Die Schlussgänge
Mittelländisches: Matthias Aeschbacher und Curdin Orlik treffen wie schon im ersten Gang aufeinander. Nach zwei Minuten abtasten greift Aeschbacher ein erstes Mal gefährlich an. In extremis rettet sich Orlik. Auch danach gibts die eine oder andere Offensivaktion. Bis nach gut fünfeinhalb Minuten Aeschbacher den entscheidenden Angriff lanciert und sich den 17. Kranzfestsieg seiner Karriere sichert. Es ist sein dritter Triumph beim Mittelländischen – nachdem er den Sieg 2018 und 2021 noch teilen musste, ist er dieses Mal alleine auf Platz 1 klassiert.
Zuger: Die Favoritenrolle gehört Marcel Bieri. Und dieser wird der Zuger Eidgenosse von Anfang an gerecht. Immer wieder greift er gegen Bruno Suter an. Lange kann sich dieser erfolgreich wehren. Nach rund fünfeinhalb Minuten gelingt das nicht mehr. Mit einem Kurz holt sich Bieri den Sieg.
Die Siegerstimmen
Matthias Aeschbacher gegenüber Tele Bärn: «Im Schlussgang wollte ich, am Morgen wars noch ein huere Gelauer. Nach dem verpassten Kranz letzte Woche wollte ich solide Schwingen und den Kranz machen. Der Sieg bedeutet mir sehr viel. Das Emmentalische hat mir schon zu denken gegeben.»
Marcel Bieri gegenüber Tele 1: «Das Datum liegt mir – letztes Jahr hab ich schon am Muttertag das Schwyzer Kantonale gewonnen. Ich habe erwartet, dass es mir Suter im Schlussgang nicht so einfach macht und gratuliere ihm zu seiner Leistung. Er hat es mir gar nicht einfach gemacht, mir war bewusst, er wartet auf einen Fehler von mir, um zu kontern. Deswegen war meine Strategie, dass ich von Anfang an Vollgas gebe. Glücklicherweise muss ich am Montag erst nachmittags unterrichten – das passt gut. Ich kann etwas feiern und werde noch aufräumen helfen.»
Die Schlussranglisten
Die Titelverteidiger
Beim Zuger Kantonalen hat es letztes Jahr eine Premiere gegeben. Marco Reichmuth feierte seinen ersten Kranzfestsieg. Er tritt ebenso zur Titelverteidigung an wie beim Mittelländischen Fabian Staudenmann. Der Berner Eidgenosse jagt bei seinem Gauverbandsfest den vierten Sieg in Serie. Und wird als König des Mittelländischen entthront. Auch Reichmuth kann seinen Sieg aus dem Vorjahr nicht wiederholen.
Die Kranz-Jubiläen
Michael Moser ist erst 20 Jahre jung. Und feiert mit Platz 5 beim Mittelländischen ein beeindruckendes Jubiläum. Er gewinnt seinen 30. Kranz. Zu diesem Resultat beigetragen hat auch der Gestellte im Generationen-Duell mit Bernhard Kämpf. 17 Jahre ist er älter als das Berner Talent, mit den Jungen kann Kämpf aber nach wie vor mithalten. Nach Rang 3 vor einer Woche beim Emmentalischen wird er dieses Mal Zweiter – und reist mit seinem 110. Kranz nach Hause.
Von der Liebe beflügelt
Marcel Bieri gehört zu den Routiniers im Innerschweizer Team. Und doch ist etwas in dieser Saison anders. Denn es ist seine erste als Ehemann. Nach der standesamtlichen Hochzeit Ende März haben er und seine Frau Aline Mitte April auch kirchlich Ja zueinander gesagt. Fällt Bieri im Sägemehl durch sein weisses Outfit als Turnerschwinger auf, hat sich der Zuger beim Hochzeitsanzug ebenfalls für etwas Besonderes entschieden. Auf den Fotos, die das Ehepaar unter der Woche auf Instagram veröffentlicht hat, sticht sein oranger Anzug sofort ins Auge. Von der Liebe beflügelt, zieht er am Zuger Kantonalen in den Schlussgang ein. Und feiert nicht nur seinen sechsten Kranzfestsieg, sondern auch nach 2017 und 2021 den dritten Triumph am Zuger Kantonalen.
Der erste Erfolg
Vor dem Mittelländischen standen sich Matthias Aeschbacher und Curdin Orlik schon siebenmal gegenüber. Zweimal endete das Duell gestellt, fünfmal triumphierte Aeschbacher. Seine Ungeschlagenheit endet im ersten Gang. Erstmals kann Orlik ihn bezwingen. Die Revanche folgt nur Stunden später. Im Schlussgang greifen die beiden erneut zusammen – dieses Mal gewinnt Aeschbacher.
Der überraschende Schlussgang-Teilnehmer
Mit diesem Schlussgang-Teilnehmer hat in Oberägeri wohl kaum jemand gerechnet. Bruno Suter lässt fast alle hinter sich und darf dank vier Siegen (dreimal platt) und einer Niederlage den letzten Kampf des Tages bestreiten – gegen den nach fünf Gängen Führenden Marcel Bieri. Für Suter ist es so oder so schon ein tolles Resultat. Denn er feiert Schlussgang-Premiere. Davor war sein Bestresultat ein 4. Rang – herausgeschwungen hat er ihn vor zwei Jahren beim Schwyzer Kantonalen.
Der Coup
Letztes Jahr hat Marco Reichmuth mit dem Zuger Kantonalen den ersten Kranzfestsieg seiner Karriere gefeiert. Die Mission Titelverteidigung ist alles andere als von Erfolg gekrönt. Gleich zum Auftakt verliert er das Eidgenossen-Duell gegen Marc Lustenberger. Zwar folgt die Reaktion auf dem Fuss, doch dann landet Reichmuth noch vor dem Mittag ein weiteres Mal auf dem Rücken. Nils Theiler gelingt der Coup. In beeindruckender Manier legt der vierfache Kranzgewinner den Eidgenossen platt aufs Kreuz.
Der perfekte Morgen
Nur ein Schwinger hat zur Halbzeit die Maximalpunktzahl auf dem Konto. Und es ist keiner der total 14 Eidgenossen, die an den beiden Festen im Einsatz stehen. Thomas Bucher (elf Kantonalkränze) gewinnt am Morgen am Zuger Kantonalen dreimal mit Plattwurf. Dafür wird er am Nachmittag belohnt – er trifft auf Marc Lustenberger. Der Eidgenosse beendet Buchers Lauf, fügt ihm die erste von am Ende zwei Niederlagen am Nachmittag zu. Bucher holt sich als Sechster den Kranz.
Die starke Reaktion
Letztes Wochenende hat Matthias Aeschbacher den Kranz beim Emmentalischen um einen Viertelpunkt verpasst. Auch am Mittelländischen startet er alles andere als optimal. Er verliert erneut den ersten Gang (gegen Curdin Orlik). Ziemlich angefressen verlässt Aeschbacher danach das Sägemehl. Und zeigt eine starke Reaktion. Er reiht vier Siege – drei davon mit Plattwurf, unter anderem gegen Adrian Walther – aneinander und zieht in den Schlussgang ein. Dort trifft er erneut auf Orlik und schlägt zurück. Nach dem Frust vor einer Woche ist er nun der strahlende Sieger.
In Papas Fussstapfen
Jahrelang haben die Gebrüder Laimbacher in der Innerschweiz den Schwingsport geprägt. Nun kommt einer aus der nächsten Generation zu seiner Premiere. Patrik Laimbacher (Jahrgang 2010), der Sohn des 105-fachen Kranzgewinners Adi Laimbacher bestreitet mit dem Zuger Kantonalen sein erstes Kranzfest. Laimbacher Junior gilt als grosses Talent. Und beweist das in Oberägeri etwa mit dem Sieg gegen Kantonalkranzer Patrice Bühler. Und das nicht irgendwie, sondern mit Plattwurf. Lange ist er auf Kranz-Kurs – am Ende reichts nicht ganz. Er verliert seinen sechsten Gang gegen Roy Wittwer und wird am Ende Zehnter.
