Die Schlussgänge
Marc Lustenberger und Samuel Schwyzer gehen punktgleich und mit anderthalb Punkten Vorsprung in den ISAF-Schlussgang. Heisst: Stellen sie, jubeln beide. Entsprechend suchen beide nicht das letzte Risiko. Ein fataler Fehler soll vermieden werden. Und so endet das Duell ohne Sieger und eben doch mit zweien, die sich freuen. Schwyzer und Lustenberger teilen den Festsieg.
Fabian Staudenmann reicht ein Gestellter gegen Werner Schlegel, um das Berner Kantonale zu gewinnen. Trotzdem geht er zu Beginn in die Offensive, kontert, wenn Werner Schlegel angreift. In den ersten sechs der maximal zwölf Minuten ist Schlegel dennoch der aktivere Schwinger, denn er braucht den Sieg. Nach acht Minuten zieht er mit einem explosiven Kurz an, legt einen Wyberhaken nach, Staudenmann wehrt den Angriff ab. Der Gang ist brutal intensiv, bietet einiges. Die Spannung im Wankdorf ist greifbar. Gut eine Minute vor Schluss landet Schlegel beinahe auf dem Rücken, aber der Kampfrichter zeigt sofort an, das war ausserhalb des Sägemehls. Danach reicht die Zeit nicht mehr für einen entscheidenden Angriff. Das Duell endet gestellt und Staudenmann ist Festsieger.
Martin Roth steht schon vor dem Schlussgang als Sieger des Appenzeller Kantonalen fest – auch eine Niederlage reicht ihm, dann muss er allerdings den Sieg mit Silvio Oettli teilen. Entsprechend kommt vom Eidgenossen nicht allzu viel. Und die Angriffe von Oettli sind lange alles andere als zwingend. Er wehrt sie alle ab – bis die letzte Minute läuft. Und Roth doch noch auf dem Rücken landet. So teilen sich die beiden den Festsieg.
Die Siegerstimmen
Fabian Staudenmann: «Für mich ist der Sieg mega speziell. Ich habe gut trainiert, aber ich habs an einem Tag noch nie zusammengebracht. Und dann kommt das Heimfest, ich hatte unglaubliche Vorfreude und war am Morgen überwältigt. Die Stimmung war unglaublich, nach acht Minuten im Schlussgang hab ich nur noch davon die Energie gezerrt. Schwingerisch ist es unglaublich gut, was Schlegel heute und in den letzten Wochen gezeigt hat. Das ist beneidenswert. Das hab ich ihm nach dem Schlussgang auch gesagt. Normalerweise bin ich beim Feiern zurückhaltend, aber ich glaube heute wirds etwas länger gehen.»
Silvio Oettli: «Ich kann es gar nicht glauben. Ich wollte am Schluss einfach noch einmal angreifen – dass es so aufgeht, ist umso schöner.»
Martin Roth: «Aktuell ist die Freude noch gedämpft, weil ich den Sieg teilen muss. Aber Silvio hats super gemacht. Die Freude wird schon noch kommen, ich bin froh, hats auch so geklappt.»
Marc Lustenberger: «Unglaublich, davon träumt man. Anfang Saison hab ich mir zum Ziel gesetzt, wieder ein Kranzfest zu gewinnen. Bisher hat es nicht geklappt, dass es nun aufgeht, ist wunderschön.»
Samuel Schwyzer: «Schon oft hat mir ein Viertelpunkt gefehlt, etwa am ESAF zum Kranz. Schön, konnte ich das Glück dieses Mal auf meine Seite zwingen.»
Die Schlussranglisten
Die Titelverteidiger
Letztes Jahr hat Joel Wicki das Innerschweizer Schwing- und Älplerfest ISAF gewonnen. Nach seinem Rücktritt verfolgt er es dieses Jahr wenn dann nur als Zuschauer. Domenic Schneider tritt ebenfalls nicht zur Titelverteidigung beim Appenzeller an. Er steigt stattdessen beim ISAF in die Zwilchhosen. Einziger Vorjahressieger beim gleichen Fest ist damit Michael Moser, der erneut am Berner Kantonalen antritt.
Das Jubiläum
Fabian Staudenmann gewinnt nach 2023 und 2024 zum dritten Mal das Berner Kantonale. Und feiert gleichzeitig ein Jubiläum. Denn er holt damit auch seinen 70. Kranz.
