Darum gehts
- Nicole Koller holt WM-Bronze im Cross-Country trotz Team-Insolvenz am 5. August
- Ihr Team Lapierre PXR Racing zahlte keinen Lohn, Projekt bis 2028 gescheitert
- 29-Jährige sucht neues Team, fährt noch Rennen in Huttwil und Brügg
Nicole Koller (29) hängt die WM-Bronzemedaille um den Hals und weiss trotzdem noch nicht, wie es mit ihrer Karriere weitergeht. Hinter der Schweizerin liegen turbulente Wochen: Ihr Weltcup-Team Lapierre PXR Racing ist insolvent, Lohnzahlungen sind schon seit längerem ausgeblieben. Ein Projekt, das eigentlich bis zu den Olympischen Spielen 2028 angelegt war, ist plötzlich vorbei. Und während andere nach der WM bereits Richtung USA zu den verbleibenden Rennen fliegen, hat Koller ihren Plan geändert.
Bronze trotz Chaos
Eigentlich hätte die Zürcherin in Val di Sole (It) nur über Mountainbike reden wollen. Stattdessen musste sie sich mit Insolvenz, Geldfragen und ihrer beruflichen Zukunft beschäftigen. «Diese Woche ist voller Fokus auf die WM. Darum probiert man auch alles andere, was nebenbei noch läuft, auszublenden und zurückzufahren», sagte sie vor dem Rennen.
Ganz ausblenden lässt sich die Situation allerdings nicht. Am 5. August wurde der Insolvenzantrag von Lapierre gestellt. «Das Verfahren läuft zurzeit noch. Ich weiss es selbet nicht. Ich hoffe, es gibt bald Klarheit», sagt Koller. Auch auf die Frage nach ausstehenden Lohnzahlungen fehlen ihr derzeit die Antworten.
Trotz allem fährt die 29-Jährige nun aufs Podest. Im Cross-Country holt Koller hinter Weltmeisterin Sina Frei (29) und der Italienerin Martina Berta Bronze. Es ist ihre erste WM-Medaille im Cross-Country.
Utah gestrichen
Nach der WM geht es für Koller nicht direkt in die USA. Den Weltcup in Utah lässt sie aus. «Utah wäre eine logistische und finanzielle Herausforderung geworden», erklärt sie. Zudem hätte wegen der Höhenlage eine zusätzliche Vorbereitung in der Höhe angestanden. Stattdessen fährt Koller noch die beiden Swiss-Bike-Cup-Rennen in Huttwil BE und Gränichen AG. Zum Weltcup-Saisonfinale geht es dann nach Lake Placid (USA).
Parallel dazu läuft die Suche nach einem neuen Team. Koller hat sich bereits selbst umgehört und ist auf dem Transfermarkt heiss umgarnt. Als WM-Bronze-Gewinnerin nun umso mehr. «Ich konnte mittlerweile auch mit mehreren Teams sprechen. Die einen Gespräche waren sehr positiv», erzählt sie. Im Weltcup kämpfen allerdings auch noch andere Teams mit gekürzten Budgets.
Eine neue Unterschrift gibt es noch nicht. «Momentan sind mir aufgrund dieser fehlenden Informationen die Hände gebunden», sagt Koller. Sie könne nichts endgültig regeln, solange sie nicht offiziell aus ihrem Vertrag bei Lapierre heraus sei.
Doch mit Bronze im Gepäck hat Koller nun ein weiteres starkes Argument für ihre Zukunft. Und vielleicht wird die Suche nach einem neuen Arbeitgeber dadurch ein kleines bisschen einfacher.