Pleiten, Pech und Pannen
Fabian Staudenmann erlebt einen turbulenten Auftakt in seine Saison. Morgens merkt der Berner, dass er ohne Hemd zu seinem ersten Kranzfest gereist ist. Da er in der Nähe wohnt, ist das kein Problem. Korrekt bekleidet schreitet er zur Tat. Und dann passierts. Im zweiten Gang kassiert er einen Schlag aufs Kinn und zieht sich eine Platzwunde zu. Rund 50 Minuten dauerts, bis die Wunde genäht ist und Staudenmann mit Verband zurückkehrt. Zwar reiht er danach drei Siege aneinander, aber das mit dem Verband ist so eine Sache. Die erste Version in hellbraun hält nicht, auch das schwarze Tape ist der Belastung nicht gewachsen. In der Mittagspause organisiert Staudenmann einen Helm – und siehe da, damit hält der Verband.
Die Bedingungen
Beim Mittelländischen in Stettlen BE ist der Himmel schon morgens bedeckt, der Regen kommt nach dem fünften Gang. Anders siehts in Oberägeri ZG aus. Die Sonne scheint, als die Schwinger beim Zuger Kantonalen morgens zur Tat schreiten. Erst nach dem Mittag ziehen immer mehr Wolken auf. Kurz vor dem Schlussgang öffnen sich die Schleusen und es beginnt auch in Oberägeri zu regnen.
So geht es weiter
Nächste Woche gibts die volle Ladung Schwingen – gleich an drei Tagen stehen Kranzfeste auf dem Programm. Am Auffahrtsdonnerstag findet traditionell der Baselstädtische Schwingertag statt. Zwei Tage später geht das Seeländische über die Bühne und am Sonntag gibts zum Wochenabschluss mit dem Schwyzer, Zürcher und Basellandschaftlichen drei Kantonalfeste.
Der Schwing-Sonntag im Ticker zum Nachlesen
Zuger: Bieri bejubelt Festsieg
Schlussgang – Die Favoritenrolle ist im Schlussgang klar verteilt. Der Eidgenosse Marcel Bieri wird dieser von Beginn weg gerecht. Immer wieder greift er gegen Bruno Suter an – dieser wehrt lange alles ab. Bis nach rund fünfeinhalb Minuten der entscheidende Angriff kommt. Mit einem Kurz legt Bieri Suter aufs Kreuz. Und jubelt im Regen von Oberägeri über den Sieg.
Zuger: Ausgangslage
6. Gang – Von den Verfolgern der Schlussgang-Teilnehmer holt einzig Jonas Troxler die Maximalnote. Damit ist klar: Marcel Bieri braucht einen Sieg, ein Gestellter reicht ihm nicht zum Festsieg. Gleiches gilt natürlich für Bruno Suter, der einen Viertelpunkt hinter Bieri liegt.
Mittelländisches: Aeschbacher triumphiert
Schlussgang – Zunächst ist es ein Abtasten zwischen Curdin Orlik und Matthias Aeschbacher. Nach gut zwei Minuten wirds ein erstes Mal ganz heiss. Um Haaresbreite verpasst Aeschbacher die Entscheidung. Orlik kann sich in extremis am Boden noch ausdrehen. Auch danach gibts die eine oder andere Offensivaktion – keine ist von Erfolg gekrönt. Bis beinahe die Hälfte der maximal zwölf Minuten abgelaufen ist. Aeschbacher greift an und wirft Orlik auf den Rücken. Er gewinnt sein 17. Kranzfest.
Mittelländisches: Ausgangslage
6. Gang – Fabian Staudenmann legt Sandro Galli platt auf den Rücken, Bernhard Kämpf tut dies mit Thomas Wüthrich (2). Sie sind die einzigen aus dem Verfolgergrüppchen der beiden Schlussgang-Teilnehmer, die sich die Maximalnote notieren lassen. Damit ist klar: Gibts im Schlussgang einen Gestellten, erben die beiden den Festsieg. Damit sind Curdin Orlik und Matthias Aeschbacher unter Druck.
