Schiri-Legende Urs Meier übt WM-Kritik
«Was da passiert, ist nicht im Sinn des Fussballs»

Urs Meier zieht im Gespräch mit Blick ein kerniges WM-Zwischenfazit. Die Schiri-Legende äussert mehrere Kritikpunkte, versteht die Warterei um Sandro Schärer nicht – und hat einen speziellen Geheimtipp.
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Zeigt bei mehreren WM-Diskussionspunkten die Rote Karte: Urs Meier.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Urs Meier warnt die Schiris vor der K.o.-Phase
  • Trinkpausen und Iran-Umgang: «Geht gar nicht»
  • Diese kritische Bilanz zieht die Schiri-Legende
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Simon StrimerReporter & Redaktor Sport

«Die ganz grossen Aufreger waren noch nicht da», sagt Urs Meier (67) mit dem Blick des ehemaligen Spitzenschiedsrichters auf diese WM. Gefallen hat ihm trotzdem längst nicht alles. «Und jetzt in der K.o.-Phase wird der Druck noch ganz anders werden», weiss er. Das sind die heissesten Diskussionspunkte für Meier nach der Gruppenphase.

Sandro Schärer: «Habe kein Verständnis»

«Einer der negativen Punkte dieser WM ist, dass Sandro Schärer noch nicht zum Zug gekommen ist», sagt Urs Meier. «Ein Uefa-Schiedsrichter, der einen Champions-League-Halbfinal hervorragend gepfiffen hat, aber kein Spiel an dieser Weltmeisterschaft pfeift, während andere schon zwei oder drei haben – das verstehe ich nicht.»

Hat er noch eine WM-Chance? Sandro Schärer wartet.
Foto: TOTO MARTI

Möglich, dass das Schweizer Schiri-Aushängeschild Sandro Schärer (38) trotz Warterei in der K.o.-Phase noch zum Einsatz kommt. Doch: «An dieser WM haben Schiedsrichter gepfiffen, die nicht annähernd auf dem Niveau von Schärer sind. Sollte er tatsächlich nicht mehr zum Zug kommen, hätte ich dafür absolut kein Verständnis», sagt Meier.

Trinkpausen: «Nicht im Sinn des Fussballs»

«Jeder weiss, dass es eine getarnte Werbepause ist», sagt Urs Meier. Die fixen dreiminütigen Unterbrüche in beiden Halbzeiten führen für ihn auch zu Bedenken aus Schiedsrichter-Optik: «Nach einer Trinkpause gibt es ein anderes Spiel. Ein Trainer kann die Spieler neu einstellen, zum Beispiel anweisen, aggressiver zu spielen. Der Schiedsrichter muss danach seine Linie neu justieren.»

Noch mehr stört es ihn aus Sicht des Fussballs: «Es hilft den Mannschaften, die schlechter trainiert sind. Den topfitten Mannschaften wird eine Stärke genommen.» Sein klares Fazit: «Die Trinkpausen sind etwas, das wieder abgeschafft werden muss. Es ist nicht im Sinn des Fussballs, was da passiert.» Natürlich sollen Schiedsrichter in Ausnahmesituationen Trinkpausen anordnen, aber nach eigenem Ermessen.

Schiri-Gefälle: «Ich vergleiche es mit Formel 1»

52 Hauptschiedsrichter aus allen Konföderationen hat die Fifa für die WM ausgewählt. Schiris aus Europa und Südamerika haben für Meier einen Vorsprung. «Schiedsrichter von anderen Kontinenten sind per se nicht schlechter. Doch ich vergleiche es oft mit der Formel 1: Sie sind vielleicht nicht die schlechteren Fahrer, aber haben schlicht nicht die Möglichkeit, vor der WM auf ähnlichen Bühnen Erfahrung zu sammeln. Auf der anderen Seite hast du Schiedsrichter, die sich gewohnt sind, in der Formel 1 unterwegs zu sein.» Also auf Bühnen wie der Champions League.

Meier hat einen Vorschlag: «WM-Kandidaten müsste man die Chance geben, bereits vor dem Turnier gewissermassen in der Formel 1 fahren zu können. In Europa oder Südamerika. Wenn sie dort zeigen, dass sie fähig sind, soll man sie an der WM einsetzen. Sonst nicht.»

Chef-Aktion: «Feiere ich ab»

Grosse Freude hat Meier dafür an einer Aktion des Schiris Ivan Barton (35) aus El Salvador, der beim hitzigen Spiel zwischen Paraguay und der Türkei den Chef markiert hat. Als Paraguay-Goalie Orlando Gill mit der Führung im Rücken auf den Boden sass und seinen Fuss hielt, zwang Barton ihn, aufzustehen und weiterzuspielen. Meier: «Solche Sachen feiere ich ab. Das ist für mich Spielleitung. Wenn man ein Fussballverständnis hat und auf dem Platz ist, spürt man: Da stimmt was nicht. Mach kein Theater.»

Geigte Paraguay-Goalie Orlando Gill seine Meinung: Schiri Ivan Barton (r.).
Foto: AP Photo/Eugene Hoshiko

Die Linie: «Jetzt wird anderer Wind wehen»

Meiers genereller Eindruck nach den 72 Spielen der Gruppenphase: «Es ist eine sehr grosszügige Linie gefahren worden. Man lässt vieles laufen. Ehrlicherweise ist diese Linie von den Spielern bisher angenommen worden. Deshalb finde ich es gut.»

Das grosse Aber von Meier: «Weil in der Vorrunde 32 von 48 Mannschaften weitergekommen sind, ging es noch relativ friedlich zu und her. Jetzt ab den Sechzehntelfinals weht ein anderer Wind, der Druck wird ganz anders werden. Jetzt muss man aufpassen, dass die grosszügige Linie nicht missbraucht wird. Die Schiedsrichter müssen nun neu darauf eingestellt werden.»

