Darum gehts
Schwinger Marius Frank ist erfrischend anders. Während sich viele Sportler nach Enttäuschungen hinter Floskeln verstecken, spricht der 21-jährige Solothurner Klartext. Keine Ausreden. Kein «Heute war halt nicht mein Tag». Kein Verweis darauf, dass die Form im Frühling noch nicht perfekt sei.
Stattdessen analysiert Frank seine zwei Niederlagen beim Solothurner Kantonalen gegen Nick Alpiger und Lars Voggensperger mit einer bemerkenswerten Klarheit: «Mir fehlte die Lockerheit. Ich wollte unbedingt gewinnen. Dabei verkrampfte ich mich.»
Eine Blockade im Kopf
Die Gründe für seinen nicht wunschgemässen Saisonstart kennt Frank. Um sie zu verstehen, muss man ein Jahr zurückblicken. Damals triumphierte er am Aargauer Kantonalen und damit erstmals an einem Kranzfest.
Danach folgten für ihn nur noch Teilverbands- und Bergfeste – also jene Wettkämpfe, bei denen Frank zwar längst dazugehört, aber noch nicht automatisch zu den ganz grossen Siegesfavoriten gezählt wird.
Nun kehrte er am Solothurner Kantonalen wieder auf die Ebene zurück, auf der andere Erwartungen herrschen. «Für mich war es das erste Mal, dass ich als einer der grossen Siegeskandidaten antrat», sagt Frank. Und genau das habe ihn im Kopf wohl etwas blockiert.
Schwingerisch zeigte der Geschichtsstudent, dass er über den Winter noch einmal einen Tick stärker wurde. Nun gilt es, an den neuen mentalen Herausforderungen zu wachsen. Dass er sich so schnell nicht aus dem Konzept bringen lässt, bewies Frank am ESAF.
Der mühsame Weg ins Glarnerland
In Mollis gewann er seinen ersten Eidgenössischen Kranz. Doch was bis heute kaum jemand weiss: Der Solothurner kämpfte sich stark angeschlagen durch das wichtigste Wochenende seiner bisherigen Karriere. Bereits die Fahrt ins Glarnerland verlief alles andere als normal.
Gemeinsam mit Kollegen machte sich Frank am Freitagmorgen auf den Weg ans ESAF. Doch schon zehn Minuten nach der Abfahrt musste der Solothurner austreten. Sein Magen rebellierte. «Ich musste mich übergeben. Das war mir brutal unangenehm.»
Auch die Ohren machten Probleme
Während seine Kollegen noch scherzten, er sei wohl einfach nervös, ahnte der spätere Eidgenosse, dass etwas anderes dafür verantwortlich sein müsse. «Mittlerweile glaube ich, dass altes Gemüse schuld daran war.» An diesem Tag gab es dann nur noch Zwieback und Reis zu essen.
Immerhin besserte sich sein Zustand bis Samstagmorgen leicht. Doch damit nicht genug. Zusätzlich schleppte sich Frank auch noch mit einer Mittelohrentzündung durch das ESAF. «Ich war auf einige Tabletten angewiesen», sagt er.
Strenges Programm über Auffahrt
Während des Schwingens half ihm das Adrenalin, die Schmerzen zu verdrängen. Erst nach dem Fest meldeten sie sich mit voller Wucht zurück. Entsprechend kurz fiel die Feier aus.
Und auch bei einem möglichen Triumph am Donnerstag am Baselstädtischen dürfte Frank kaum bis tief in die Nacht feiern. Schliesslich wartet mit dem Basellandschaftlichen bereits am Sonntag der nächste Härtetest.