Der Schlussgang
Die Favoritenrolle ist im Schlussgang klar verteilt, sie gehört Eidgenosse Adrian Walther. Und der gibt gegen Daniel Tschumi gleich im ersten Angriff den Tarif durch. Haarscharf verpasst er die Blitz-Entscheidung. Viel länger dauert der Schlussgang letztlich nicht. Im zweiten Anlauf nach rund einer halben Minute bodigt Walther seinen Gegner. Er feiert seinen ersten Schwarzsee-Sieg. Und das nur eine Woche, nachdem er wegen Rückenproblemen das Oberländische abbrechen musste. Noch Anfang Woche konnte er noch kaum gehen und stehen.
Die Siegerstimme
Adrian Walther gegenüber SRF: «Der Sieg bedeutet mir unglaublich viel. Ich war schon zweimal im Schlussgang, konnte noch nie gewinnen. Dass es nun geklappt hat, ist cool. Für den Schlussgang habe ich mir einen klaren Plan zurechtgelegt, den ich genau so umsetzen konnte. Ich habe mich wie auf jeden anderen Gegner eingestellt. Dänu (Tschumi, Anm.d.Red.) hat unglaublich geschwungen. Wir sind sehr froh, ist er Berner, er hat das zweite Sternchen mehr als verdient. Jeder Gang und jeder Sieg hat mir noch mehr Sicherheit gegeben. Es war eine überschaubar coole Woche – ein grosses Danke an die Physio. Schön, so zurückzukehren. Ich weiss nicht, ob es für einen Sprung in den See reicht, aber eine Dusche zur Abkühlung gibts bestimmt.»
Die Schlussrangliste
Der Überraschungsmann
Daniel Tschumi ist der Überraschungsmann. Der vierfache Gauverbandskranzer (drei davon hat er in diesem Jahr gewonnen) zieht einen ganz starken Tag ein und qualifiziert sich für den Schlussgang. Es ist die Premiere für den 20-Jährigen. Er verdient sie sich mit Siegen gegen den Eidgenossen Lukas Bissig, Jonas Knieling, Dorian Kramer und Fabian Scherrer, daneben gibts einen Gestellten gegen den Eidgenossen Lario Kramer. Erst im Schlussgang landet er auf dem Rücken. Und ist dennoch zufrieden. «Mein Ziel war der Kranz – nun hab ich den Schlussgang als Zugabe bekommen», sagt er gegenüber SRF. «Das ist unglaublich.» Dass es so schnell gegangen ist, ärgert ihn nicht. Er freut sich über das zweite Sternchen hinter seinem Namen.
Die erste Niederlage
Michael Moser ist derzeit der stärkste Schwinger. Der 20-Jährige hat in dieser Saison noch kein Eidgenossen-Duell verloren, hat Etienne und Matthieu Burger, Adrian Walther, Matthias Aeschbacher, Marius Frank, Curdin Orlik und zuletzt Fabian Staudenmann gebodigt. Nun muss er sich erstmals einem Eidgenossen geschlagen geben. Und das gleich zum Auftakt. Am Morgen wird er überraschend von Romain Collaud auf den Rücken gelegt. Es ist seine erste Niederlage in diesem Jahr. Zwar reagiert er darauf mit zwei Plattwürfen, weil er mit einem Gestellten in den Nachmittag startet, fällt der Topfavorit dennoch aus dem Schlussgang-Rennen.
Das Verletzungsdrama
Curdin Orlik liegt nach vier Gängen auf Rang 2 und ist damit mittendrin im Kampf um den Schlussgang. Doch dann nimmt das Drama seinen Lauf. Im Duell mit Patrick Betschart muss er sich geschlagen geben und verdreht sich dabei unglücklich den linken Arm. Er bleibt mit schmerzverzerrtem Gesicht im Sägemehl liegen, bewegt den Arm nicht mehr. Er hat sich wohl an der Schulter verletzt, wobei SRF-Experte Adrian Käser meint, es könne auch etwas im Brustmuskelbereich sein. Von einer Sekunde auf die andere wirds in der Arena ruhig. Sanitäter kümmern sich um Orlik, die Trage kommt zum Glück nicht zum Einsatz. Nach der Erstversorgung kann er das Sägemehl selbständig verlassen. Und bekommt einen aufmunternden Applaus vom Publikum.
Der perfekte Morgen
Letztes Wochenende hat Adrian Walther das Oberländische nach drei Gängen abgebrochen. Der Rücken hat Probleme bereitet. Davon ist nun nichts mehr zu sehen. In bestechender Manier qualifiziert er sich für den Schlussgang. Schon am Morgen ist er nicht zu bremsen, gewinnt dreimal mit Plattwurf (gegen Marc Lustenberger, Ueli Rohrer und Romain Collaud). Darauf folgt zwar ein kleiner Rückschlag mit dem Gestellten gegen Curdin Orlik, danach holt sich Walther aber souverän das Schlussgang-Ticket – und letztlich den Festsieg.
