Darum gehts
- Eidgenosse Curdin Orlik kämpft mit Selbstzweifeln
- Orlik setzt im Mentaltraining wie Samuel Giger auf Hypnose
- Am Samstag steht der Bruder von König Armon wieder im Einsatz
Spitzenschwinger Curdin Orlik (33) erinnert an einen Schweizer Banktresor. Ihn zu knacken, ist fast unmöglich. Wenn der Bündner im Dienst der Berner nicht verlieren will, verzweifeln seine Gegner. Egal ob es sich um Samuel Giger, Joel Wicki oder Werner Schlegel handelt. Orlik stoppte sie alle.
Damit ist er eine ganz wichtige Figur im Berner Team. Doch jemand, der am Unspunnen-Schwinget im Schlussgang stand und am ESAF in Mollis GL Schlegel und Pirmin Reichmuth bezwang, der könnte mehr sein als «nur» der Spielverderber. Orliks acht Kranzfestsiege deuten an, was möglich wäre. Doch etwas bremst ihn seit Jahren aus.
Ein durchzogener Saisonstart
Der dreifache Eidgenosse kämpft mit sich selbst. «Ich habe sehr oft Zweifel. Das ist mein grösstes Problem», sagt Orlik offen. So begleitete ihn vor dem Start in die Kranzfestsaison beispielsweise eine Ungewissheit. Er wusste nicht, wo er im Vergleich zur Konkurrenz tatsächlich steht.
Solche Dinge blockieren ihn teilweise. Was dazu führt, dass Orlik im Sägemehl nicht immer vollends befreit kämpfen kann. Dementsprechend beschreibt er seinen Saisonstart als «durchzogen». Zwei Kränze mit den Rängen 7 und 6 sind zu wenig für seine Ansprüche. Immerhin stand Orlik am Mittelländischen gegen Matthias Aeschbacher im Schlussgang.
Gleiches hätte er auch am ESAF im letzten Herbst schaffen können. Nach Siegen gegen Schlegel und Reichmuth lag Orlik vor dem sechsten Gang auf Schlussgang-Kurs. Doch drei Gestellte warfen ihn bis auf den zweitletzten Kranzrang zurück. «Ich habe es versaut», sagt er selbstkritisch. Der Königstitel seines Bruders Armon konnte die Enttäuschung immerhin etwas lindern.
Orlik macht es wie Giger
Trotz des grossen Erfolgs für die Familie Orlik brauchte Curdin einige Wochen, um seinen ESAF-Auftritt zu verarbeiten. «Ich war enttäuscht von meiner Leistung.» Entsprechend fokussiert arbeitete der studierte Agronom im Winter an sich. Weil er aktuell zu 60 Prozent bei IP-Suisse angestellt ist, kann er auch unter der Woche regelmässig trainieren.
Körperlich und technisch hat Orlik nochmals Fortschritte gemacht. Seine grösste Baustelle bleibt jedoch der Kopf. «Ich investiere sehr viel Zeit ins Mentaltraining. Wir probieren immer wieder neue Methoden aus – zum Beispiel auch Hypnose.» Damit verfolgt er einen ähnlichen Ansatz wie Unspunnen-Sieger Giger, der seit Jahren darauf schwört.
Wie gut Orlik seine Gedanken mittlerweile im Griff hat, wird sich am Samstag ein weiteres Mal zeigen. Dann steigt er am Oberaargauischen Schwingfest in die Zwilchhosen. Das Potenzial für den Festsieg bringt er mit. Entscheidend wird sein, ob er es im richtigen Moment auch abrufen kann.