«Sie hat mich immer unterstützt»
König Wicki schwärmt von seiner grossen Liebe Alicia

Hat ein Tag mehr als 24 Stunden? Bei Joel Wicki, dem Schwingerkönig von 2022, könnte man es vermuten. Der Bergbauer und Unternehmer möchte seiner Lebenspartnerin Alicia Marbach viel Zeit schenken. Und dann sind da nebst der Arbeit auch noch seine zahlreichen Hobbys.
Kommentieren
Thomas Wälti (Text), Linda Käsbohrer (Fotos), GlücksPost
Glückspost

Die Sonne verschwindet hinter dem schneebedeckten Gipfel des Brienzer Rothorns. Der Himmel färbt sich rot. Im Stall hoch über Sörenberg riecht es nach frischem Heu. Ländlermusik fetzt aus dem Radio. 16 sauber geputzte Mutterkühe stehen in Reih und Glied. Sie sind mit Wiederkäuen beschäftigt. Ausser Wolga: Sie geniesst die Streicheleinheiten ihres Besitzers. «Ich habe Wolga als Lebendpreis am Urner Kantonalen Schwingfest 2023 gewonnen», sagt Joel Wicki (29). Der Schwingerkönig krault das Original Braunvieh liebevoll am Hals. Gut gelaunt empfängt er die GlücksPost auf seinem Hof im luzernischen Entlebuch.

1/6
Simba im Königreich: Die Entlebucher-Appenzeller-Mischlingshündin und Schwingerkönig Joel Wicki posieren auf dem Hof ob Sörenberg.
Foto: Linda Käsbohrer

Vor vier Monaten verkündete der Bergbauer und Baggerunternehmer in der SRF-Sendung «Sportpanorama» seinen sofortigen Rücktritt vom aktiven Schwingsport. «Mein Körper zeigte zunehmend Verschleisserscheinungen. Ich hatte beide Fussgelenke und die Schulter kaputt, Meniskusbeschwerden, der Ellbogen tat weh. Nach jeder Verletzung musste ich mich zurückkämpfen und noch intensiver trainieren, um wieder mit den Besten mithalten zu können. Ein 6. oder 7. Rang hätte meinem Leistungsanspruch nicht genügt. Ich fragte mich: Wie lange kann ich bei der Kniebeuge noch 280 Kilogramm Gewicht bewegen? Wie lange hält mein Körper diese Belastungen aus?», sagt Joel Wicki.

«Irgendwann wurde mir alles zu viel. Ich wollte das Risiko nicht eingehen, mit 40 Jahren ein geschädigtes Gelenk durch ein künstliches Gelenk ersetzen zu müssen.» Er ergänzt: «Es gibt in meinem Leben noch etwas anderes als nur Schwingen.»

Zu Hause Notenblätter studieren

Nach seinem Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen erhielt Joel Wicki viel Zuspruch. «Besonders gefreut haben mich die aufmunternden Kurznachrichten von Skirennfahrer Marco Odermatt und Musiker Trauffer. Sie zeigten Verständnis für meine Entscheidung und schrieben mir, dass ich auf den Schwingplätzen künftig fehlen werde.»

Mehr in der «GlücksPost»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

Dieser Artikel wurde erstmals in der «GlücksPost» veröffentlicht. Mehr aus der Welt der Schweizer Prominenz, Royals und Sportstars erfährst du immer donnerstags in unserem Heft: zum Abo!

Ganz von der Bildfläche verschwinden wird der Schwingerkönig des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 2022 in Pratteln BL aber nicht. «Ab und zu werde ich sicher ein Fest besuchen, denn ich engagiere mich beim Innerschweizer Schwingerverband, zudem trainiere ich aufstrebende Nachwuchsschwinger. So kann ich dem Schwingsport, den ich 22 Jahre lang ausgeübt habe, etwas zurückgeben», sagt der 76-fache Kranzgewinner. Aber klar: Joel Wicki möchte es fortan ruhiger angehen. Er wolle sein bisher durchgetaktetes Leben entschleunigen. «Ich werde viele Schwingfeste von zu Hause aus verfolgen und gespannt Ranglisten und Notenblätter studieren. Das ist doch ein cooler Job», sagt der 1,82 Meter grosse Athlet mit einem Schmunzeln.

Jagen und Fliegenfischen

Einen grossen Teil der freigewordenen Zeit will Joel Wicki mit seiner Freundin Alicia Marbach (29) verbringen. «Ich bin jetzt präsenter in ihrem Leben. Das ermöglicht uns zum Beispiel, aufs Velo zu steigen und eine Tour zu machen.» Die Pflegefachfrau und der Schwingerkönig sind seit elf Jahren zusammen. Welchen Traum möchte er sich erfüllen? Joel Wicki antwortet: «Ich möchte mit Alicia das Leben geniessen und möchte mit ihr eine Familie gründen. Wann es so weit sein wird, wissen wir nicht.»

Joel Wicki hat Alicia viel zu verdanken. «Sie hat mich immer unterstützt und mir den Rücken freigehalten. Wenn ich an Wiederholungskursen der Spitzensportförderung der Armee mehrere Wochen in Magglingen weilte, kümmerte sie sich um den Stall und die Tiere. Das ist nicht selbstverständlich.»

Nebst den 16 Mutterkühen leben ein Muni, vier Hühner für den Eigenbedarf, drei Esel, zwei Katzen und die Entlebucher-Appenzeller-Mischlingshündin Simba auf dem 54 Hektar grossen Hof. Mit Simba haben der GlücksPost-Redaktor und die Fotografin schon Bekanntschaft geschlossen – erst wurden sie bei der Ankunft angebellt, inzwischen liegt die Fellnase auf dem Rücken und will sich den Bauch streicheln lassen.

Joel Wicki kann sich auch vorstellen, mehr Zeit auf der Jagd zu verbringen. Selbst geschossenes Wild gehört nämlich wie Entrecôte mit Kroketten oder Cordon bleu zu seinen Lieblingsgerichten. Auch der Talisman stammt aus der Jägerei: Im Portemonnaie bewahrt er den Eckzahn eines Hirsches auf, den er von seinem Vater geschenkt bekommen hat. Künftig will er sich vermehrt dem Fliegenfischen widmen. Und ja: «Ich will auf dem Schwyzerörgeli besser werden!» Momentan hat er sein Instrument aber einem Freund ausgeliehen. Sein nächstes Projekt? Er lacht: «In der Landwirtschaft habe ich immer ein Projekt am Start. Als Nächstes will ich einen Maschinenschuppen bauen.» Man muss sich also nicht sorgen, dass es Joel Wicki langweilig werden könnte.

Königliches Lob für Michael Moser

Zum Abschluss unseres Besuchs bitten wir Joel Wicki um einen königlichen Tipp: Erwartet er in dieser Kranzfestsaison einen Überflieger? «Michael Moser!», antwortet er, ohne zu zögern. «Er erinnert mich mit seinem draufgängerischen Stil an meine Anfänge. Mit 20 Jahren war ich ein ähnlicher Angriffsschwinger wie er. Michael Moser führt Schwünge sowohl nach links als auch nach rechts aus. Das macht ihn brandgefährlich.» Der König legt Wert darauf zu erwähnen, dass auch der Innerschweizer Schwingerverband mit zwei aussichtsreichen Athleten in die Saison gestiegen ist: «Michael Gwerder und Marcel Bieri traue ich Spitzenklassierungen und Festsiege zu.»

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
In diesem Artikel erwähnt
Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen