«Das wollte ich nicht verpassen»
Eidgenosse Vollenweider verschiebt OP für Familienmitglied

Jeremy Vollenweider hat sich vor mehr als zwei Wochen schwer verletzt. Weshalb er noch immer nicht operiert wurde, hat einen herzigen Grund.
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Eine Knieverletzung zwingt Jeremy Vollenweider zum Saisonabbruch.
Foto: BENJAMIN SOLAND
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Nicola AbtReporter Sport

Was macht Jeremy Vollenweider (28) denn da? Diese Frage stellten sich am Zürcher Kantonalen einige Schwingfans. Der Eidgenosse hatte sich erst vor zwei Wochen in Sirnach TG das Kreuzband gerissen. Eigentlich müsste er längst operiert sein und an Krücken gehen.

Doch stattdessen läuft Vollenweider – wenn auch leicht humpelnd – über den Festplatz. Eine Wunderheilung? Keineswegs. Der Kranzfestsieger hat einfach seinen OP-Termin nach hinten verschoben. Und das aus einem süssen Grund. 

Spezielle Fahrt durch Bulgarien

Vollenweider wollte unbedingt den Bruder seiner Freundin, Pius Ochsner, an der U17-WM der Ringer in Bulgarien unterstützen. Deshalb flog er letzten Donnerstag mit Partnerin Saskia und der bald jährigen Malia in den Osten. «Der hat noch in die Hosen gemacht, als ich in diese Familie hineinkam. Deshalb besteht zu ihm eine ganz besondere Beziehung», erklärt Vollenweider, der nicht nur familiär mit Ochsner verbunden ist, sondern auch als dessen Vereinstrainer tätig ist. 

Da der ursprüngliche OP-Termin ausgerechnet am vergangenen Freitag gewesen wäre, bat Vollenweider um eine zusätzliche Woche «Schonungsfrist». Diese gewährt ihm der Arzt. Und so konnte er Ochsner vor Ort die Daumen drücken. «Das wollte ich auf keinen Fall verpassen.» 

Der Austragungsort Samokow liegt 45 Autominuten von der Hauptstadt Sofia entfernt. Auf diesem Weg «durch Wald und Wiesen» wurde Vollenweider einmal mehr bewusst, wie schön wir es in der Schweiz haben. «In dieser Gegend werden immer noch Pferde für den Kartoffelanbau gebraucht.» 

Grosse Anspannung während des Kampfs

Einmal in der Arena versuchte er, die Schweizer so gut wie möglich zu unterstützen. Neben Ochsner kämpften an diesem Tag noch zwei weitere. «Bei ihnen habe ich reingerufen und die Fahne geschwenkt. Als Pius an der Reihe war, ging das nicht. Ich bewegte meine Beine und Arme so, als wäre ich selber im Ring. Ich wollte ihm irgendwie helfen.» 

Trotz grosser Unterstützung verlor Ochsner seinen ersten Kampf und schied damit bereits aus. Trotzdem ist Vollenweider stolz auf das Familienmitglied. «Er ist ein hervorragender Junge und wird seinen Weg gehen, davon bin ich überzeugt.» Neben Ochsner nahm auch Matti Eichmann von der Ringerriege Weinfelden an der WM teil. Auch für ihn war nach der ersten Runde Feierabend. 

Ziel für nächstes Jahr bereits definiert

Dank ihnen ist Vollenweider der einzige Schweizer Vereinstrainer, der zwei Athleten an die U17-WM entsenden konnte. Gleichzeitig steht er selbst noch als Aktiver auf der Matte. Mit Weinfelden schaffte er im vergangenen Jahr den Aufstieg in die höchste Liga. «Diese spezielle Saison zu verpassen, schmerzt mich am meisten.»

Als sein grosses Ziel im kommenden Jahr hat er die Eidgenössischen Ringertage Anfang Juli definiert. Dort sitzt Vollenweider nicht nur im OK, sondern jagt auch seinen ersten Kranz. «Bis dann will ich wieder fit sein.» Vorerst steht am Freitag jedoch die Operation an. Danach wird er rund zwei Monate an Krücken unterwegs sein. Vollenweider sieht es positiv: «Immerhin habe ich dann mehr Zeit für meine Tochter.»

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