Darum gehts
Enkel lässt Schwing-Legende jubeln
Kaum jemand kennt das Schwarzsee-Schwinget so gut wie Ernst Schläfli (80). Die Schwing-Legende gewann das traditionsreiche Bergfest gleich sechsmal. Nun schrieb ausgerechnet dort sein Enkel Hugo Schläfli (23) ein eigenes Kapitel Familiengeschichte. Mit dem Sieg gegen den Eidgenossen Adrian Klossner sicherte sich der Südwestschweizer seinen ersten Bergkranz. «Ich bin unglaublich stolz auf ihn», sagt Grossvater Schläfli mit brüchiger Stimme. Dieser Erfolg geht ihm sichtlich nahe.
Vor dem entscheidenden Gang hatten die beiden noch miteinander telefoniert. «Hugo sagte zu mir: ‹Grossvater, den gewinne ich.›» Sein Enkel hielt Wort. Entsprechend gross war der Jubel nach dem Sieg. «Die ganze Familie ist begeistert», erzählt er. Auch für Hugo selbst ging ein Traum in Erfüllung. Diese spezielle Auszeichnung wollte er unbedingt zu Hause gewinnen.
Deshalb setzte er sich vor dem letzten Kampf unter grossen Druck. «Ich dachte mir: Alles oder nichts», sagt er. «Diesen Tag werde ich so schnell nicht mehr vergessen.» Dass ihm dies ausgerechnet am Schwarzsee gelang, macht die Geschichte noch spezieller. Schliesslich gewann dort nicht nur sein Grossvater sechsmal. Auch sein Vater kehrte gleich fünfmal mit dem Kranz nach Hause zurück.
Neues «Zuhause» für König Orlik
Seit mehreren Jahren stählt Armon Orlik seine Muskeln im Fitnesscenter von Robin Städler in Rapperswil-Jona SG. Ihre Zusammenarbeit gipfelte im Königstitel. Bald müssen sich die beiden jedoch an ein neues «Zuhause» gewöhnen. Städler zieht mit seinem Studio ins Erdgeschoss. Dort verfügt der ehemalige Coach des dreifachen Schwingerkönigs Jörg Abderhalden über etwas mehr Platz. Bei den spektakulären Zügelarbeiten packte auch der Olympiateilnehmer Dario Caviezel mit an. Der Snowboarder trainiert wie Orlik bei Städler. Ein Kran hievte die Trainingsgeräte, darunter eine Beinpresse, vom mehrstöckigen Gebäude auf den Boden. Die neue «Folterkammer» wird am 22. August eröffnet.
Medienchef wird überrannt
Die grosse Popularität des Schwingsports zwingt die Organisatoren des Schwarzsee-Schwingets zu einigen unangenehmen Entscheidungen. «Ich musste noch nie so viele Anfragen ablehnen», sagt der Medienverantwortliche gegenüber Blick. Es wollten derart viele Journalisten und Fotografen vor Ort sein, dass nicht alle einen Platz auf der Medientribüne bekamen. In einer solchen Situation werden in der Regel diejenigen Medienschaffenden bevorzugt, die regelmässig an den Schwingfesten auftauchen.
Aufklärung der Schlussgang-Entscheidung
Wer kämpft gegen Adrian Walther im Schlussgang? Diese Frage beschäftigte am Schwarzsee viele Zuschauer nach dem fünften Gang. Mit Daniel Tschumi und Matthias Aeschbacher kamen gleich zwei Berner auf dieselbe Punktzahl. Weil Aeschbacher Eidgenosse und Titelverteidiger ist, gingen zahlreiche Schwing-Experten davon aus, dass die Einteilung ihm den Vorzug geben würde.
Doch die Verantwortlichen entschieden anders. Die Chance auf den Sieg im Schlussgang erhielt Tschumi. Blick fragte bei Einteilungschef Res Schmid nach. «Wir haben uns für Dani entschieden, weil er keinen Gang verloren hat», erklärt er. «Aeschbacher verlor gegen Lukas Bissig, Tschumi hat ihn bezwungen. Ihr Notenblatt war ansonsten gleich gut.» Im Schlussgang blieb Tschumi gegen Walther dann chancenlos.
Der erste Bergkranz
Neben dem Eidgenössischen Kranz sind die Bergkränze heiss begehrt. Am Schwarzsee hat es dieses Mal nur deren elf gegeben. Einen hat der 18-jährige Innerschweizer Martin Schönbächler gewonnen. Ein grosser Erfolg in jungen Jahren. Wie sieht das bei Top-Schwingern aus? Wann haben sie den ersten Bergkranz gewonnen? König Armon Orlik gelang dies 2014 auf dem Brünig. Damals war er 19 Jahre alt. Beim gleichen Fest hat auch König Joel Wicki den Kranz geholt – er war 17-jährig. Und es war schon sein zweiter bei einem Bergfest, denn zwei Wochen zuvor gelang ihm dies auch auf der Rigi. Mit 16 Jahren feierte Samuel Giger seine Bergkranz-Premiere auf der Schwägalp (2014) und Fabian Staudenmann holte mit 17 Jahren den Brünig-Kranz (2017). Etwas länger hats beim dritten Kilchberg-Sieger neben den beiden gedauert. Damian Ott war 21 Jahre alt, als er den Weissenstein mit seinem ersten Bergkranz verliess. Er schaffte aber, was den anderen nicht gelang. Denn bei der Premiere hat er das Fest auch gleich gewonnen.
