Der grosse Schwing-Check
Einteilungs-Ärger, Rücktritts-Rätsel und Orliks Ausland-Trip

Fünf Kranzfeste sind letzte Woche über die Bühne gegangen. Was in und um die Arenen zu reden gegeben hat? Hier kommt der Schwing-Check.
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Darum gehts

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König Orlik verreiste ins Ausland

Am Thurgauer Kantonalen startete Armon Orlik in seine erste Saison als Schwingerkönig. Mit Rang zwei war der Bündner zufrieden. Seither wurde es ruhig um den amtierenden Titelträger. Während Staudenmann, Giger und Co. im Einsatz standen, trainierte Orlik – im Ausland! Wie Blick erfahren hat, weilte er mit einigen Bündner Schwingern auf der griechischen Insel Kos. Ein Trainingslager, verbunden mit einer Luftveränderung, die dem König sicher nicht geschadet hat. Ob er in der griechischen Sonne auch etwas Farbe angenommen hat, wird sich am Pfingstmontag beim Glarner-Bündner Schwingfest zeigen. 

Nach dem Start in die Kranzfestsaison verreiste König Armon Orlik nach Griechenland.
Foto: BENJAMIN SOLAND

Legenden-Sohn überzeugt weiter

Beim zweiten Anlauf hat es nun also geklappt: Vor einer Woche in Oberägeri fehlte Patrik Laimbacher noch ein Wimpernschlag zum Kranzgewinn. Nun folgte am Schwyzer Kantonalen in Brunnen SZ die Antwort. Der Sohn von Schwing-Legende Adi Laimbacher gewann seinen ersten Kranz bei den Aktiven.
Im letzten Gang legte er seinen Gegner mit einem wuchtigen Plattwurf auf den Rücken und beseitigte damit letzte Zweifel. Der Jubel danach war gross. Der erste Gratulant am Sägemehlrand: Vater Adi, fünffacher Eidgenosse und einer der bekanntesten Innerschweizer Schwinger seiner Generation.

Helm-Frage und Ranglisten-Probleme

Wieder musste Fabian Staudenmann mit Kopfschutz antreten. Der Kilchberg-Sieger verletzte sich am Mittelländischen am Kinn. Auch eine Woche später ist die Wunde noch nicht genügend verheilt, um ohne Tape zu schwingen. Der Helm soll das Ganze stabilisieren. Bereits am Mittelländischen sprang kurzfristig der aktuell verletzte Berner Teamkollege Elias Pirkheim ein und organisierte Staudenmann einen Kopfschutz. Und diesmal? «Ich durfte ihn gleich von Elias behalten», erzählt Staudenmann. «Er kann leider noch immer nicht schwingen.»

Damit wäre die Helm-Frage geklärt. Offen blieb am Seeländischen dafür jene nach dem fünften Gang gegen Simon Stucki. Mehrfach hatte Staudenmann den Gegner bereits am Boden, liess ihn aber entwischen. Flüchtigkeitsfehler? «Nicht unbedingt», sagt er. «Plötzlich hatte ich die Rangliste nicht mehr im Kopf. Weil Jonas Wüthrich gewann, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich mit einer 9,75 noch mit anderen gleichauf gewesen wäre.» Deshalb ging Staudenmann kein Risiko ein, sicherte sich die Maximalnote und später den Festsieg. 

Fabian Staudenmann durfte erneut den Kopfschutz von Elias Pirkheim ausleihen.

Verband reagiert auf Sponsoren-Puff

Es war einer der grösseren Aufreger über das Auffahrtswochenende. Beim Baselstädtischen musste TV-Experte Kilian Wenger seine persönlichen Sponsoren abkleben. Bei seinen vorherigen Einsätzen für Swiss1 war das noch nie ein Problem gewesen. Die Verantwortlichen begründeten dies unter anderem mit dem verschärften Werbereglement. Dem widerspricht der Verband auf Blick-Anfrage. Reto Bleiker, Leiter der Geschäftsstelle, stand mit den Verantwortlichen des Baselstädtischen in Kontakt und sagt: «Sie haben Kilian als Funktionär eingestuft und gemäss ihrer Einschätzung richtig gehandelt. Klar waren sie auch etwas vorsichtig und wollten keine erneute Busse riskieren.» Im Jahr zuvor mussten sie eine Strafe zahlen, weil sie gegen das Werbereglement verstossen hatten. Dieses besagt, dass Werbung auf der Kleidung und Kopfbedeckung von Funktionären und Kampfrichtern bei der Ausübung ihrer Tätigkeit verboten ist. 

