Darum gehts
Dieb verärgert Schwinger
Auf etwas ist das Schwingervolk besonders stolz. Wer seinen Rucksack liegen lässt, findet ihn Stunden später am gleichen Ort – mit genau den gleichen Sachen darin. Diebstahl? Gibt es nicht. Dachte man zumindest. Doch am Ob- und Nidwaldner schlich sich ein Dieb unter das Schwingervolk. Aus der Garderobe der Athleten verschwindet Geld. Der Speaker mahnt die Schwinger über die Lautsprecher, besser auf ihre Wertsachen zu achten. Im Anschluss sagen gleich mehrere Sportler zu Blick: «So etwas ist eine Sauerei.» Bleibt zu hoffen, dass das ein Einzelfall bleibt. Der Dieb wurde nicht gefasst.
Wie der Vater, so der Sohn
Anfang März hat Remo Käser (29) gegenüber Blick angedeutet, dass er die neue Schwing-Saison als TV-Experte begleiten wird. Bei welchem Sender – darum machte er allerdings noch ein Geheimnis. Inzwischen ist dieses gelüftet. Er wird gemeinsam mit Florian Gnägi (37), der ebenfalls letztes Jahr zurückgetreten ist, seine Expertise in die Schwing-Berichterstattung von Tele Bärn einbringen. Damit tritt Remo Käser in die Fussstapfen seines Vaters. Adrian Käser (54) übt diese Rolle seit Jahren bei SRF aus. Nach dieser Saison ist beim König 1989 damit allerdings Schluss.
Comeback nach schmerzhaftem Giger-Zwischenfall
Obwohl Christian Zemp den Schlussgang gegen Michael Gwerder verlor, gehörte er zu den grossen Gewinnern des Wochenendes. Der Kernser zeigte an seinem Heimfest eine bärenstarke Leistung – weniger als ein Jahr nach seiner schweren Ellbogenverletzung. «Zu sehen, dass ich es noch immer kann, ist für mich eine Erlösung», sagt der Obwaldner.
Die Verletzung hatte er sich im letzten Sommer am Innerschweizer Teilverbandsfest zugezogen. Gegen Samuel Giger wollte er eine Niederlage um jeden Preis verhindern. Seine Verteidigungsaktion misslang jedoch. Darüber jubeln konnte Giger aber nicht. Zemps Arm stand danach derart schräg ab, dass sofort klar war: Da ist etwas kaputt. Giger half sogar beim Abtransport.
«Diese Verletzung war brutal unschön», erinnert er sich. «Es brauchte Zeit, um damit klarzukommen.» Aufgrund dieses folgenschweren Zwischenfalls platzte Zemps Ziel, am ESAF teilzunehmen. «Zum Glück wusste ich bald einmal, dass alles wieder gut wird. Daran konnte ich mich festhalten.»
Nur noch ein Duo aus dem 100er-Klub
Kurz vor dem Saisonstart hat Thomas Sempach (41) seinen sofortigen Rücktritt erklärt. «Der Schwingsport war über viele Jahre ein zentraler und wichtiger Teil meines Lebens, daher ist mir dieser Entscheid nicht leichtgefallen», teilt der fünffache Berner Eidgenosse mit. Aber sein Körper hält der intensiven Arbeitsbelastung auf der Baustelle und dem Bauernhof sowie dem intensiven Training nicht mehr stand. «Mit insgesamt 125 erkämpften Kränzen habe ich meine Vorstellungen als Jungschwinger bei weitem übertroffen», so Sempach weiter. Damit zählt er zu einem erlauchten Kreis, bisher haben nur 33 Schwinger die 100er-Marke geknackt. Mit Sempachs Rücktritt bleiben zwei Aktive aus dem Klub: Bernhard Kämpf (37, 108 Kränze) und Matthias Aeschbacher (34, 103 Kränze). Einen Auftritt hat Sempach in dieser Saison noch – allerdings wird es keine offizielle Verabschiedung geben. Denn: «Mein Wunsch war es immer, mich so zu verabschieden, wie ich gekommen bin: ohne grosses Drumherum.» Er wird bei seinem Heimfest, dem Emmentalischen am 3. Mai in Oberdiessbach, als Helfer im Einsatz stehen.
