Heftiger Machtkampf bei Swiss Cycling eskaliert
Radverband schmeisst vor Präsi-Wahl Vorstandsmitglied raus

Am 14. März entscheidet sich in Bern die Zukunft von Swiss Cycling. Zwei Frauen wollen Präsidentin werden – doch jetzt wurde Vorstandsmitglied Marisa Reich vom eigenen Verband von der Wahl ausgeschlossen. Hinter dem Eklat steckt ein erbitterte Machtkampf.
Kommentieren
1/7
Marisa Reich ist nicht zur Wahl zugelassen.

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
RMS_Portrait_AUTOR_1046.JPG
Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

In der Schweizer Velo-Szene brodelt es. Der Grund: An der Delegiertenversammlung vom 14. März in Bern kommt es zu einer Kampfwahl um das Präsidentenamt bei Swiss Cycling. Mit der Bünderin Luana Bergamin (40) und der Zugerin Marisa Reich (42) stellen sich zwei Frauen zur Wahl, beide wollen erster weiblicher Vorsitz des Radverbands werden. Auf welche Seite schlägt sich die Mehrheit der Delegierten? Diese heisse Frage spaltet das Rad-Land. 

Doch jetzt ist das Duell schon zweieinhalb Wochen vor der DV geplatzt. Zumindest vorerst. Präsidentschaftskandidatin Reich erhielt dicke Post des Swiss-Cycling-Anwalts: Sie wird aus formalen Gründen gar nicht erst zugelassen. Blick liegt das explosive Schreiben vor. Die Begründung für den Eklat: Sie sei nicht wie vorgeschrieben an einem gewissen Stichtag Mitglied in einem Veloklub gewesen.

Es geht um ein Detail, das bisher niemanden störte

Das Pikante: Reich ist keine externe Kandidatin, sie sitzt schon seit fünf Jahren im Swiss-Cycling-Vorstand, wurde in dieser Zeit auch einmal bereits wiedergewählt. Eine fehlende Klubmitgliedschaft? Die hatte bisher niemanden gestört. Doch jetzt folgt der Doppel-Hammer: Sofortiger Ausschluss aus dem Vorstand und keine Zulassung für die Präsidentschaftswahl. Zwar ist Reich mittlerweile Mitglied in einem Radverein. Doch gemäss Anwaltsschreiben sei das formal nicht rechtzeitig in den Datenbanken registriert worden. 

Ein Sprecher des Verbands teilt gegenüber Blick mit: «Der Einzelrichter von Swiss Cycling hat festgestellt, dass die Wahlvoraussetzungen nicht vorliegen. Aufgrund dieser Feststellung hat er das Urteil gefällt.» Reich selber nimmt gegenüber Blick keine Stellung. Offenbar soll sie aber an einen Rekurs denken. 

Doch die Frage stellt sich ohnehin: Warum fährt Swiss Cycling gegen ein eigenes Vorstandsmitglied derartig grosse Geschütze auf und schmeisst es kurzerhand aus dem Gremium? «Die Voraussetzungen sind entweder erfüllt oder nicht, es gibt keinen Gestaltungsspielraum», so die Antwort des Verbands.

Doppelt so viel Kandidierende wie Vorstandssitze

Dass die gebürtige Deutsche nun ausgeschlossen wurde, zuvor aber während Jahren unbescholten im Vorstand war, erklärt Swiss Cycling so: «Die Abklärungen wurden vorgenommen, weil so viele Bewerbungen eingegangen waren. Aufgrund dieser Erfahrung wird Swiss Cycling die Kontrolle der Wahlvoraussetzungen standardisieren.»

Für den siebenköpfigen Vorstand stellen sich 14 Personen zur Wahl. Bemerkenswert viele in Zeiten, in denen oft händeringend nach Personal für Ehrenämter gesucht wird. Doch weil beide Co-Präsidenten, Patrick Hunger und Franz Gallati, aufhören und zwei weitere Sitze frei werden, haben sich über ein Dutzend Personen aufstellen lassen. Womöglich sind gar sechs Sitze zu besetzen, denn der scheidende Co-Präsi Gallati stellte einen Antrag auf personellen Ausbau des Gremiums. 

Anträge, Ausschluss, Machtkampf – was ist da nur los bei Swiss Cycling? Wo immer sich Blick in diesen Tagen umhört, es fällt immer wieder der Name von Thomas Peter. Der Berner ist Geschäftsführer von Swiss Cycling und das omnipräsente Gesicht des Verbands. Der gelernte Zimmermann mit dem Sportstudiumabschluss kam 2009 als Mountainbike-Verantwortlicher zu Swiss Cycling, 2011 wurde er Technischer Direktor und ist nun seit 2020 Geschäftsführer. 

Um es vorsichtig auszudrücken, Peter hat in der Rad-Schweiz nicht nur Freunde. Das mag an seiner Position liegen. Wo es um Macht und Geld geht, können nicht alle Begehrlichkeiten befriedigt werden. 

Der Kernfrage: Welchen Kurs schlägt der Verband künftig ein?

Doch Fakt ist: Diese Delegiertenversammlung gilt wegen der Vakanzen als wegweisend dafür, ob die Stimmberechtigten den bisherigen Kurs des Verbands unter der operativen Führung von Peter gutheissen oder ob mit der Wahl von neuen Vorstandsmitgliedern im Verband ein neuer Wind wehen soll. Oder im Klartext: Ein Wind, der Peter auch mal ins Gesicht bläst. 

Die nun geschasste Reich schreibt auf ihrer eigens für die Präsidentschaftskandidatur aufgeschaltenen Website: «Swiss Cycling steht an einem entscheidenden Punkt seiner Geschichte. Zwei Wege stehen uns offen: Entweder wir halten an Strukturen und einer Kultur fest, die sich nicht mehr weiterentwickelt haben, oder wir nutzen diese Chance, um den Verband in eine neue Etappe zu führen.»

Ihre Kontrahentin Luana Bergamin wird von Swiss Cycling zur Wahl als neue Präsidentin empfohlen. Für die OK-Chefin der Ski-Weltcup-Rennen in Lenzerheide GR wäre es eine Rückkehr. Sie arbeitete bis 2021 in der Geschäftsführung von Swiss Cycling als «Leiterin Dienste». Bergamin schreibt in ihrem Portrait an die Delegierten: «Swiss Cycling steht heute auf stabilen Beinen.»

Wer gewinnt am 14. März den erbitterten Machtkampf? Hinter den Kulissen läuft auf beiden Seiten die Mobilisierung der Delegierten schon längst auf Hochtouren. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen