich erfunden. Henrik Kristoffersen, Timon Haugan, Atle Lie McGrath und viele andere fahren dem Rest der Welt derzeit ordentlich um die Ohren. In Norwegen muss es viele kleine Abhänge geben.
Der Slalom ist auch von Abfahrtsweltmeister Bruno Kernen geadelt worden. «Ich schaue lieber Slalom als Abfahrt», sagt Kernen. Und er hat recht.
Das Spektakel zwischen den Stangen ist die neue Königsdisziplin des Skisports. Gründe dafür gibt es viele.
Zum einen werden auch im Slalom Spitzengeschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern erreicht. Die virtuosen Bewegungen der Entfesselungskünstler zwischen den Stangen sind faszinierend. Es gibt keine Gleiterpassagen. Es ist ein permanenter Tanz auf der Rasierklinge.
Bei den Speed-Disziplinen ist die Entscheidung nach den zehn besten Fahrern gefallen. Im alpenländischen Inzuchtduell gewinnt ein Schweizer oder ein Österreicher. Zwischendurch mal ein Italiener.
Im Slalom gibt es zweimal eine Stunde Hochspannung. Es gibt Umstürze in der Rangliste. Es gibt nicht nur Fahrer aus den klassischen Skinationen. Sondern aus Grossbritannien, aus Belgien, aus Bulgarien, aus Griechenland, aus Japan, aus Australien. Weil man diese Disziplin nicht nur im Hochgebirge, sondern an jedem kleinen Abhang trainieren kann. Selbst in einer Skihalle.
Und der Slalom spiegelt auch den Verlauf des Lebens besser als eine Abfahrt. Das Leben ist keine Schussfahrt im Höllentempo. Sondern ein Slalom mit Ecken und Kanten, bei dem die Gefahr des Einfädelns immer besteht.
Wie nahe der Tanz in den Stangen dem richtigen Leben ist, weiss man auch aus Erfahrungen in der Stammbeiz. Man setzt sich an den runden Tisch. Der Slalom beginnt. Es kommt die erste Stange, dann kommt die zweite Stange. Und dann kommen die dritte und die vierte Stange.
Stangen, so weit das Auge reicht. Bis man nur noch Doppeltore sieht. Auf dem Weg zur Toilette kann man schnell am Tischbein einfädeln. Und auf dem Heimweg bekommt man keinen Druck mehr auf den Aussenski. Einmal zu viel Rücklage und weg ist man. Gerade in der Fasnachtszeit hat der Slalom auf dem Heimweg Hochkonjunktur.
Den Braten gerochen haben auch die Brasilianer. Selbst am Fusse des Zuckerhutes ist der Slalom mittlerweile ein Thema. Wenn Lucas Braathen auf dem Schnee Salsa tanzt, dann wird auch an der Copacabana der eine oder andere mitwippen.
Der Skisport kann trotz Klimaerwärmung nur wachsen, wenn er wegkommt vom alpenländischen Stallgeruch. Und mehr globale Aufmerksamkeit generiert. Dafür ist einer wie der Kosmopolit Braathen ein exzellenter Werbeträger.
Künstler im Stangenwald gab und gibt es viele. Ingemar Stenmark, Alberto Tomba und andere Charakterköpfe. Zu ihnen gehört auch Thomas Stangassinger.
Er hat seinen Namen zum Programm gemacht. Und ist 1994 Slalom-Olympiasieger geworden. Stange um Stange.