Wankdorf fast voll
Neben dem Kilchberger Schwinget ist es das grosse Highlight dieser Schwingsaison. Am 5. Juli findet das Berner Kantonale im Wankdorf statt. Für einmal wird auf dem Kunstrasen nicht Fussball gespielt, sondern geschwungen. So wie es aussieht, werden Staudenmann, Moser und Co. dies vor einer Rekordkulisse tun. Wie die Verantwortlichen dem Blick mitteilten, sind von den insgesamt 28'500 Tickets nur noch 2500 zu haben. So viele Zuschauer gab es noch nie an einem Berner Kantonalen. Bleibt nur zu hoffen, dass dann auch das Wetter für diesen historischen Tag stimmt.
Eine Walliserin verblüfft
Die Königinnen bekommen Konkurrenz. Serena Anthamatten (26) scheint aktuell unbezwingbar. Die Walliserin gewann am Wochenende auch das zweite Schwingfest der Saison. Die Frau aus Leukerbad entschied alle sechs Gänge für sich. Auf dem Weg zum Festsieg bodigte sie die Schwingerkönigin von 2019, Michelle Kempf-Brunner, sowie die Königin von 2024, Isabel Egli.
Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit ihres Aufstiegs. Erst im vergangenen Jahr gewann Anthamatten ihren ersten Kranz. Nun reiht sie Sieg an Sieg. Bereits bei ihrem ersten Triumph in dieser Saison hatte sie mit Egli und der amtierenden Titelträgerin Jasmin Gäumann gleich zwei Königinnen bezwungen. Am vergangenen Wochenende legte die Walliserin nach.
Das vorzeitige Saisonende
Erneut hat die Verletzungshexe zugeschlagen. Dieses Mal trifft es die Südwestschweizer. Steven Moser musste Ende Mai das Neuenburger Kantonale im dritten Gang abbrechen, er verliess das Sägemehl humpelnd. Nun teilt er auf Instagram mit, dass seine Saison gelaufen ist. Er hat sich eine schwere Knieverletzung zugezogen, die eine Operation zur Folge hatte. «Die Enttäuschung ist gross, da ich mir für diese Saison noch viel vorgenommen hatte», schreibt der 30-Jährige, der als Vierter beim Fribourger Kantonalen seinen 45. Kranz gewonnen hat. Gleichzeitig gibt er sich kämpferisch: «Trotzdem werde ich das Beste aus der Situation machen, hart an meiner Rehabilitation arbeiten und alles daran setzen, stärker zurückzukommen.»
Fussball-Stimmung am Schwarzsee
Passend zur laufenden Klub-WM hielt auch am Schwarzsee etwas Fussball-Atmosphäre Einzug. Auf den Zuschauerrängen war eine riesige ISV-Fahne zu sehen, die nach Erfolgen der Innerschweizer immer wieder geschwenkt wurde. Solche Bilder kennt man im Schwingen sonst höchstens vom ESAF.
Nicht allen gefiel der ungewohnte Fan-Support. Einige Zuschauer fluchten, dass derartige Unterstützungen nichts im Schwingsport verloren hätten. Andere ärgerten sich darüber, dass ihnen die Fahne zeitweise die Sicht nahm. Fairerweise muss man aber sagen: Oft wurde die Fahne nicht geschwungen. Grund zur Freude hatten die Innerschweizer aber allemal. Sie gewannen schliesslich vier Kränze.
ESAF 2040 in Zürich?
Das nächste Eidgenössische Schwingfest findet 2028 in Thun BE statt. Doch andernorts wird bereits viel weiter in die Zukunft geschaut. Der Verein «Freunde ESAF 2040 Zürich» will den Grossanlass in den Kanton Zürich holen. Zu den Mitgliedern gehören etwa Unternehmer Remo Schällibaum, Jakob Kamm, der OK-Präsident des ESAF 2025 und Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions. Wieso sie jetzt schon so weit vorausdenken? Gemäss «Tagesanzeiger» orientiert man sich am letztjährigen Eidgenössischen, für welches ebenfalls 14 Jahre im Voraus erste Abklärungen stattgefunden haben. Klar ist, dass 2040 die Reihe mit der Organisation am Nordostschweizer Schwingverband ist. Im Kanton Zürich wurden bereits mehrer Standorte geprüft – der Flugplatz Dübendorf hat sich dabei als besonders geeignet erwiesen. Noch eine Parallele zu letztem Jahr, denn auch in Mollis GL war das Festgelände auf einem Flugplatz. Noch ist es aber ein weiter Weg, bis man allenfalls die Zusage bekommt. Denn der Entscheid über den Austragungsort 2040 wird erst 2036 gefällt. Für Zürich wäre es besonders, denn letztmals war man 1953 ESAF-Gastgeber. Damals wurde in Winterthur Walter Flach (1928–2006) zum König gekrönt.
Die Kilchberg-Champions
Damian Ott, Fabian Staudenmann und Samuel Giger sind an diesem Wochenende nicht in die Zwilchhosen gestiegen. Nächsten Sonntag hätte es aber zum Gipfeltreffen kommen sollen – bei allen steht die Teilnahme am Nordostschweizer in Güttingen TG in der Agenda. Einer wird aber definitiv fehlen: Samuel Giger. Er hat sich Anfang Juni eine Schulterverletzung zugezogen. Auch das Berner Kantonale im Wankdorf wird Giger ganz sicher verpassen. Wann er sein Comeback gibt, ist offen.