«Spirit of Curling» ist eine Geisteshaltung, die über das Regelwerk hinausgeht, beschreibt «Swiss Curling» den Verhaltenskodex, der dem Sport zugrunde liegt. Respekt und Anstand, Sportsgeist und Fairness werden grossgeschrieben. Scheinbar sind diese Werte nicht bei Marc Kennedy angekommen. Beim Round-Robin-Spiel gegen Schweden wird der Kanadier ausfällig und beschimpft seinen Gegenspieler Oskar Eriksson mit «verpiss dich!». Was hat Kennedy so auf die Palme gebracht?
Es war die lautstarke Kritik des Schweden, er wirft ihm mehrfach Beschiss vor. Kennedy wird bezichtigt, dass er seinen Stein zweimal berührte. Das ist so lange erlaubt, bevor der Stein die Hog-Line überschritten hat. Wenn jedoch eine Berührung auf der Hog Line erfolgt, liegt ein Verstoss vor.
Schiedsrichter sehen keine Regelverstösse
Auf die Vorwürfe reagiert Kennedy empfindlich und beteuert seine Unschuld. «Ich habe das nicht getan», ruft er in für Curling untypisch lauter Stimme über den Rink. Doch der Schwede lässt sich davon nicht beirren und legt nach. «Ich zeige dir nach dem Spiel ein Video», sagt Eriksson. «Ich zeige dir ein Video, auf dem zu sehen ist, dass der Stein zwei Meter über der Hog Line liegt.»
Nach dem zweiten End werden die Schiedsrichter beigezogen. Auch vor den Unparteiischen bringt Eriksson seine Zweifel an. «Sie haben es gesehen. Sie haben die Berührung gesehen, oder?», fragt Eriksson den Schiedsrichter. »Ist das nun erlaubt oder nicht? Das ist die Frage.» Auch Erikssons Teamkollege Niklas Edin ist sich sicher: «Das kann man doch nicht machen».
Weltverband reagiert mit Rundmail an teilnehmende Teams
Die Umpire fällen keinen Entscheid, die Partie geht trotz der angespannten Situation weiter. Beide Seiten beobachten den Gegner intensiv, ehe Eriksson im sechsten End wieder den Mahnfinger hebt. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Kennedy seinen Stein vor der Hog Line loslässt. Doch er streckt seinen Zeigefinger aus und berührt damit den Stein noch, als das Spielgerät die kritische Linie berührt. Für die Schiedsrichter sind die TV-Bilder aber nicht eindeutig genug und verzichten auch beim zweiten Vorfall auf eine Bestrafung Kennedys.
Auch die «World Curling Federation» stellt sich hinter diese Entscheidung und sagt in einem Statement, dass bei Sichtung der Aufnahmen keine Regelverstösse gesichtet wurden. Später schickt der Weltverband eine Rundmail an alle bei Olympia teilnehmenden Mannschaften, in der er die Regeln zum «ordnungsgemässen Loslassen eines Curling-Steins» nochmals klarstellt. Die WCF kündigt zudem an, dass die Schiedsrichter den Abwurf bei allen Spielen per sofort noch genauer beobachten würden. Jeder Verstoss gegen die Regeln werde «geahndet und der Stein muss ohne weitere Verwarnung aus dem Spiel genommen werden».
- Eine doppelte Berührung des Stein-Griffs vor der «Hog Line» am Abwurfende sei erlaubt.
- Eine erneute Berührung des Stein-Griffs nach der «Hog Line» am Abwurfende sei nicht erlaubt. Diese werde von den neuen elektronischen Griffen erkannt.
- Ein Stein müsse unter Verwendung des Griffs abgegeben werden. Das Granit-Material «zu irgendeinem Zeitpunkt während der Vorwärtsbewegung» zu berühren, sei nicht erlaubt. Dies gelte gleichbedeutend als «Berührung eines sich bewegenden Steins, was dazu führt, dass der Stein aus dem Spiel genommen wird».
- Eine doppelte Berührung des Stein-Griffs vor der «Hog Line» am Abwurfende sei erlaubt.
- Eine erneute Berührung des Stein-Griffs nach der «Hog Line» am Abwurfende sei nicht erlaubt. Diese werde von den neuen elektronischen Griffen erkannt.
- Ein Stein müsse unter Verwendung des Griffs abgegeben werden. Das Granit-Material «zu irgendeinem Zeitpunkt während der Vorwärtsbewegung» zu berühren, sei nicht erlaubt. Dies gelte gleichbedeutend als «Berührung eines sich bewegenden Steins, was dazu führt, dass der Stein aus dem Spiel genommen wird».
Auch Schweizer beschweren sich bei den Schiedsrichtern
Beim Nachmittagsspiel zwischen den Kanadiern und den Schweizern kommt es offenbar nochmals zu einem Vorfall. Im fünften End beschwert sich das Schweizer Team bei den Schiedsrichtern über eine Doppelberührung, die jedoch nicht nochmals überprüft wird. Die Schweizer gehen am Ende als Sieger vom Platz und gewinnen das Duell gegen Kanada mit 9:5. Damit ist das Team um Skip Yannick Schwaller weiterhin ungeschlagen und steht mit vier Siegen aus vier Spielen an der Spitze.
