Darum gehts
- Schwingerkönig Armon Orlik verliert dreimal beim Berner Kantonalen im Wankdorf
- Danach sucht der Bündner nach Erklärungen – war es ein Einstellungs-Problem?
- Die Chance auf Wiedergutmachung bietet sich ihm bereits am kommenden Samstag
So laut wurde es in der letzten Saison von YB kaum einmal im Wankdorf. Als David Lüthi (24) kurz vor dem Mittag sensationell Schwingerkönig Armon Orlik (31) auf den Rücken legte, tobten die 27'000 Zuschauer. Bereits beim Anschwingen am Berner Kantonalen hatte Michael Moser den Bündner bezwungen. Es war der Auftakt zu einem Tag, wie ihn der König noch selten erlebt hat.
Der Tiefpunkt folgte im fünften Gang. Gauverbandskranzer David Scheuner fügte Orlik die dritte Niederlage zu. Der Mitfavorit, der sonst kaum einen Gang verliert, muss sich dreimal das Sägemehl vom Rücken wischen lassen. Allein in den vergangenen beiden Jahren war Orlik insgesamt nur zweimal bezwungen worden.
Dreimal an einem einzigen Fest verlor er letztmals vor zwölf Jahren. 2014 musste er sich auf der Schwägalp gegen Mario Thürig, Martin Zimmermann und Christian Schuler geschlagen geben. Dabei hatte zuletzt vieles auf einen Aufwärtstrend hingedeutet.
Der König versteckt sich nicht
Am Nordostschweizer wirkte Orlik stärker als zu Beginn der Saison. Sein Athletiktrainer Robin Städler sagte noch unter der Woche im Blick: «Armon wird bereit und spritzig sein.» Statt einer Machtdemonstration folgte im Wankdorf jedoch das grösste Debakel seiner Karriere. Aus dem König wurde ein Bettler.
Nach dem Wettkampf drückt sich Orlik aber nicht vor den unangenehmen Fragen. Im Gegenteil. Er bleibt stehen, nimmt sich Zeit und sucht in aller Ruhe nach Erklärungen. Mehrmals hält er inne, überlegt, wägt seine Worte sorgfältig ab. Ausreden liefert er keine.
«Ich habe mich sehr auf dieses Schwingfest gefreut. Doch heute war nicht mein Tag. Von der Einstellung her hat es nicht immer gepasst», sagt er selbstkritisch. Dabei sei ihm bewusst gewesen, dass der Auftritt im Wankdorf als amtierender Schwingerkönig eine besondere Herausforderung werden würde. «Es ist manchmal schwierig, unter diesen Voraussetzungen die Topleistung abzurufen.»
Im Gespräch über seinen Auftritt streicht Orlik die Niederlage gegen David Scheuner besonders hervor. «Im fünften Gang konnte ich den Kampf dominieren. Es reichte einfach nicht zum Resultat. Dann macht er es sehr gut und erwischt mich genau im richtigen Moment.» Das Wankdorf explodierte einmal mehr. Die Zuschauerinnen und Zuschauer schüttelten nur noch ungläubig den Kopf.
Chance zur Wiedergutmachung kommt schnell
Einen körperlichen Grund für Orliks schwache Leistung gibt es nicht. «Ich bin gesund», stellt er klar. Stattdessen glaubt er, dass nach den frühen Niederlagen die nötige Spannung etwas verloren ging. «Dann kommst du ins Hadern. Das gehört zum Sport und ist keine Blamage. Ich kann aus diesem Tag einiges lernen.»
Viel Zeit zum Grübeln bleibt ihm aber nicht. Bereits am Samstag steht auf dem Weissenstein das nächste Bergkranzfest an. Direkt nach seiner dritten Niederlage wurde darüber spekuliert, ob sich der Schwingerkönig eine Pause gönnen könnte. Orlik winkt ab. «Es gibt momentan keinen Grund, nicht anzutreten. Jetzt lege ich den Fokus darauf, auf dem Weissenstein wieder anzugreifen.»