Darum gehts
- Paul Goodison führt Alinghi in neuer America's-Cup-Kampagne
- Alinghi liegt ein Jahr hinter Konkurrenz zurück und legt Fokus auf Teamwork
- Bei der Vorregatta vor Sardinien gibts Platz 6 von 8 Teams
Der neu verpflichtete Star-Skipper Paul Goodison (48, Gb) ist das Aushängeschild der neuen America's-Cup-Kampagne von Alinghi. Der Olympiasieger spricht über die besondere Dynamik im kleinen Team, die Herausforderung des Neustarts – und darüber, weshalb Alinghi aktuell noch hinter der Konkurrenz zurückliegt.
Blick: Die Vorregatta beendet Alinghi auf Rang 6 von 8 Booten. Kann es nur besser werden?
Paul Goodison: Wir sind uns sehr wohl bewusst, wie viel Arbeit noch vor uns liegt, aber es war gut, die Regatta mit einem Schritt in die richtige Richtung zu beenden.
Nach zwei Kampagnen bei den Amerikanern segeln Sie nun für Alinghi. Ist das gewöhnungsbedürftig?
Es ist sehr speziell. Wenn ich an Alinghi denke, erinnere ich mich sofort an die grossen Siege im America’s Cup. Ich habe tolle Erinnerungen daran, dieses Schweizer Team damals beobachtet zu haben. Und jetzt ein wenig Zeit mit Ernesto (Alinghi-Boss Bertarelli, d.Red.) zu verbringen, seine Vision kennenzulernen und zu verstehen, wie er denkt – das macht es besonders, Teil dieses Projekts zu sein.
Wie ist die Stimmung im Team?
Sie ist grossartig. Wie bei jeder dieser Kampagnen geht es am Anfang zuerst darum, sich kennenzulernen. Ich habe vorher mit keinem der anderen Segler langfristig zusammengearbeitet. Deshalb war es wichtig, in Barcelona (Alinghi-Hauptquartier, d.Red.) viel Zeit miteinander zu verbringen – gemeinsam zu essen, zusammenzuleben und voneinander zu lernen. Was mir besonders gefällt: Wir sind auf dem Wasser sehr offen und ehrlich miteinander. Jeder hilft jedem.
Ihr wart bisher aber erst wenige Tage gemeinsam auf dem Wasser. Kann das überhaupt schon funktionieren?
Das ist definitiv eine grosse Herausforderung. Jeder Einzelne ist auf seinem Gebiet sehr stark, sonst wäre er nicht hier. Aber entscheidend ist am Ende, wie gut man als Team funktioniert. Da haben wir noch viel Arbeit vor uns.
Wo sehen Sie aktuell die grössten Unterschiede zur Konkurrenz?
Die meisten anderen Teams sind derzeit deutlich eingespielter. Einige Segler arbeiten dort schon seit Jahren zusammen. Diese Kontinuität fehlt uns aktuell noch. Zudem liegt unser Entwicklungsprojekt wahrscheinlich rund ein Jahr hinter den grossen Teams zurück. Im America’s Cup geht es letztlich darum, das schnellste Boot zu bauen. Deshalb haben wir noch viel zu lernen. Ich glaube nicht, dass wir diesen Rückstand in den nächsten zwölf Monaten komplett aufholen können, aber hoffentlich in den Jahren darauf – und dann werden wir eine viel grössere Herausforderung für die anderen sein.
Erstmals schreibt das Reglement auch eine Frau an Bord vor. Wie erleben Sie diese neue Konstellation auf dem Wasser?
Ich denke grundsätzlich, dass Vielfalt einem Team hilft. Entscheidend bleibt aber immer, wie gut man zusammenarbeitet. Genau das versuchen wir aktuell aufzubauen.
Was halten Sie generell vom neuen America’s-Cup-Format?
Ich finde es spannend. Sieben Teams sind eine grosse Sache für den Cup. Je mehr Teams und Boote dabei sind, desto besser wird der Wettbewerb. Zudem gefällt mir, dass künftig regelmässiger gesegelt wird und alle zwei Jahre ein Event stattfindet. Das ist gut für den Sport.
Gleichzeitig wurden die Budgets reduziert und begrenzt. Ist das noch der America’s Cup?
Ein kleineres Budget schränkt gewisse Entwicklungswege natürlich schon ein. Dadurch wird es aber umso wichtiger, die richtigen Bereiche zu identifizieren und dort die Energie zu bündeln.
Sie bestreiten nun Ihre vierte America’s-Cup-Kampagne. Was haben Sie während der letzten Kampagnen über diesen Wettbewerb gelernt?
Mit jeder Kampagne lernt man viel dazu. Ich habe mit vielen grossartigen Leuten gearbeitet und versucht, ihre besten Eigenschaften mitzunehmen. Gleichzeitig sieht man auch Dinge, die man selber vermeiden möchte. Ich hoffe, dass ich aus den letzten drei Kampagnen die richtigen Erfahrungen mitbringe und sie hier bei Alinghi richtig einbringen kann.