Darum gehts
- Mehrere Schwinger könnten in diesem Jahr den Durchbruch schaffen
- Einer von ihnen ist der Urner Lukas Bissig – profitiert er vom Wicki-Rücktritt?
- Im Bündnerland wächst mit Josias Müller ein legitimer Nachfolger von König Orlik heran
Josias Müller
Der 20-jährige Bündner mausert sich zum Favoritenschreck. In diesem Frühling trieb er sowohl den Kilchberger-Champion Damian Ott als auch den ESAF-Schlussgänger Werner Schlegel zur Verzweiflung. Mit seinen knapp zwei Metern bringt der Drohnenfan beste Voraussetzungen für den Schwingsport mit. Er wird bereits jetzt als möglicher Nachfolger seines Bündner Teamkollegen und Schwingerkönigs Armon Orlik gehandelt. Dass Müller auch im Angriff bereits einiges draufhat, beweisen seine zwei Siege bei Regionalfesten. Diese Leistungen sind umso beeindruckender, da sich Müller mitten in den Vorbereitungen für seine Lehrabschlussprüfung als Elektroinstallateur befindet. «Die verlangen mir aktuell einiges ab», erklärt der Teilverbandskranzer.
Lukas Bissig
Nach den Rücktritten von König Joel Wicki und Brünig-Sieger Pirmin Reichmuth scheint der Weg frei für Lukas Bissig. Der Urner steigerte sich in den letzten Jahren kontinuierlich. Zudem bringt Bissig perfekte Voraussetzungen mit, bei einer Grösse von 1,92 Metern und einem Gewicht von knapp 118 Kilo. Das Schwinger-Gen hat er von seinem Vater Stefan, der wie Lukas ein Kranzfest gewinnen konnte. Der bald 23-Jährige scheint bereit für den Durchbruch: Auf der Schwägalp bodigte Bissig Schwergewicht Domenic Schneider, und am ESAF war er der bestklassierte Innerschweizer. Seine bisherigen Auftritte als Eidgenosse? Beeindruckend. 18 Kämpfe. 18 Siege. Drei Triumphe an Rangschwingfesten. Stefan Muff, der Technische Leiter der Innerschweizer, schwärmt von ihm: «Er hat sich noch einmal gewaltig verbessert. Lukas macht mir unheimlich viel Freude.»
Etienne Burger
Auf einem abgelegenen Bauernhof im Berner Jura residiert eine besonders böse Familie. Das Schwinger-Gen haben die drei Söhne von Vater Bernhard Burger. Dieser gewann fünf Kränze. Inzwischen haben ihn die beiden Ältesten überholt. Lange stand Etienne (22) im Schatten seines Bruders Matthieu (24). Mit dem Kranzgewinn am ESAF hat er sich endgültig aus diesem gelöst – beide sind nun Eidgenossen.
Im Berner Lager ist von einem «grossen Sprung» die Rede, den Etienne in diesem Winter gemacht hat. Neben seinen offensiven Qualitäten ist der zwölffache Kranzgewinner vor allem für seine starke Verteidigung bekannt. Nur wenige können sich derart gut auf einen Gegner einstellen. Burger wird daher einige Feste mitprägen. Nicht unbedingt, weil er zum Seriensieger mutiert, sondern weil er zur Stolperfalle für die Favoriten wird.
Lars Voggensperger
Das Kompliment kommt vom Schwingerkönig höchstpersönlich, denn wenn Armon Orlik auf das ESAF zurückblickt, dann hebt er immer wieder den dritten Gang gegen Lars Voggensperger (25) hervor: «Das war ein ganz wichtiger Sieg. Lars ist brutal unangenehm. Von da an wusste ich, es kommt gut.» Noch einige Wochen zuvor stellten die beiden beim Nordwestschweizer Teilverbandsfest. Dass Voggensperger die ganz Bösen auch bezwingen kann, bewies er letztes Wochenende. Der Baselbieter bodigte Nick Alpiger. Zu den Schwingfesten begleitet ihn jeweils sein Vater Thomas, der ebenfalls ein Kranzschwinger war. Voggensperger wird nachgesagt, dass er in den Trainings noch einen Tick stärker ist als im Wettkampf. Sein ganzes Potenzial hat er auf jeden Fall noch nicht ausgeschöpft.
Silvan Zbinden
Enttäuscht reisten die Südwestschweizer vom ESAF in Mollis GL ab. Der kleinste Teilverband gewann nur gerade einen Kranz. Doch es gibt Hoffnung, dass sich das in Zukunft ändern wird. Eines der vielversprechendsten Talente heisst Silvan Zbinden. Der 21-jährige Freiburger gewann im letzten Jahr vier Kränze, darunter jener am Teilverbandsfest. Im Winter machte er weitere Fortschritte, wie seine letzten Auftritte zeigen. Der gelernte Landschaftsgärtner kämpfte sich beim Abendschwinget in Plaffeien bis in den Schlussgang vor.
Dort forderte er den Kilchberger-Sieger Fabian Staudenmann mehr als vier Minuten lang heraus, bevor er dann doch auf dem Rücken lag. «Ich konnte einigermassen mithalten. Das war toll, zu sehen, und motiviert mich umso mehr für die Zukunft», erklärt der 120-Kilo-Mann. Als Achtjähriger hat er durch seinen Vater Edwin, der ebenfalls geschwungen hat, zum Nationalsport gefunden. Nun macht er sich auf, um in der Südwestschweiz und darüber hinaus für Furore zu sorgen.