Darum gehts
- Pirmin Reichmuth ist neu SRF-Schwing-Experte
- Nach dem ESAF 2025 hat er seine Karriere beendet
- Er gewann vier Eidgenössische Kränze und neun Kranzfeste
«Mir geht es tipptopp, danke. Ich bin gerade auf dem Weg ins Krafttraining», meldet sich Pirmin Reichmuth über die Freisprechanlage aus dem Auto. Dreimal pro Woche besucht der Ex-Schwinger nach der Arbeit in seiner Physiopraxis das Fitnesscenter.
Das brauche er trotz lädierten Knien für seinen Körper, «sonst fällt mein Gestell auseinander». Und als Physiotherapeut wisse er ja, wo er ansetzen müsse. Er schmunzelt: «Ich brauche es aber auch für den Kopf, Schwingen war mein Ventil.» Dieses fehle ihm sonst schon.
«Schwingen war sehr zeitintensiv und klar meine Nr. 1. Es hat aber auch viel in den Schatten gestellt, was in den Schatten musste – Sachen wie Stress im Geschäft», resümiert der 30-jährige Zuger.
Gar nichts mehr zu machen nach 15 Jahren intensivem Training wäre komisch für ihn. «Und als ehemaliger Leistungssportler fühlen sich drei Trainings pro Woche sowieso fast wie nichts an. Jeden zweiten Tag hast du frei.» Er lacht.
«Irgendwann wurde ich viel zu verkopft»
Die neugewonnene Freizeit geniesst Piri, wie ihn sein engstes Umfeld nennt, sehr, am liebsten mit seiner Frau und den zwei Töchtern (6 Monate bzw. 3 Jahre alt).
«Den Rücktritt habe ich keine Sekunde bereut. Ich vermisse zwar gewisse Dinge, etwa das Feeling in der Garderobe und das Training, den Wettkampf aber gar nicht», betont Reichmuth, der vier Eidgenössische Kränze und total neun Kranzfestsiege holte (u. a. 2019 und 2024 auf dem Brünig; 2013 auf der Rigi). Ohne seine zahlreichen Verletzungen wäre sein Palmarès wohl noch einiges umfangreicher.
Mit dem Alter sei der Druck aber immer grösser geworden. «Irgendwann wurde ich viel zu verkopft – nicht mehr einfach drauf und vorwärts wie als Junger. Zudem waren ehrlich gesagt auch meine Leistungen nicht mehr so, wie ich das gerne gehabt hätte.»
Für ihn sei immer klar gewesen: Sobald er nicht mehr zuvorderst mitschwinge, sei es ihm das Risiko für seine Knie nicht mehr wert.
Was ihn an Fussballern stört
Aktuell dominiert Fussball die Sportwelt. Verfolgt er die Spiele? «Boah ... ein schwieriges Thema», sagt Reichmuth. «Letzten Monat habe ich drei Wochen Eishockey-WM geschaut, war auch in Zürich live vor Ort. Einfach sensationell!»
Während des WM-Auftakts der Schweiz in San Francisco gegen Katar war seine Gemütslage aber definitiv eine andere: «Ich finde es echt schlimm, wie sich viele Spieler auf dem Platz verhalten! Eigentlich sollten sie doch Vorbilder für die Jungen sein. Was man da aber andauernd sieht, sind Schwalben und ein Theater!»
Bei der Fussball-Nati sei er bisher immer ein Riesenpatriot gewesen, inzwischen finde er aber, dass das Verhalten der Spieler und Funktionäre den Sport zu sehr verfälsche. Konsequenz: Er kann nicht mehr zuschauen! «Hockey und Schwingen hingegen sind noch ehrlich und authentisch.»
Schwingclub wie eine Familie
Schwingen ist und bleibt seine grosse Leidenschaft, wie er im ersten Winter nach dem Rücktritt sogleich selber zu spüren bekam. «Ich war in schlechter Stimmung, irgendetwas hat mir einfach gefehlt. Als die Schwingsaison dann aber endlich anfing, ging es mir sofort viel besser.»
Einmal im Monat steht Reichmuth auch selber wieder im Sägemehl. In seinem Stammclub Cham-Ennetsee leitet er das Training der Aktivschwinger. «Auch an den Schwingfesten stehe ich ihnen mit Rat und Tat zur Seite, halte mich aber eher im Hintergrund.» Bei Anlässen des Vereins helfe er natürlich ebenfalls mit. «Der Schwingclub ist wie eine Familie, er begleitet dich ein Leben lang.»
«Ich freue mich mega»
Von seiner immensen Erfahrung kann bald auch das Fernsehpublikum profitieren: Neben Christian Schuler, der ebenfalls letzte Saison zurücktrat, ist Reichmuth neuer Schwing-Experte.
Wie kam es dazu? SRF meldete sich bei ihm, nur wenige Tage nachdem er am Eidgenössischen 2025 in Mollis GL zurückgetreten war. Er musste nicht lange überlegen.
«Das ist ein Bubentraum von mir. Ich sagte immer, ich wolle mal Sportreporter wie Stefan Hofmänner werden. Nun freue ich mich mega, wenn es am Innerschweizer Schwingfest am 5. Juli losgeht.» Sein Debüt am Mikro wird aber nur online übertragen (srf.ch/sport).
Im TV ist er erstmals am 11. Juli am Weissenstein-Schwinget (ab 8.20 Uhr, SRF 1) zu sehen und zu hören. Höhepunkt 2026 ist der Kilchberger Schwinget (5. Sept.). Was ist Pirmin Reichmuths Prognose? «Einen alleinigen Favoriten gibt es nicht, diese Zeiten sind vorbei.»