Die dreifache Premiere
Martin Roth ist seit 2019 Eidgenosse, aber etwas fehlt ihm noch im Palmarès: Der 36-Jährige hat noch kein Kranzfest gewonnen. Beim Appenzeller gelingt ihm das nun endlich – trotz Niederlage im Schlussgang. Alleine jubeln muss er nicht, er teilt Platz 1 mit seinem Bezwinger Silvio Oettli. Auch für den 26-Jährigen ist es der Premieren-Triumph. Und weil aller guten Dinge drei sind, gibts auch am ISAF einen Premierensieger. Samuel Schwyzer gewinnt sein erstes Kranzfest.
Die Ottenberg-Serie
Mit Silvio Oettli gewinnt ein Athlet des Schwingklubs Ottenberg das Appenzeller Kantonale. Etwas, das in den letzten Jahren zur Normalität geworden ist. Denn mit Domenic Schneider (2023 und 2025) und Mario Schneider (2024) haben zwei Klubkollegen von Oettli jeweils den Sieg geholt. Nun geht diese Serie weiter.
Der letzte Nordostschweizer Sieg
25 Jahre ist es her, seit mit Jörg Abderhalden letztmals ein Gast aus der Nordostschweiz das Berner Kantonale gewinnen konnte. Werner Schlegel hat die Chance, in die Fussstapfen des dreifachen Schwingerkönigs zu treten. Jeden Gegner, der ihm in den Weg gestellt wird, räumt er aus dem Weg. Mit fünf Siegen – vier davon gegen Eidgenossen – zieht er in den Schlussgang ein. Dort greift er mit Fabian Staudenmann zusammen. Es ist das insgesamt neunte Duelle der beiden. Schlegels Bilanz davor: zwei Siege sowie je drei Gestellte und Niederlagen. Nun kommt ein weiterer Gestellter dazu. Und die Nordostschweizer müssen weiter auf einen nächsten Sieg am Berner Kantonalen warten.
Kranz Nummer 16
Bernhard Kämpf ist mit 38 Jahren der Routinier schlechthin am Berner Kantonalen. Und beweist, dass er immer noch mit den Besten mithalten kann. Denn er reist am Ende des Tages mit dem Kranz nach Hause. Er wird Fünfter. Ob noch weitere Berner Kränze dazu kommen werden, lässt er offen. «Es ist schon ein paar Jahre her, als ich gesagt habe, jetzt ist dann fertig», meint Kämpf gegenüber SRF. «Jetzt sag ich nicht mehr wie lange ich noch mache. Sicher so lange es noch Spass macht und ich gesund bin.»
Die Sensationsmänner
David Lüthi (24) und David Scheuner (20) sind zwei junge Berner, die als Gauverbandskranzer ins Berner Kantonale steigen und am Ende des Tages Teilverbandskranzer sind. Denn die beiden ziehen einen sackstarken Tag ein. Beide bodigen König Armon Orlik sowie je einen weiteren Eidgenossen. Lüthi bezwingt Christian Gerber und Scheuner Michael Ledermann.
Der Pleiten-Hattrick
Armon Orlik will als König in Bern um den Sieg mitschwingen. Stattdessen setzt es für den Bündner eine riesengrosse Enttäuschung ab. Er landet dreimal auf dem Rücken und verlässt das Wankdorf ohne Kranz auf dem Kopf. Die Gegner, die ihn bezwingen, sind dabei mit einer Ausnahme keine Hochkaräter. Im 1. Gang verliert er gegen Michael Moser, danach muss er sich den Gauverbandskranzern David Lüthi und David Scheuner beugen. Die beiden legen ihn platt auf den Rücken. «Eine gewisse Leere ist da, aber Niederlagen gehören zum Sport», sagt Orlik nach dem 5. Gang gegenüber SRF. Und fügt an: «Wer gewinnen will, muss auch verlieren können.» Orlik ist nicht der einzige Hochkaräter, der am Berner den Kranz verpasst. Auch die Eidgenossen Sinisha Lüscher, Christian Gerber, Severin Schwander oder Romain Collaud bleiben ohne Eichenlaub.
