Darum gehts
- Die Schweiz peilt bei der Rad-WM in Montreal mehrere Medaillen an
- Marlen Reusser ist Topfavoritin im Zeitfahren, Stefan Küng in starker Form
- Strassenrennen der Männer: Hirschi, Christen oder Schmid?
Bei der letzten WM in Kanada ging die Schweiz leer aus – diesmal auch?
2003 in Hamilton gewann die Schweiz tatsächlich keine Medaille. Das dürfte sich diesmal in Montreal ändern. Swiss Cycling nennt zwar kein offizielles Ziel. Vier Medaillen wie 2025 sind aber realistisch, darunter ein oder zwei goldene.
Wo liegen die Schweizer Trümpfe?
Vor allem im Zeitfahren. Gleich beim ersten WM-Rennen am Sonntag winkt Gold. Marlen Reusser (35) ist Titelverteidigerin und Topfavoritin. Die Pause nach der Tour de France hat ihr gutgetan: Am Mittwoch deklassierte sie die Konkurrenz beim Chrono Féminin de Gatineau. Sechs ihrer letzten sieben Zeitfahren hat sie gewonnen. Auch Stefan Küng (32) ist in Form. Er gewann bei der Vuelta. Topfavorit auf Gold ist allerdings Remco Evenepoel (26, Bel). Im Mixed-Teamzeitfahren am Dienstag bringt die Schweiz alles für den Sieg mit. Doch ein Fehler wie im Vorjahr darf sich nicht wiederholen. Damals erlitt Reusser einen Defekt. Statt auf sie zu warten, fuhr das Team weiter. Ein taktischer Schnitzer von Swiss Cycling.
Warum gleicht das Out von Tadej Pogacar (27, Sln) einem Erdbeben?
Weil plötzlich viele Fahrer im Strassenrennen vom Regenbogentrikot träumen dürfen. Auf den 273,7 Kilometern mit 3803 Höhenmetern wäre der Slowene kaum zu schlagen gewesen. Nach seinem Sturz an der Vuelta verpasst Pogacar nun den Titel-Hattrick.
Wer wird Pogacar beerben?
Belgien hat mit Evenepoel und Wout van Aert (32) zwei Asse im Ärmel. Die Niederlande hoffen auf Mathieu van der Poel (31), Frankreich auf das Wunderkind Paul Seixas (19). Mexiko könnte mit Isaac del Toro (22) erstmals eine WM-Medaille gewinnen.
Warum gibts bei den Schweizern Zoff-Potenzial?
Mauro Schmid (26) gewann bei der Tour de France eine Etappe. Jan Christen (22) erlebt mit fünf Siegen ein starkes Jahr. Auch Marc Hirschi (28) kommt in Fahrt. Alle drei haben ähnliche Qualitäten: Sie mögen lange Rennen mit kurzen, knackigen Steigungen. Genau das erwartet sie in Montreal. Nati-Trainer Michael Schär muss die Interessen moderieren. Er wird Ehrlichkeit und Solidarität einfordern. Eine zusätzliche Schwierigkeit: Bei der WM gibt es keine Funkverbindung. Das macht die Rennsteuerung komplizierter. Umso wichtiger wäre ein Routinier wie Silvan Dillier (36) gewesen. Doch er fehlt im Aufgebot. «Ich wäre gern gefahren, fühle mich frisch», sagt er. Dafür ist Christens Bruder Fabio (23) dabei. Für wen macht er den Rücken krumm?
Warum hofft SRF auf gute TV-Zahlen?
Wegen der Schweizer Trümpfe, klar. Aber auch wegen der Zeitverschiebung von sechs Stunden. Die Entscheidungen fallen dadurch am frühen Abend oder sogar zur Prime Time. Die Zeitfahren der Profis enden um 17.20 Uhr (Frauen) und 21.15 Uhr (Männer). Das Strassenrennen der Frauen dürfte um 20.10 Uhr enden, jenes der Männer um 21.40 Uhr.
Warum sind die Para-Cycling-Athleten nicht am Start?
2024 in Zürich waren die Para-Cycler noch Teil der WM. Das grosse Stichwort lautete Inklusion. 2025 in Kigali (Ruanda) fuhren nur die Regelsportler – ebenso darauf wie jetzt in Montreal. Organisation, Finanzen und Logistik sprechen dagegen. Immerhin: 2027 sollen die Para-Sportler in Haute-Savoie (Fr) wieder zum Zug kommen.