Radverband wählt neue Präsidentin
Das musst du zur Entscheidung im Machtkampf wissen

Die Delegiertenversammlung von Swiss Cycling in Bern sorgt für Spannung: Vier Vorstände treten ab, zwei Frauen kämpfen um das Präsidium. Der Machtkampf um CEO Thomas Peter könnte den Verband grundlegend verändern.
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Geschäftsführer Thomas Peter: Die Präsidiums- und Vorstandswahlen beim Radverband werden für seine Zukunft entscheidend.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Swiss Cycling wählt in Bern neues Präsidium, zwei Frauen stehen zur Wahl
  • Machtkampf zwischen Thomas-Peter-Unterstützern und Reform-Befürwortern spaltet den Verband
  • Das Frauen-Radteam Nexetis ist immer wieder Thema von Kritik
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Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Was passiert diesen Samstag in Bern?

Swiss Cycling hält seine jährliche Delegiertenversammlung ab. Gewöhnlich wird diese DV nicht: Im siebenköpfigen Vorstand treten vier Personen, darunter das Co-Präsidium mit Franz Gallati und Patrick Hunger, nicht mehr zur Wiederwahl an. Fürs Präsidium stehen mit Luana Bergamin und Marisa Reich zwei Frauen zur Wahl. Je nach Zusammensetzung des neuen Vorstands wartet auf Swiss Cycling eine ganz neue Ära der Führung. Insgesamt stehen 14 (!) Personen zur Wahl.

Was macht die DV so brisant?

Vor den Wahlen ist ein erbitterter Machtkampf ausgebrochen, der sich um eine zentrale Frage dreht: Pro oder kontra Swiss-Cycling-Geschäftsführer Thomas Peter? Die beiden Präsi-Kandidatinnen stehen für den künftigen Kurs des Verbands. Luana Bergamin dürfte den Verband im bisherigen «Peter-Stil» ähnlich wie bisher weiterführen. Das Lager um Marisa Reich hingegen plant eine Abkehr vom bisherigen Pfad. Mit UCI-Boss David Lappartient, Europaverbandspräsi Enrico Della Casa und Swiss-Olympic-Direktor Roger Schnegg haben namhafte Funktionäre ihr Kommen angekündigt.

Wer leitet die heisse DV?

Die Stimmung ist derart aufgeheizt, dass für die Tagesleitung eine neutrale Person gesucht wurde, die aktuell keine Funktion bei Swiss Cycling hat und keinem Lager zugeordnet wird. Fündig wurde man bei Andreas Mäder – Vater des verstorbenen Radprofis Gino Mäder (†26). 

Wer ist überhaupt CEO Thomas Peter?

Der Berner ist Geschäftsführer von Swiss Cycling und das omnipräsente Gesicht des Verbands. Der gelernte Zimmermann mit dem Sportstudiumabschluss kam 2009 als Mountainbike-Chef zu Swiss Cycling. 2011 wurde er Technischer Direktor und ist nun seit 2020 Geschäftsführer. Seither ist er umtriebiger und mächtiger Rad-Boss, der Weltmeisterschaften wie die Rad-WM 2024 in Zürich oder die Mountainbike-WM 2025 im Wallis ins Land holt. Doch jetzt scheint er gewissen Leuten in der Rad-Schweiz zu mächtig geworden zu sein.

Was wird Peter vorgeworfen?

Offen formuliert niemand konkrete Anschuldigungen. Hinter vorgehaltener Hand sind Themen wie Führungsstil und Kommunikation zu hören. Wer Peters Ideen und Pläne nicht abnickt, kriege rasch Probleme mit ihm, heisst es. Immer wieder geistert auch das Thema Nexetis herum. Dieses private Frauen-Radteam steht dem Verband sehr nahe. Peter ist VR-Präsident der Fastandfemale Team AG, die eigens für Nexetis gegründet wurde. Weil ein nationaler Verband gar kein privates Tour-Team führen darf, gabs vom Weltverband UCI eine Verwarnung, aber auch eine Ausnahmebewilligung zumindest für 2026. Auch die Nexetis-Querfinanzierung mit Baspo-Geldern ist immer wieder ein Thema, das Peter negativ ausgelegt wird. Beim Baspo heisst es auf Blick-Anfrage aber klipp und klar: Alles in Ordnung, alles wurde vorgelegt und genehmigt.

Warum eskalierte der Machtkampf schon vor der DV?

Weil die Vorstandsmitglieder Marisa Reich und Ariane Previtali sowie Vorstandskandidat Andrew Thomas vom Swiss-Cycling-Einzelrichter wegen einer Formalität von der Wahl ausgeschlossen wurden. Pikant: Alle drei werden zum Peter-kritischen Lager gezählt. Erst drei Tage vor der DV kassierte das Rekursgericht die umstrittene und willkürlich erscheinende Entscheidung, dass die früher nie abgefragte Radklubmitgliedschaft plötzlich ausschlaggebend sei für die Vorstandswahl. Zudem enthüllte Blick, dass Verbandsangestellte mit Mails und Anrufen auf Stimmenfang für die ihnen genehme Präsi-Kandidatin gegangen sind – mit fragwürdigen Aussagen, dass mehr als eine Kandidatin «ein Risiko» sei, das es «zu verhindern» gelte.

Welche Folgen wird dieser Tag für den Radsport haben?

Alles ist vom Ausgang der Wahlen abhängig. Sollte Marisa Reich neue Präsidentin werden und eine Mehrheit im Vorstand hinter ihr stehen, dürfte es für Thomas Peter und seine Vertrauten auf der Geschäftsstelle höchst ungemütlich werden, sollten sie überhaupt in ihren Jobs verbleiben. Aber auch unter einer neuen Präsidentin Luana Bergamin wird genauer hingeschaut werden. Die Bündnerin kann es sich nicht leisten, als Marionette von Peter zu gelten, auch sie wird die Strukturen unter die Lupe nehmen – allerdings ohne eine Eskalation zu riskieren.

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