Darum gehts
- Fabian Staudenmann gewinnt das Berner Kantonale im Wankdorf vor 27'000 Zuschauern
- Werner Schlegel beeindruckt mit starker Leistung, verpasst jedoch den Festsieg knapp
- Letzter Nicht-Berner Sieger war Martin Grab, der im Jahr 2005 gewann
Das Notenblatt von Werner Schlegel (23) am Berner Kantonalen gehört eingerahmt. Der Toggenburger erhielt fünf Eidgenossen vorgesetzt. Darunter waren mit Adrian Walther, Michael Moser und Fabian Staudenmann die stärksten Berner. Schwingerkönig Christian Stucki bringt es auf den Punkt: «Was Werner heute gezeigt hat, war sensationell!» Trotzdem reichte es nicht zum Festsieg.
Diesen sicherte sich Fabian Staudenmann (26). Der Kilchberger-Sieger konnte zu Fuss ins Wankdorf laufen. Seit Donnerstag war er täglich im Stadion. Im Schlussgang profitierte er davon, dass Schlegel gegen die starke Konkurrenz nicht immer die Maximalnote erzielen konnte.
Martin Grab wurde beinahe abgelöst
Deshalb reichte dem Lokalmatador ein Gestellter. «Diese Ausgangslage wollte ich mir nicht mehr nehmen lassen», sagte Staudenmann nach dem Schlussgang. Als der Kampfrichter den Gang beendete, brach unter den 27'000 Zuschauern riesiger Jubel aus.
Staudenmann verlängerte die Berner Siegesserie am eigenen Teilverbandsfest um ein weiteres Jahr. Der letzte Gast, der das Berner Kantonale gewinnen konnte, war Martin Grab im Jahr 2005. Diese Schmach blieb den Mutzen erspart. Trotzdem dürfte ihnen Schlegels Auftritt zu denken geben.
«Was Werner heute für ein Notenblatt vorzuweisen hat, sucht seinesgleichen. Wenn er so weiterschwingt, ist er in dieser Saison die grösste Herausforderung», sagt Staudenmann. «Bei ihm sieht alles so einfach aus.» Der ESAF-Schlussgänger katapultierte sich mit dieser Leistung an die Spitze der Rangliste der aktuell stärksten Schwinger – trotz Rang zwei.
Neben Moser und Walther waren der formstarke Matthieu Burger, Defensivspezialist Fabian Aebersold sowie Mittelländer-Champion Matthias Aeschbacher chancenlos. Während Schlegel einen Gegner nach dem anderen ausschaltete, erlebte sein Nordostschweizer Teamkollege Armon Orlik ein Debakel. Der Schwingerkönig verlor gleich drei Gänge, verpasste den Kranz und gehörte zu den grossen Verlierern des Berner Kantonalen.
Positive Anzeichen bei Staudenmann
Nebst dem vielen Lob für Schlegel verliert Stucki auch ein kritisches Wort über den heimlichen Sieger des Wankdorf-Spektakels. Denn etwas störte den Schwingerkönig. «Für mich hat Werner im Schlussgang zu wenig gemacht. Wenn du den Sieg unbedingt willst, musst du aktiver sein.» Gleichzeitig ergänzt Stucki: «Gegen einen Staudenmann ist das alles andere als einfach.»
Der Festsieg dürfte dem Berner Aushängeschild richtig guttun. Zuletzt war die Kritik am früheren Dominator immer lauter geworden. «Fäbu hat mir besser gefallen als auch schon. Er schwang konsequenter. Im Hinblick auf Kilchberg ist das ein gutes Zeichen – die Formkurve zeigt nach oben.»