Darum gehts
- Stefan Küng (32) startet morgen in Monaco bei der Vuelta
- Nach Oberschenkelbruch kämpfte er sich zurück und gewann in Polen
- 9,4-km-Zeitfahren mit Favoriten wie Pogacar und van Aert wartet
Alles scheint wie sonst. Stefan Küng (32) sitzt in einem Hotelzimmer. Vor ihm der Laptop. Er spricht per Videokonferenz mit Journalisten. Einen Tag vor seiner 14. Grand Tour sagt er: «Ich will vorne mitmischen. Ganz vorne.» Er meint das Auftaktzeitfahren der Vuelta in Monaco. Doch bei Küng ist fast nichts wie sonst.
Vor sechs Monaten stürzte der Thurgauer bei einem Rennen in Belgien. Nicht schwer – aber genau auf die Hüfte. «Blöd», sagt er. Der rechte Oberschenkel brach.
«Andere stehen bei solchen Unfällen auf, haben einen Schlüsselbeinbruch und sind nach einigen Wochen zurück. Bei mir ist aber immer etwas mega Spezielles. Damit habe ich gehadert.»
Tatsächlich gibt es Fahrer, die nach einer solchen Verletzung ihr früheres Niveau nie mehr erreichen. Einige erzählten Küng, es könne locker auch zwei Jahre dauern. Das erschütterte ihn. «Ich bin 32, habe nicht mehr zehn Jahre vor mir.»
Küng konnte kaum noch laufen
Eine Operation war nicht nötig – sie hätte nichts gebracht. Der Knochen musste von selbst wieder zusammenwachsen. Zuerst war Küng ans Bett gefesselt, dann ans Sofa. Danach musste er wieder lernen zu gehen. «Ich konnte nicht mal 200 Meter mit den Stöcken laufen. Da war ich emotional am Boden. Ich hatte das Gefühl, das Feuer sei erloschen. Ich sah mich nicht mehr im Rennzirkus.»
Doch Küng war nicht allein. Seine Ehefrau Céline, sein Team Tudor Pro Cycling und sein Physio sprachen ihm Mut zu. Sie standen hinter ihm und stützten ihn. «Aber es hätte auch sein können, dass mein Körper Stopp sagt. Zum Beispiel in Form von Entzündungen.»
Das passierte nicht. Küng machte Fortschritte, Rückschläge blieben aus. Ende Juni gab er sein Comeback. Vor zwei Wochen gewann er das Zeitfahren der Polen-Rundfahrt. Und bekam feuchte Augen. «Ich gewann 2025 kein Rennen, 2026 auch nicht. Und jetzt das, nach diesem Sturz. Eine riesige Erleichterung.» Er rief sofort seine Frau an, danach seinen Physio. «Sie haben einen riesigen Anteil an meinem Erfolg.»
Pogacar – oder doch ein anderer?
Küng spricht offen über die Vergangenheit. Noch lieber blickt er nach vorne. Er ist wieder dort, wo er hinwill: vorne. Auch in Monaco?
Die 9,4 Kilometer in Monaco sind eigentlich kurz für «Diesel» Küng. Er braucht oft etwas länger, um auf Touren zu kommen. Dazu kommen zahlreiche Stop-and-go-Kurven. «Das öffnet das Feld der Favoriten im Vergleich zu einem normalen Zeitfahren.» Küng denkt an Rad-Superman Tadej Pogacar (27, Slo), an Wout van Aert (31, Be), Joshua Tarling (22, Gb) und Mads Pedersen (30, Dä) – und natürlich an sich selbst. «Nach dem, was passiert ist, könnte es besser kaum sein.»
Was würde er tun, wenn er gewinnen sollte? «Mich freuen. Und sofort nach vorne schauen», sagt Küng. Es ist das, was Küng am liebsten macht. Jetzt umso mehr.