Spielerwechsel: «Sehr positive Entwicklung»

Urs Meier sieht auch positive Entwicklungen. «Natürlich!» Zum Beispiel die Zehn-Sekunden-Regel, bis ein Spieler bei einer Auswechslung das Feld verlassen haben muss. Bei Überschreitung muss der frische Spieler eine Minute warten. «Die Schiedsrichter hatten auch früher die Möglichkeit, einen trödelnden Spieler zu verwarnen, man hat es aber meistens nicht gemacht. Durch die neue Regel ist dieses Ärgernis eingedämmt.»

Auch gegenüber der Neuerung, dass die Schiris einen Entscheid nach Videokonsultation live vor den Zehntausenden Fans im Stadion per Mikrofon zu erklären haben, ist Meier eher positiv gestimmt. «Klar, für viele Schiedsrichter ist es ein zusätzlicher Stressfaktor. Nicht jeder ist dafür geboren. Aber man kann dadurch auch etwas gewinnen. Ich hätte früher als Schiedsrichter nichts dagegen gehabt.»

Umgang mit dem Iran: «Geht gar nicht»

Am Samstag hatte Urs Meier (67) sogar einen Live-Auftritt im iranischen TV. Da wusste das Land noch nicht, dass die Reise nach der Vorrunde vorbei sein wird. «Gerade nach den Reiseschwierigkeiten an dieser WM hätte ich den Iranern ein Weiterkommen gegönnt», sagt Meier.

1998 war er es, der das politisch brisanteste Duell der Geschichte pfiff. Das Duell zwischen den verfeindeten USA und dem Iran damals an der WM in Frankreich. Von «der Mutter aller Spiele» war die Rede. Dann aber erschienen die Spieler Irans mit weissen Nelken für die Gegner. Und Meier brachte die Idee für das legendäre gemeinsame Teamfoto auf. «Auf dem Fussballfeld haben wir der Welt gezeigt, dass wir es anders können», sagt er nun zur Szene.

Von Meier initiiert: das symbolische Bild 1998 mit den iranischen und den US-Spielern.
Foto: Corbis/VCG via Getty Images

So ist der Umgang der Amerikaner mit dem Iran für ihn 28 Jahre später eine verpasste Chance. «Das, was die Amerikaner mit den Iranern an dieser Weltmeisterschaft gemacht haben, geht gar nicht und hat mit Fairplay nicht viel zu tun.» Die Iraner durften von ihrer Basis in Mexiko jeweils nur für den Spieltag in die USA einreisen, mussten dann sofort wieder ausreisen. Sie fühlten sich schon vor dem fixen Out gegängelt und kritisierten die USA scharf.

Geheimtipp: Schiri Letexier

Von einem WM-Fahrer ist Urs Meier seit längerem sehr angetan: François Letexier (37). Der Franzose hat in der Vorrunde zwei Spiele geleitet. «Er kämpft für seine Position, entscheidet sofort, ob es weitergehen soll oder nicht. Dadurch haben wir weniger Probleme mit Entscheiden.»

Hats im Griff: François Letexier.
Foto: IMAGO/Sports Press Photo

Meier hofft, dass er von der Schiedsrichter-Kommission nicht die Weisung bekommt, von seiner aktiven, leitenden Art abzukommen und ebenfalls mehr zuzuwarten. Ein Tipp für alle WM-Beobachter, die auch mal ein genaueres Auge auf einen Schiedsrichter werfen wollen: Heraussuchen, wann Letexier wieder pfeift. Aktuell ist er noch für keinen Sechzehntelfinal zugeteilt.

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
3
6
9
2
Südafrika
Südafrika
3
-1
4
3
Südkorea
Südkorea
3
-1
3
4
Tschechien
Tschechien
3
-4
1
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
3
4
7
2
Kanada
Kanada
3
5
4
3
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
3
-1
4
4
Katar
Katar
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Brasilien
Brasilien
3
6
7
2
Marokko
Marokko
3
3
7
3
Schottland
Schottland
3
-3
3
4
Haiti
Haiti
3
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
3
4
6
2
Australien
Australien
3
0
4
3
Paraguay
Paraguay
3
-2
4
4
Türkei
Türkei
3
-2
3
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
3
6
6
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
3
2
6
3
Ecuador
Ecuador
3
0
4
4
Curacao
Curacao
3
-8
1
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Niederlande
Niederlande
3
6
7
2
Japan
Japan
3
4
5
3
Schweden
Schweden
3
0
4
4
Tunesien
Tunesien
3
-10
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Belgien
Belgien
3
4
5
2
Ägypten
Ägypten
3
2
5
3
Iran
Iran
3
0
3
4
Neuseeland
Neuseeland
3
-6
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Spanien
Spanien
3
5
7
2
Kap Verde
Kap Verde
3
0
3
3
Uruguay
Uruguay
3
-1
2
4
Saudi Arabien
Saudi Arabien
3
-4
2
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
3
8
9
2
Norwegen
Norwegen
3
1
6
3
Senegal
Senegal
3
2
3
4
Irak
Irak
3
-11
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
3
7
9
2
Österreich
Österreich
3
0
4
3
Algerien
Algerien
3
-2
4
4
Jordanien
Jordanien
3
-5
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Kolumbien
Kolumbien
3
3
7
2
Portugal
Portugal
3
5
5
3
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
3
1
4
4
Usbekistan
Usbekistan
3
-9
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
3
4
7
2
Kroatien
Kroatien
3
0
6
3
Ghana
Ghana
3
0
4
4
Panama
Panama
3
-4
0
K.o.-Phase
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