Der missglückte Schlungg
Der Schlungg ist einer der spektakulärsten aber auch gefährlichsten Angriffe. Da der Angreifer sich nach hinten fallen lässt, um mit dem Schwung seinen Gegner zu bodigen, besteht die Gefahr, selber auf dem Rücken zu landen. Und genau das passiert im 5. Gang des ISAF, als es ums Schlussgang-Ticket geht. Marcel Bieri greift gegen Samuel Schwyzer mit Schlungg an – und das geht schief. Anstatt seinen Gegner legt sich der Zuger selber aufs Kreuz. Und schickt so Schwyzer in den Schlussgang.
Der Steigerungslauf
Roger Rychchen ist einer von drei Eidgenossen am Appenzeller Kantonalen. Der Start ins Fest ist alles andere als optimal. Er verliert das Eidgenossen-Duell gegen Martin Roth. Danach legt er einen Steigerungslauf hin, gewinnt viermal und sichert sich mit dem Gestellten gegen Lars Rotach zum Abschluss den Kranz.
125 Jahre
Der Berner Schwingerverband feiert sein 125-jähriges Jubiläum. Aus diesem Grund findet das Teilverbandsfest an einem besonderen Ort statt. Im Fussballstadion Wankdorf, in dem normalerweise YB seine Gegner empfängt. Die Kulisse ist einmalig und beeindruckt die Schwinger. Alle schwärmen von der besonderen Atmosphäre.
Die Edelfans
Eigentlich wollte Unspunnensieger Samuel Giger gemeinsam mit Werner Schlegel und Armon Orlik die Berner bei deren Teilverbandsfest ärgern. Doch Anfang Juni hat er sich an der Schulter verletzt und muss deswegen pausieren. Trotzdem ist Giger nach Bern gereist und verfolgt das Fest. Gegenüber SRF sagt er, dass er nur zu gerne selber mitschwingen würde. Nach seiner Verletzung sei er bisher aber noch nicht wieder ins Sägemehl zurückgekehrt. Aber er habe einen Plan für die nächsten Wochen. Wie dieser aussieht, verrät er nicht. Der Thurgauer hat auch in Bern viele Fans. Kaum ist das Interview vorbei, kommen zahlreiche Kinder, um ein Autogramm von ihm zu ergattern. Giger ist nicht der einzige Nordostschweizer Edelfan. Auch Damian Ott sitzt auf der Tribüne. Bei ihm stand das Berner Kantonale allerdings von Anfang an nicht in der Agenda.
Die Laubbläser
Das Berner Kantonale geht in ungewohnter Kulisse über die Bühne. Anstatt in einer extra errichteten Arena steigen die Bösen im Wankdorf-Stadion in die Zwilchhosen. Statt Naturwiese dient Kunstrasen als Untergrund. Damit dieser nicht zerstört wird, soll möglichst wenig Sägemehl ausserhalb der Ringe landen. Deswegen werden die Schwinger vor dem Verlassen des Rings abgebürstet – oder auf Wunsch auch mit dem Laubbläser vom Sägemehl befreit. Nicht alle nehmen diesen Service in Anspruch – Adrian Walther aber gehört zu denen, die sich einmal abblasen lassen. Aber wer weiss, vielleicht findet der eine oder andere YB-Spieler beim ersten Heimauftritt in der neuen Saison trotzdem noch irgendwo einen Sägemehlspan.
Der Zaungast
Wegen eines Bandscheibenvorfalls an der Halswirbelsäule musste Sven Schurtenberger die Saison vorzeitig abbrechen. Am Mittwoch wurde der Luzerner Eidgenosse operiert. Der Eingriff ist gut verlaufen und die Heilung schreitet gut voran, teilt er via Instagram mit. Schurtenberger ist sogar schon wieder so fit, dass er das ISAF besuchen kann. Und ist im Interview mit Tele 1 zum Scherzen aufgelegt. «Es ist schön, mal die andere Seite kennenzulernen», sagt er. Und fügt lachend an: «Dann weiss ich schon, wie es dann in der Pension ist.» Bleibt zu hoffen, dass diese nicht so bald Realität wird und er noch einmal ins Sägemehl zurückkehren kann.
Die Bedingungen
Die drei Feste gehen bei besten Bedingungen über die Bühne. Die Sonne scheint und es ist warm, aber nicht mehr so heiss wie noch letztes Wochenende.
So geht es weiter
Am kommenden Samstag steht mit dem Weissenstein das nächste Bergkranzfest auf dem Programm.