Hand aufs Herz. Auf das Herz, das bei der Zieldurchfahrt von Lucas Pinheiro Braathen für einen Moment still gestanden ist. Wie immer, wenn etwas geschieht, was man nicht erhoffte, aber natürlich wusste, dass es möglich ist.
Bei mir war es jedenfalls so und ich bin sicher, bei tausenden Marco-Odermatt-Fans im Stadion und vor den Bildschirmen ebenso.
Und nicht zuletzt bei Marco Odermatt selbst. Die Hoffnung, dass es zu Gold reichen würde, kann durch nichts ersetzt werden. Weder durch Erklärung noch durch Trost. Dieser Moment ist geprägt von einem lähmenden Gefühl und einer gähnenden Leere. Es ist wie ein Hammerschlag!
Siegen ist auch für Odermatt nicht selbstverständlich
Die Dauer dieses Moments hat nur der Athlet im Griff. Es ist der Bruchteil einer Minute oder vielleicht auch nur einer Sekunde, der die grosse Klasse eines Marco Odermatt genau dann ausmacht.
Durchatmen. Kurz analysieren und die ersten Emotionen durch das Erkennen der eigenen sportlichen Leistung und jener der Gegner austauschen.
Siegen ist nicht selbstverständlich. Bei Olympischen Spielen schliesslich mit einem 4., einem 3. und zwei 2. Plätzen Bilanz ziehen zu dürfen, ebenso wenig. Vor allem, wenn der Hammerschlag im ersten Rennen besonders heftig ausfiel – doch danach holte Odermatt drei Medaillen.
Und vergessen wir nicht, wir sprechen hier von Ski Alpin. Eine Sportart, die von vielen Fremdfaktoren wie Wetter, Wind, Material und Startnummern beeinflusst werden kann.
Marco hat uns mit seiner grossartigen Leistung und seinen Einschätzungen unsere Herzen wieder schlagen lassen. Aber, ich bin ehrlich. Meines schmerzt wohl noch eine Zeit lang. Allzu gerne hätte ich ihm einen weiteren Olympiasieg gegönnt.