Judo und Schwingen
Dieses Wochenende wird Gian-Maria Odermatt so schnell nicht vergessen. Der 21-Jährige überzeugte in zwei verschiedenen Sportarten. «Es waren ziemlich verrückte Tage», erklärt er. Am Samstag nahm der Zürcher an einem Judo-Turnier teil. «Ich hatte mich bereits aufgewärmt, als bekannt wurde, dass mein Gegner nicht aufgetaucht ist.» Somit stand Odermatt direkt im Halbfinal. Dort musste er sich dem späteren Sieger geschlagen geben. Den Kampf um Platz drei gewann Odermatt nach knapp zwei Minuten. Es war sein dritter Judo-Wettkampf und zum dritten Mal sicherte er sich Bronze. «Das freut mich unheimlich.»
Ähnlich erfolgreich ging es am Sonntag beim Eschenberg-Schwinget in Winterthur weiter. Obwohl er im ersten Gang noch die Anstrengung vom Samstag in den Beinen spürte. «Da dachte ich mir: Scheisse, heute geht nichts.» Doch von Kampf zu Kampf wurde es besser. Bis er im 5. Gang den Eidgenossen und Kranzfestsieger Jeremy Vollenweider mit der Maximalnote bezwang. «Das gibt mir über diesen Wettkampf hinaus eine riesige Motivation.» Im Schlussgang musste sich Odermatt dann Janos Bachmann geschlagen geben. Es resultierte erneut der dritte Platz. Er wird in Zukunft, wenn immer möglich, versuchen, beide Sportarten weiterhin auszuüben.
Die etwas andere ESAF-Revanche
Für einmal nehmen Samuel Giger (28) und Werner Schlegel (23) nicht die Zwilchhose des Gegners in die Hand, sondern Jasskarten. Unter dem Motto Revanche des ESAF-Schlussgangs sind sie in der SRF-Sendung «Samschtig-Jass» zu Gast. Und Moderatorin Fabienne Gyr (38) hat sich etwas Besonderes für die Ostschweizer Spitzenschwinger ausgedacht. In drei Duellen soll mit Verspätung der Sieger zwischen den beiden erkoren werden. Zunächst müssen sie gegenseitig das Kampfgewicht schätzen, das dann mit einem Live-Wiegen enthüllt wird. Die beiden kennen sich gut, verschätzen sich nur um wenige Kilogramm. Giger ist ein bisschen näher dran, geht 1:0 in Führung. Danach stehen fünf Trachten zur Auswahl, sie müssen erraten, welches diejenige aus dem Kanton Bern ist.
Vorteil Giger – er erkennt sie sofort, stammt doch seine Ehefrau aus dem Bernbiet. Und Schlegel wählt ganz einfach die Gleiche, er verkürzt auf 1:2. Die Entscheidung fällt im Koch-Duell. Giger muss eine Thurgauer Mosttorte verzieren, Schlegel einen Toggenburger Schlorzifladen. Mittels Applaus entscheiden die Zuschauer. Ihnen gefällt Schlegels Werk besser, so steht es am Ende 2:2. Auch bei der Revanche gibt es keinen Sieger. Dafür am Jasstisch. Dort holt tatsächlich einer der Schwinger den Königstitel – in drei Runden kommt Schlegel auf nur 14 Differenzpunkte und nimmt den Jass-Pokal nach Hause. Giger wird mit 21 Differenzpunkten Dritter.
YB und der Muni
Am 5. Juli findet das Bernisch-Kantonale Schwingfest in besonderer Kulisse statt: dem Wankdorf-Stadion. Wo sonst der Fussball rollt und Fangesänge erklingen, werden die Bösen bei Alphornklängen zusammengreifen. Im Rahmen der BEA-Ausstellung wurde der Siegermuni getauft. Passend zum Austragungsort hat Friedrich Wilhelm, wie das Prachtstier heisst, zwei sportliche Paten bekommen: Stephanie Waeber (25), Captain des YB-Frauenteams sowie YB-Legende Stéphane Chapuisat (56).