Aller guten Dinge sind drei
Schlussgänger am Schwarzsee war Adrian Walther schon zweimal. 2023 (Gestellter gegen Fabian Staudenmann) und 2024 (Niederlage gegen Werner Schlegel) hat er den Festsieg verpasst. Das passiert ihm im dritten Anlauf nicht. Mit einem Blitzsieg triumphiert er und feiert den achten Kranzfestsieg seiner Karriere.
Das Warten auf den Heimsieg
Die Südwestschweizer sind am Schwarzsee der gastgebende Teilverband. Einen Sieger haben sie schon lange nicht mehr gestellt. Genau 20 Jahre ist es her, seit Hans-Peter Pellet (gemeinsam mit Matthias Sempach und Mario Thürig) den Heimsieg gefeiert hat. Mit Romain Collaud und Lario Kramer haben sie zwei Schwinger am Start, die zum erweiterten Favoritenkreis gehören. Die beiden Trümpfe stechen letztlich nicht. Bestklassierter Südwestschweizer ist am Ende des Tages Hugo Schläfli auf Rang 4.
Die höfliche Nachfrage
Diskussionen mit den Kampfrichtern sind im Schwingen nicht gerne gesehen. Matthieu Burger ist aber nach dem 1. Gang gegen Lario Kramer nicht ganz zufrieden und geht dennoch auf den Kampfrichter zu. Und tut dies äusserst höflich. Er meint zu ihm, dass er keine Diskussion anregen wolle, es nehme ihn nur Wunder, wieso er den Fribourger nicht verwarnt hat. Denn Burger ist der Meinung, dass sich Kramer beim Greifen zu viel Zeit gelassen hat. Wer höflich fragt, bekommt auch eine Antwort. Der Kampfrichter erklärt es ihm – die Antwort wird allerdings vom TV-Mikrofon im Gegensatz zur Frage nicht eingefangen.
Der Sonnenschutz
Sich vor der prallen Sonne zu schützen, ist wichtig. Dabei fällt vor allem ein Schwinger auf: Philipp Roth. Er trägt nicht nur zwischen den Gängen einen Strohhut, sondern hängt sich vor dem Aufsetzen auch noch ein Handtuch über den Kopf. Ein auffälliger Look – der Nachahmer im Publikum findet.
Der 18-Jährige
Martin Schönbächler begeistert das Publikum. Der erst 18-jährige Innerschweizer zeigt ein starkes Fest. Im 3. Gang bodigt er Eidgenosse Christian Gerber platt, am Nachmittag lässt er gegen Matthieu Burger einen Gestellten folgen. Seine weiteren Resultate: zwei Siege und ein Gestellter. Damit sichert er sich den ersten Bergkranz seiner noch jungen Karriere. Und bekommt ein zweites Sternchen hinter den Namen.
Der Abbruch
Jonas Amrhyn startet mit einer Niederlage gegen Adrian Klossner ins Fest. Es soll leider sein einziger Einsatz bleiben. Er verlässt das Sägemehl humpelnd. Und kehrt danach nicht mehr zurück. Wie SRF berichtet, soll Amrhyn gemerkt. haben, wie im Adduktorenbereich etwas Muskuläres habe gehen lassen.
Die kurzfristige Absage
Steve Duplan hätte eigentlich auch am Fest teilnehmen wollen. Als die Spitzenpaarungen bekanntgegeben werden, ist sein Name noch auf der Liste. Am Sonntagmorgen fehlt er allerdings. Er hat kurzfristig abgesagt.
Noch keine Titelverteidigung
Letztes Jahr hat Matthias Aeschbacher den Schwarzsee-Schwinget gewonnen. Auch in diesem Jahr zeigt er eine starke Leistung. Trotz Niederlage im 1. Gang kommt er als Zweiter nach fünf Gängen als Schlussgang-Teilnehmer infrage. Letztlich entscheidet sich die Einteilung gegen ihn. Mit einem Plattwurf zum Abschluss wahrt er die Siegchance. Dafür muss Daniel Tschumi den Schlussgang gewinnen. Tut er aber nicht. Und Aeschbacher verpasst einmal mehr die erfolgreiche Titelverteidigung.
Nur elf Kränze
Der Stellenwert des Schwarzsee-Kranzes ist in diesem Jahr höher als auch schon. Nur elfmal wird er vergeben. Zum Vergleich: Letztes Jahr gab es 15 Kranzgewinner. Ein Duo darf sich über den ersten Bergkranz seiner Karriere freuen: Martin Schönbächler und Daniel Tschumi.
Die Bedingungen
Die Schweiz ächzt unter der Hitzewelle. Das spüren Zuschauer wie Schwinger schon frühmorgens. An der prallen Sonne sind Sonnenschutz und viel Trinken umso wichtiger. Der Brunnen wird von den Athleten noch hochfrequentierter als sonst besucht. Sind sie mit ihrem Gang durch, verschwinden sie jeweils schnellstmöglich an den Schatten.
So geht es weiter
Kommendes Wochenende steht das erste Teilverbandsfest der Saison auf dem Programm. Parallel zum Nordostschweizer findet auch das Waadtländer Kantonalschwingfest statt.