Darum gehts
- Tadej Pogacar dominiert die Tour de Suisse, gewinnt Auftakt in Sondrio
- Schweizer Fahrer verlieren deutlich, warten seit 24 Etappen auf Sieg
- Marlen Reusser mit Zeitfahr-Chancen, Rückstand auf Femke de Vries: 38 Sekunden
Dienstagabend, kurz vor 19 Uhr, auf der Piazza Garibaldi in Sondrio (It). Ein Tag vor dem Start der Tour de Suisse tritt Tadej Pogacar (27, Slo) vor die Medien. Der Weltmeister im Regenbogentrikot wird von Bodyguards begleitet, sein Manager steht daneben. Der Slowene äussert leise Kritik am neuen Konzept der Rundfahrt. «Die Frauen starten super früh, wir super spät», sagt er. Da gebe es «Raum für Verbesserungen».
Für Pogacar hat das direkte Folgen. Gemeinsame Zeit mit seiner Verlobten Urska Zigart (29, Slo), die ebenfalls an der Tour de Suisse fährt, bleibt nur in homöopathischer Dosierung. Zigart startet um 9.20 Uhr, Pogacar erst um 14.15 Uhr.
Sportlich dürfte ihn das kaum beschäftigen. Viel wichtiger: Pogacar ist in Form. «Ich fühle mich stark und bin motiviert», sagt er. Für seine Gegner dürfte das wie eine Drohung wirken.
Nur einen Tag später bestätigt sich deren Befürchtung. 72 Kilometer vor dem Ziel tritt Pogacar bei einem Zwischensprint an, um Bonussekunden zu holen. Kurz darauf blickt er zurück – und sieht niemanden mehr. «Ich bin einfach losgefahren. Was danach passierte, war nicht geplant», sagt er später.
Pogacar dominiert im Trainingsmodus
Der Weltmeister drückt aufs Tempo, vergrössert den Vorsprung, fährt dann im Trainingsmodus seinem nächsten Sieg entgegen. Als er eineinhalb Stunden später das Ziel erreicht, scheint die Rundfahrt bereits entschieden. Bleibt Pogacar gesund, dürfte ihm der Gesamtsieg vier Etappen und 489 Kilometer vor Schluss kaum mehr zu nehmen sein.
Die Schweizer spielen beim Auftakt im Veltlin keine Rolle. Marc Hirschi (26) verliert mehr als fünf Minuten. «Es war extrem schwer», sagt er. «Und schlicht unmöglich, mit Tadej mitzuhalten.» Mauro Schmid (27), mit vielen Ambitionen gestartet, verliert mehr als 13 Minuten – er geht nun auf Etappenjagd.
Fakt ist: Die Schweizer Durststrecke bei der Heimrundfahrt hält an. Seit dem Etappensieg von Stefan Küng im Jahr 2023 wartet das Heimteam nun seit 24 Etappen auf einen Erfolg.
Tour de Suisse letztmals im Ausland?
Bei den Frauen stehen die Chancen auf einen Schweizer Triumph deutlich besser. Marlen Reusser (34) verliert zwar 38 Sekunden auf die Niederländerin Femke de Vries (32). Sorgen macht sie sich deshalb nicht. «In den Abfahrten bin ich noch auf wackeligen Beinen, und in den Steigungen fehlt mir noch etwas der Punch», sagt sie. Mit dem 23,7 Kilometer langen Zeitfahren in Aarburg besitzt die Zeitfahr-Weltmeisterin jedoch ein starkes Ass im Ärmel.
Übrigens: Die Tour de Suisse könnte vorerst letztmals im Ausland gestartet sein. «Bei nur noch fünf Etappen wollen wir künftig in der Schweiz bleiben», sagt Tour-Direktor Olivier Senn. Warum die Rundfahrt trotzdem in Sondrio begann? «Der Vertrag war bereits vor dem neuen Konzept unterschrieben worden. Diesen wollten wir nicht brechen – das gehört sich nicht.»