Kilian Wenger musste am Baselstädtischen seine Sponsoren abkleben.

Misstöne um Zürcher Einteilung

Während des Mittagessens am Zürcher Kantonalen war für viele klar: Jetzt muss man die Topfavoriten aufeinander loslassen. Damit gemeint sind Samuel Giger, Damian Ott und Domenic Schneider. Sie alle hatten ihre drei Kämpfe gewonnen.

Weil Giger und Schneider aus demselben Klub stammen, rechneten viele mit Ott gegen Giger oder Ott gegen Schneider. Letztere witzelten sogar noch darüber, dass sie wohl im vierten Gang aufeinandertreffen würden.

Doch die Einteilung entschied anders. Die Favoriten erhielten zunächst schwächere Gegner, ehe im fünften Gang die Knallerpaarung Ott gegen Giger angesetzt wurde. Das Problem: Giger reichte dort bereits ein Gestellter für den Schlussgang. Entsprechend langweilig war der Kampf. 

Viele Zuschauer und selbst hochdekorierte Ex-Schwinger auf der Tribüne kritisierten die Entscheidung der Einteilung. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, alle drei Favoriten «laufenzulassen». Im Schlussgang wären dann jene zwei gestanden, die sich mit den meisten Maximalnoten durchgesetzt hätten.

So aber erhielt Schneider mit vier Normalkranzern praktisch den roten Teppich ausgerollt und spazierte in den Schlussgang. Dort blieb er gegen Giger dann chancenlos. Zur Verteidigung der Einteilung sei aber gesagt: Es waren einige Neulinge im Einsatz. Sie dürften daraus ihre Lehren ziehen.

Im Schlussgang war Samuel Giger (oben) zu stark für Domenic Schneider.

Der achte Streich

Sinisha Lüscher ist einer von elf aktiven Nordwestschweizer Eidgenossen. Den Schlussgang des Basellandschaftlichen gewinnt er gegen Verbandskollege Adrian Odermatt. Für Lüscher ist es der erste Sieg gegen ihn. Und damit der achte Streich. Nur gegen zwei der Nordwestschweizer Eidgenossen hat er damit noch nie gewinnen können: Andreas Döbeli (zwei Gestellte, eine Niederlage) und Tobias Widmer (drei Niederlagen). Nick Alpiger (AG Kantonales 2025), Lukas Döbeli (bei zwei Regionalfesten 2026), Tim Roth (Frühjahrsschwinget 2024), Joel Strebel (SO Kantonales 2024), Sascha Streich (SO Kantonales 2026), Marius Frank (Niklausschwinget Jungschwinger 2019), Lars Voggensperger (Guggibad-Schwinget 2026) und eben Odermatt hat er alle mindestens einmal auf den Rücken gelegt. Wobei sie zu jenem Zeitpunkt nicht alle schon den Eidgenossen-Status hatten – inklusive Lüscher selber. Dennoch ist es eine eindrückliche Bilanz. Und das mit 20 Jahren.

Foto: Philipp Kresnik/freshfocus

Eidgenossen-Rücktritt an Pfingsten?

Am ESAF in Mollis verpasste Roger Rychen sein grosses Ziel knapp. Vor heimischer Kulisse wollte sich der Glarner unbedingt den vierten eidgenössischen Kranz sichern. Trotz einer Verletzung im Vorfeld biss Rychen auf die Zähne und zeigte einen guten Wettkampf. Am Ende fehlte ihm ausgerechnet der berüchtigte Viertelpunkt zum Eichenlaub.

