Sie kennen den Schweizer Psalm. Sie haben ihn bei Siegerehrungen oft gesungen – aber selten mit so einer spektakulären Aussicht.
Dania Allenbach (19), Sue Piller (20) und Jasmin Mathis (22) stehen um 7 Uhr stramm. In Magglingen BE, auf der Terrasse des Bundesamtes für Sport. Vor ihnen weht die Schweizer Flagge. Über ihnen scheint die warme Sonne. Unter ihnen glitzert der Bielersee. Das Ski-Trio singt. Danach geht es zum Zmorge. «Es ist wunderschön hier», sagt Allenbach.
Die Spitzensport-RS läuft seit gut einer Woche – insgesamt sind es 18 Wochen. Talente aus 20 verschiedenen Sportarten sind da. Allenbach, Piller und Mathis haben sich schnell eingelebt. Viel Zeit blieb ihnen nicht: Nach den Schweizer Meisterschaften verbrachten sie eine Nacht zu Hause, dann rückten sie ein.
Piller blieb nur kurz. «Ich war 22 Stunden hier, wurde krank, ging nach Hause und kam einige Tage später zurück», sagt sie. Die Riesenslalom-Aufsteigerin zeigt ihr Zimmer, das sie mit Mathis teilt: lang und schmal. «Es hat alles, was wir brauchen», sagt Mathis. «Und mit Sue klappt es bestens.» Nicht weit entfernt wohnen Allenbach und Shaienne Zehnder (20). Auch sie gab wie die anderen drei im letzten Winter ihr Weltcup-Debüt.
«Wir halten zusammen und achten aufeinander»
Ferien gibt es dieses Jahr für kaum. «Vielleicht nach dem Trainingslager in Argentinien kurz», sagt Piller. Sie und ihre Kolleginnen wollten es so. «Hier haben wir beste Bedingungen und können optimal trainieren», sagt Allenbach.
Der Tag unseres Besuchs ist streng getaktet: von 8 bis 10.30 Uhr militärische Grundausbildung. Sie lernen Gradabzeichen und Rangordnungen. Danach folgt eine Stunde Ernährung: Ein Fachmann gibt Tipps. Um 12 Uhr gibt es Zmittag. Am Nachmittag bis 17.30 Uhr trainieren sie sportartspezifisch – vor allem Kraft, Ausdauer und Koordination. Swiss-Ski stellt dafür einen Trainer.
Das Leben in Grün gefällt. «Wir halten zusammen, lernen viel und achten aufeinander», sagt Allenbach. Was stört? «Zu Hause würde ich nach der langen Saison auch mal bis 10 Uhr ausschlafen», sagt Piller und lacht. Allenbach ergänzt: «Warten liegt mir nicht. Im Militär ist das ein Nachteil.»
10'000 Franken und ein Biwak-Erlebnis
Am Ende der Rekrutenschule erhält jede rund 10’000 Franken – Sold und Erwerbsausfall. «Ich lege das Geld zur Seite», sagt Piller. Die anderen machen es gleich.
In der dritten Woche folgt die Biwak-Übung: 20 Kilometer marschieren mit schwerem Gepäck. Danach bauen sie Zelt, Feuerstelle und Latrine, halten nachts Wache. «Ich freue mich darauf und bin gespannt», sagt Mathis. Sicher ist: Auch dieses Erlebnis werden sie nicht vergessen.