Darum gehts
- Swiss Cycling schliesst vor der DV weiteres Vorstandsmitglied aus
- Marisa Reich und weitere wegen fehlender Veloclub-Mitgliedschaft out
- Vieles dreht sich darum, wer wie zu Geschäftsführer Thomas Peter steht
Bei Swiss Cycling gehts vor der Delegiertenversammlung am 14. März in Bern hinter den Kulissen rund. Am Mittwoch enthüllt Blick, dass mit Marisa Reich (42) ein Vorstandsmitglied per sofort aus dem Gremium ausgeschlossen wird. Reich wollte sich an der DV zur neuen Präsidentin wählen lassen. Auch von dieser Wahl ist sie zumindest bis zum Rekursentscheid ausgeschlossen.
Nun kommen noch mehr Ausschlüsse ans Tageslicht. Nach Blick-Informationen erhielt auch Vorstandsmitglied Ariane Previtali (45) dicke Post vom Swiss-Cycling-Einzelrichter. Auch bei der Zürcherin wurde festgestellt, dass sie zu einem gewissen Stichtag nicht bei einem Veloklub als Mitglied in den nötigen Datenbanken registriert war. Wie Reich wird auch Previtali, seit Jahren Rennkommissärin beim Weltverband UCI, per sofort rausgeworfen. Und genauso erging es Andrew Thomas, einer der Kandidaten fürs Vizepräsidentenamt.
Swiss Cycling verteidigt den Kahlschlag im Vorstand
Zwei von sieben aktuellen Vorstandsmitgliedern sind ihre Ämter los. Es ist ein regelrechter Kahlschlag. Der Verband gibt auf Anfrage vor, lediglich vor der wichtigen DV alle Kandidierenden zu überprüfen, ob sie die Bedingungen erfüllen, um zu Wahl anzutreten. Ein Sprecher: «Die Voraussetzungen sind entweder erfüllt oder nicht, es gibt keinen Gestaltungsspielraum.»
Ein in der Rad-Schweiz offenes Geheimnis ist aber, dass es in Bern um mehr geht als um Namen auf der Kandidatenliste. Es tobt ein Machtkampf zwischen zwei Gruppen, die eine fundamentale Frage spaltet: Geht der künftige Vorstand den stark von Geschäftsführer Thomas Peter geprägten Kurs weiter oder nicht?
Die eine Gruppe um die von Swiss Cycling als neue Präsidentin empfohlene Luana Bergamin (40) kann dem Pro-Peter-Lager zugeordnet werden. Die andere Gruppe um die nun ausgeschlossenen Marisa Reich und Andrew Thomas, die Präsidentin und Vizepräsident werden wollen, planen Reformen, die nicht alle im Sinn des operativen Chefs Thomas Peter sein dürften.
Wurde gezielt nach Gründen für die Ausschlüsse gesucht?
Nun hat der Kahlschlag bisher nur eine Seite getroffen. Man muss nicht Sherlock Holmes sein, um sich folgende Frage zu stellen: Wurde auf der Geschäftsstelle von Swiss Cycling gezielt nach Gründen gesucht, um gewisse Kandidierende loszuwerden?
Der Verband verneint entschieden und sagt: «Die Abklärungen wurden vorgenommen, weil so viele Bewerbungen eingegangen waren.» Alle 14 Kandidierenden seien durchleuchtet worden. Auf die Frage, warum Previtali und Reich nicht bereits bei ihren Wahlen in den Vorstand auf die ominöse Veloclub-Mitgliedschaft überprüft wurden, räumt der Verband ein Versäumnis ein. Man werde diesen Check künftig standardisiert durchführen.
Die jüngste Eskalation wird jedenfalls kaum dazu führen, dass sich die Lage bis zur DV beruhigt. Hinter den Kulissen brodelt es mehr denn je.