Danach wurde intensiv über seine Zukunft spekuliert. Im Frühling sickerte durch, dass Rychen zwar weiterhin im Klubtraining mittut, den Einheiten auf Teilverbandsstufe jedoch fernbleibt. Blick versuchte mehrfach vergeblich, ihn zu erreichen. Selbst gute Schwing-Kenner im Glarnerland wissen derzeit nicht, wie es mit ihm weitergeht.

An Auffahrt trat Rychen nun erstmals in dieser Saison wieder in die Zwilchhosen. Am Pfannenstiel-Schwinget kam er mit zwei Gestellten und einer Niederlage auf Rang drei. Rund um das Glarner-Bündner in Näfels am Pfingstmontag gibt es nun Gerüchte, wonach Rychen dort seinen Rücktritt bekanntgeben könnte. 

Wie weiter bei Roger Rychen (r.)? Der Glarner gibt Rätsel auf.
Foto: Benjamin Soland

Ein Trampelpfad als Andenken

Nicht nur im Sägemehl hinterliess das Schwyzer Kantonale in Brunnen seine Spuren – auch der Fussballplatz gleich nebenan wurde in Mitleidenschaft gezogen. Warum? Der kürzeste Weg von der Arena zu den Garderoben führte für die Schwinger direkt über das Spielfeld. Zwar baten die Organisatoren die Schwinger darum, jeweils ausserhalb der Seitenlinie zu laufen, doch wer die müden Beine nach mehreren Gängen noch etwas schonen wollte, nahm halt trotzdem die direkte Route. Das Resultat am Abend war klar erkennbar: Mitten über den Fussballrasen entstand ein Trampelpfad. Immerhin: Der Rasen hat nun ebenfalls seine ganz persönliche Schwingfest-Geschichte erhalten.

Spezieller USA-Besuch

Nach dem ESAF reisten Damian Ott, Werner Schlegel, Marcel Räbsamen und weitere Schwinger in die USA. Dort bestritten sie ein Schwingfest und lernten Nathan Macleod (28) kennen. Der Amerikaner aus Tacoma im Bundesstaat Washington nutzte nun seine Ferien für eine Reise in die Schweiz und gab am 106. Zuger Kantonalen sein Debüt an einem Kranzfest hierzulande.

Vor seinem zweiten Einsatz am Schwyzer Kantonalen traf Macleod erneut auf Kilchberg-Sieger Ott. «Er schrieb mir vor einigen Wochen und fragte, ob wir uns treffen könnten», erzählt der Eidgenosse. Gemeinsam mit Räbsamen und Pascal Schönenberger verabredeten sie sich auf der Schwägalp. «Was gibt es für einen Schwinger Schöneres als die Schwägalp?», sagt Ott. «Nur das Wetter war am Freitag eine Katastrophe.»

Über das Wiedersehen freute sich der Kilchberger-Sieger trotzdem sehr. Sportlich beendete Macleod das Schwyzer Kantonale mit einem Sieg, zwei Gestellten und drei Niederlagen. Bereits am Dienstag reist er zurück in die USA.

Die Kilchberg-Champions

2021 haben Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann punktgleich den Kilchberger Schwinget gewonnen. Auch fünf Jahre später gehören sie noch immer zu den Schwingern, die es zu schlagen gilt. Anfang September wollen sie ihren Titel verteidigen. Grund genug, ihre Kranzfestsaison genauer unter die Lupe zu nehmen. Alle drei können mit ihrem Einsatz an diesem Wochenende zufrieden sein. Sie gewinnen jeweils fünfmal und stellen einen Gang. Bei Staudenmann reicht das für den Sieg beim Seeländischen und Giger holt sich den ersten Festsieg des Jahres beim Zürcher Kantonalen. Während Staudenmann viermal die Maximalnote holt, stellt er gegen einen Nicht-Eidgenossen. Giger stellt in der Reprise des Thurgauer-Schlussgangs (Giger verlor) gegen Ott und zeigt ebenfalls vier Plattwürfe. Ein solcher gelingt Ott am Zürcher Kantonalen nicht. Es sind letztlich die Viertel, die ihm fehlen, um ebenfalls um Platz 1 mitreden zu können. Er wird Dritter.

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