Darum gehts
- Machtkampf bei Swiss Cycling vor wichtiger Versammlung am 14. März in Bern
- Brisante Nachrichten und Vorwürfe zu Befangenheit belasten Wahl zur Präsidentschaft
- Vier von sieben Vorstandssitzen vakant, Präsidentschaftsentscheidung bleibt ungewiss
Der Machtkampf bei Swiss Cycling nimmt in den Tagen vor der wegweisenden Delegiertenversammlung eine beispiellose Dimension an. Hinter den Kulissen bekämpfen sich zwei Seiten so erbittert, dass mittlerweile nicht mal ganz sicher ist, ob die DV am 14. März in einem Berner Hotel überhaupt durchgeführt werden kann. Oder ob in letzter Minute ein Anwaltskniff alles über den Haufen wirft.
Selbst wenn die DV stattfindet: Sie wird hitzig. Vermutlich werden zu Beginn gleich etliche Anträge gestellt. Über allem schwebt die grosse Frage: Kommt es doch zur Kampfwahl um die Swiss-Cycling-Präsidentschaft? Nach dem umstrittenen Ausschluss von Vorstandsmitglied Marisa Reich (42) ist momentan nur noch Luana Bergamin (40) im Rennen ums Präsi-Amt.
Reich wurde von Swiss Cycling ausgeschlossen, weil sie trotz jahrelanger Vorstandstätigkeit an einem gewissen Stichtag keine Radclubmitgliedschaft vorweisen konnte. Der Rekurs dagegen läuft.
Geschäftsstelle wirbt um Stimmen für die ehemalige Kollegin
So verbleibt momentan nur Bergamin. Die Bündner Politikerin ist in der Sportszene bestens vernetzt, unter anderem als OK-Chefin der Ski-Weltcuprennen in Lenzerheide GR. Sie arbeitete bereits bis 2021 bei Swiss Cycling in der Geschäftsleitung.
Von dort erhält Bergamin nun offenbar viel Unterstützung. In der Velo-Schweiz wurden entsprechende Whatsapp-Nachrichten und E-Mails versendet. Absender sind Swiss-Cycling-Angestellte, die Empfänger Leute aus der Velo-Szene wie auch aktive Rad-Profis, von denen man Einfluss an der DV erhofft. Blick liegen einige dieser Nachrichten vor. Sie enthalten eine höchst brisante Wortwahl.
«In den nächsten Monaten muss bei Swiss Cycling ein neuer Vorstand inkl. Präsident gewählt werden, da haben sich irgendwie zwei Parteien gebildet. Könnte sicher interessant sein, aber bringt vielleicht auch viel Risiko mit sich. Es braucht wohl auch etwas Unterstützung von Athleten-Seite, damit die richtige Partei dann am Ende gewinnt», ist beispielsweise zu lesen.
An anderer Stelle: «Das Präsidium ist ein für unseren Verband wichtiges Amt und da der Ausgang einer solchen Wahl schwer vorhersehbar wäre, möchten wir verhindern, dass es mehr als eine/n Kandidat/in gibt.»
Swiss Cycling kommentiert die heiklen Nachrichten nicht
Hoppla. «Die richtige Partei», «ein Risiko», «möchten wir verhindern» – gehts hier wirklich um die Besetzung eines Ehrenamtes? Die Frage mal beiseitegelassen, ob Verbandsangestellte wirklich auf Stimmenfang für den Vorstand gehen dürfen – die Statuten und auch das Arbeitsrecht lassen sich unterschiedlich interpretieren. Gleiches gilt fürs Ethik-Statut von Swiss Olympic, dem sich auch Swiss Cycling verpflichtet hat, wo unter dem Punkt «Missbrauch einer Funktion in einer Sportorganisation» auch die Frage der Befangenheit thematisiert wird.
Blick konfrontierte Swiss Cycling zum Thema Wahlwerbung aus der Geschäftsstelle. Der Verband verzichtet auf eine Stellungnahme.
So oder so. Ein übler Beigeschmack bleibt angesichts solcher Sätze ohnehin. Und der klare Eindruck: Hier wird mit harten Bandagen um den Erhalt des Ist-Zustandes gekämpft. Der da ist: Swiss-Cycling-Geschäftsführer Thomas Peter ist der mächtigste Mann im Verband, die sportliche Leitung und die weiteren Geschäftsstellen-Angestellten scheinen geschlossen und entschlossen in seinem Sinne zu agieren. Doch nun bedrohen die Vorstandswahlen mit vier von sieben vakanten Sitzen inklusive Präsidium diesen Ist-Zustand – anders ist die brisante Tonalität in den Mails und Whatsapp-Messages nicht zu interpretieren.
Die Richter haben Verbindungen zu CEO Thomas Peter
Nennen wir es das Peter-Lager. Diese Seite befürwortet Bergamin als neue Präsidentin, die den aktuellen Kurs des Verbands gemäss ihrer Wahlwerbung weiterführen wird. Anders wäre dies mit einer Präsidentin namens Marisa Reich – sie wirbt auf ihrer Website für sich, dass sie den Verband modernisieren und umkrempeln würde.
Ob ihr deshalb die Posse um die fehlende Radclubmitgliedschaft zum Verhängnis wurde? Swiss Cycling bestritt dies vorletzte Woche vehement. Doch die Stimmung in der Rad-Schweiz ist momentan derart vergiftet, dass in der Szene teilweise selbst die Mitgliedschaft des Swiss-Cycling-Einzelrichters im Panathlon Club Berner Oberland kritisch beäugt wird – denn im selben Panathlon Club ist auch ein gewisser Thomas Peter Mitglied.
Ebenso spannend ist die Besetzung des Rekursgerichts, das nun den Fall von Maria Reichs Vorstandsausschluss zu behandeln hat. Eines der Mitglieder ist Alexander Schütz – der auch beim Frauen-Radteam Nexetis involviert ist. Nexetis? Ein persönliches Herzensprojekt von Peter. Dieser ist nicht nur CEO von Swiss Cycling, sondern auch VR-Präsident der Fastandfemale Team AG, die eigens für Nexetis gegründet wurde.
Blick konfrontierte Swiss Cycling auch mit der Frage nach einer möglichen Befangenheit in den beiden angesprochenen Fällen. Der Verband verzichtet auch hier auf ein Statement. Ebenfalls nimmt Thomas Peter selbst vor der DV keine Stellung zu den aktuellen Vorgängen. Wie auch Marisa Reich.