Paul Odermatt spielt im Leben des besten Skirennfahrers der Gegenwart eine besondere Rolle. Der Bruder von Papa Walti ist Marco Odermatts Götti und gleichzeitig der Präsident von dessen Fanklub. Er hat auch den allerersten Riesenslalom in der Laufbahn des mittlerweile 53-fachen Weltcupsiegers mitbekommen. «Das war im Winter 2002 auf der Piste in Lungern-Schönbüel», erinnert sich der 55-Jährige. «Die JO-Fahrer haben dort Riesenslalom trainiert und natürlich wollte der damals knapp fünfjährige Marco auch durch die Tore kurven. Weil er meiner Meinung nach noch zu klein für diesen Kurs war, habe ich ihn zwischen die Beine genommen. Nachdem wir diesen Lauf mit der nötigen Vorsicht in Angriff genommen haben, hat Marco schnell reklamiert und ständig gerufen: ‹Schneller, Götti, bitte viel schneller!›»
Der fünfte Gesamtweltcupsieg rückt näher
Das Hahnenkamm-Rennen vom Samstag hat sich Paul gemeinsam mit seiner Frau und den Eltern von Marco von der Zuschauertribüne im Zielraum angeschaut. Im Gegensatz zum Sohn sind Onkel, Tante, Mama und Papa sehr zufrieden mit dem Ergebnis. «Mit dem Sieg im Super-G und dem zweiten Rang in der Abfahrt hat Marco einen riesengrossen Schritt in Richtung Gesamtweltcupsieg gemacht. Er liegt jetzt 667 Punkte vor Lucas Pinheiro Braathen. Zudem hat Marco seinen 100. Podestplatz im Weltcup erkämpft. Das ist sensationell», freut sich Götti Paul.
Paul Odermatt glaubt auch nicht, dass sein Neffe lange unter dem knapp verpassten Streif-Triumph leiden wird – trotz der Tränen auf dem Podest. «Meine Mutter, also Marcos Grossmutter, hat die Gabe, dass sie Enttäuschungen blitzschnell abhakt und sofort wieder nach vorne schaut. Marco hat diese Eigenschaft geerbt.» Götti Paul liefert ein Beispiel, welches diese These untermauert: «Bei der WM 2023 war Marco enorm enttäuscht, nachdem er im Super-G eine Medaille als Vierter knapp verpasst hat. Doch drei Tage später hat er Gold in der WM-Abfahrt gewonnen. Absolut bewundernswert!»
Selbstverständlich weiss auch Odermatts Papa Walti, wie schnell sein Sohn Rückschläge verarbeiten kann. «Im Januar 2018 war Marco am Boden zerstört, weil er in Adelboden um zwei Hundertstel die Qualifikation für den zweiten Durchgang verpasst hat. Aber ab diesem Zeitpunkt ist es in seiner Karriere fast nur noch aufwärtsgegangen.»
Das Knie-Drama um Odermatts Kumpel
Seit einigen Jahren hat die Famile Odermatt aus Buochs im Kanton Nidwalden einen besonders engen Bezug zur Familie Kohler aus Meiringen BE. Angefangen hat diese Freundschaft, als Marco Odermatt mit Marco Kohler die Sportschule in Engelberg OW besuchten. Im letzten Sommer ist Kohler vom Berner Oberland in den Kanton Nidwalden gezogen, damit er regelmässig mit Odermatt Kraft- und Kondition trainieren kann. Kohler hat in den letzten sechs Jahren zwei schwere Knieverletzungen erlitten. Im laufenden Winter aber läuft es für ihn immer besser. Bei den Abfahrten in Gröden und Wengen hat sich der 28-Jährige in den Top 15 klassiert. «Seine Mama hat mir vor der Hahnenkamm-Abfahrt geschrieben, dass sie so stolz auf die beiden Marcos ist», erzählt Priska Odermatt.
In Kitzbühel befindet sich Marco Kohler bis zur Hausbergkante auf Top-10-Kurs, doch dann verpasst er ein Tor. Im Ziel dann der Schock: Der Stöckli-Pilot hat sich erneut am Knie verletzt. Danach fährt er zur Untersuchung nach Zürich. Die Odermatts leiden mit: «Wir können nur hoffen, dass es nicht ganz so schlimm ist.»