Mittelländisches: Zwischenrangliste nach 5 Gängen
Zuger: Zwischenrangliste nach 5 Gängen
Zuger: Bieri und Suter bestreiten Schlussgang
5. Gang – Fabian Scherrer löst seine fünfte Aufgabe mit Bravour, er legt Ryan Rogenmoser platt auf den Rücken. Auch Marco Reichmuth (gegen Sven Wyss) und Roland Reichmuth (gegen Kevin von Wyl) lassen sich die Maximalnote notieren. Ivan Thöni kehrt nach zwei Gestellten in Serie in die Erfolgsspur zurück. Er legt Noah Staffelbach ins Sägemehl. Er holt sich ebenso die Zehn ab, wie anschliessend Bruno Suter gegen David Wüest. Siegreich ist Jonas Troxler ebenfalls, nur gelingt ihm gegen Thomas Bucher kein Plattwurf.
Zwischen Marcel Bieri und Roman Bucher gehts um den Schlussgang. Bieri gewinnt mit Plattwurf und zieht damit in den Schlussgang ein. Sein Gegner? Zunächst noch offen. Infrage kommt der Führende nach vier Gängen Marc Lustenberger. Dafür muss er Lukas Heinzer bezwingen. Kurz vor Ganghälfte ist er nah dran, aber Heinzer entwischt ihm einmal. Gut anderthalb Minuten vor Schluss bringt sich Lustenberger wieder in eine gute Position – er nagelt Heinzer am Boden fest. Aber auch dieses Mal kann er sich ausdrehen. Wenig später entwischt er ein weiteres Mal. Die logische Konsequenz: ein Gestellter. Immerhin werden beide mit Note 9,00 belohnt. Für den Schlussgang reicht das Lustenberger nicht. Bieri trifft in diesem auf Bruno Suter.
Mittelländisches: Schlussgang-Duell steht fest
5. Gang – Eine ganze Weile muss Bernhard Kämpf am Boden nachdrücken. Aber dann bricht der Widerstand von Lukas Dällenbach und der Routinier holt sich den vierten Sieg in Serie. Curdin Orlik könnte mit einem Sieg in den Schlussgang einziehen. Aber er beisst sich an Daniel Tschumi die Zähne aus. Auch ein Schlungg in der letzten Minute verhilft Orlik nicht zum Erfolg. Aber er darf noch hoffen, dass die Resultate der Konkurrenz zu seinen Gunsten ausfallen.
Nach Orliks Gestelltem kann sich Adrian Walther mit einem Sieg für den Schlussgang qualifizieren. Aber auch er nutzt die Chance nicht. Im Gegenteil. Er kassiert eine überraschende Niederlage – Matthias Aeschbacher kontert einen Angriff und legt ihn platt aufs Kreuz. Danach ist die Reihe an Fabian Staudenmann, der mit Michael Moser zusammengreift. Die beiden neutralisieren sich über weite Strecken – der Gang endet gestellt. So sind Aeschbacher und Orlik punktgleich an der Spitze. Ob sie den Schlussgang bestreiten, hängt von der Konkurrenz ab.
Zwei Schwinger könnten mit einem Plattwurf noch punktemässig zu ihnen aufschliessen. Zum einen Fabian Schärz, der mit Severin Staub zusammen greift. Und zum anderen Dominic Annen, der den Eidgenossen Severin Schwander vorgesetzt bekommt. Schärz kann seine Chance nicht nutzen, er muss sich mit einem Gestellten begnügen. Machts Annen besser? Nein, er landet auf dem Rücken. So steht der Schlussgang in Stettlen fest: Matthias Aeschbacher und Curdin Orlik bestreiten ihn.
Zuger: Spitzenpaarungen 5. Gang
Ryan Roggenmoser – Fabian Scherrer
Noah Staffelbach – Ivan Thöni
Marco Reichmuth – Sven Wyss
Roland Reichmuth – Kevin von Wyl
Bruno Suter – David Wüest
Thomas Bucher – Jonas Troxler
Marcel Bieri – Roman Bucher
Lukas Heinzer – Marc Lustenberger
Mittelländisches: Spitzenpaarungen 5. Gang
Dominik Binggeli – Michael Gwerder
Lukas Dällenbach – Bernhard Kämpf
Curdin Orlik – Daniel Tschumi
Matthias Aeschbacher – Adrian Walther
Michael Moser – Fabian Staudenmann
Fabian Schärz – Severin Staub
Dominic Annen – Severin Schwander