Darum gehts
Die Superstars der Fussballwelt liefern an dieser WM der Superlative mächtig ab. Lionel Messi (39), Kylian Mbappé (27), Harry Kane (32) und Erling Haaland (25) sind nicht zu bremsen. Genauso wie ein Schweizer: Johan Manzambi (20).
Ab dem jungen Genfer reiben sich viele verwundert die Augen. Spätestens seit jenem Abend gegen Bosnien. Nach siebzig zähen Minuten kommt er ins Spiel – und stellt die Partie mit zwei Toren im Alleingang auf den Kopf. Aus einem Krampf wird eine Gala.
«Das ist ein Traum. Heute Abend kann ich sicher nicht schlafen», sagt er danach mit einem verlegenen Lächeln auf Deutsch mit französischem Akzent in die TV-Kameras. Seit diesem Auftritt kennt die Begeisterung um Manzambi kaum mehr Grenzen. Und als er gegen Kanada mit einem Tor und einem Assist gleich nachlegte, war endgültig klar: Die Schweiz hat ihren neuen WM-Helden.
Alle wollen ein Manzambi-Trikot
Jahrelang herrschte bei uns das Shaq-Attack-Fieber. Nun tanzt die ganze Nation Manzambi – und das in diesem brütend heissen Sommer. Mit seinen geflochtenen Zöpfen, seiner unbekümmerten Art und der sichtbaren Freude am Fussball ist er die Erfrischung, die wir in diesen Tagen gut brauchen können.
Dass er die Herzen der Fans im Sturm erobert hat, zeigt sich auch abseits des Rasens. Das Nati-Trikot mit seinem Namen und der Nummer 9 gehört inzwischen zu den begehrtesten überhaupt. Jeder will ein Stück vom Manzambi-Hype – und dieser scheint gerade erst begonnen zu haben.
Einer, der diese Entwicklung mit besonderer Freude verfolgt, ist Federico Valente (50). Der Solothurner war Manzambis erster Trainer in der Freiburger Nachwuchsabteilung, nachdem dieser im Sommer 2023 von Servette in den Breisgau gewechselt war. Seither sind erst drei Jahre vergangen – doch Manzambis Karriere hat rasant Fahrt aufgenommen. «Ich dachte schon, dass er einmal mit Fussball Geld verdienen würde. Aber ich hätte nicht gedacht, dass er so durch die Decke geht.»
Der frühere Goalie, dessen Name zuletzt auch für Trainerposten in der Super League gehandelt wurde, trainiert heute Lecco in der italienischen Serie C. Die Karriere seines ehemaligen Schützlings verfolgt er aber weiterhin genau. Genauso wie jene von Miro Muheim (28) und Ruben Vargas (27), die er ebenfalls auf ihrem Weg begleiten durfte.
«Diesen Jungen musst du dir anschauen»
Besonders gut erinnert sich Valente an den Moment, als Freiburgs Chefscout Christoph Wetzel erstmals von Manzambi erzählte. «Er ist viel in der Schweiz unterwegs und besucht unzählige Spiele. Eines Tages kam er in mein Büro und sagte völlig begeistert: Diesen Jungen musst du dir anschauen.»
Wenig später wurde Manzambi zu Gesprächen nach Freiburg eingeladen. Begleitet wurde er von seinen Eltern und Geschwistern. «Ich weiss noch genau, wie ein sehr junger Johan vor uns stand. Er hat eine unglaubliche Freude ausgestrahlt», erzählt Valente. Am Ende entschied sich der damals 17-Jährige bewusst für Freiburg – obwohl er anderswo wohl mehr Geld hätte verdienen können.
Die unfassbare Arbeitsmoral als Unterschied
«Er glaubte an den Freiburger Weg und hat alles dafür getan», sagt Valente. Er habe es sich nie bequem gemacht – was einfach gewesen wäre. «Stattdessen besuchte er eine deutschsprachige Onlineschule und schloss sich nicht einfach den frankofonen Spielern an, sondern versuchte konsequent Deutsch zu sprechen.»
Neben seiner Offenheit beeindruckte den Trainer vor allem Manzambis Arbeitseinstellung. «Er brauchte etwas Zeit, um sich anzupassen, weil in Deutschland deutlich intensiver gespielt wird. Zudem war er körperlich noch sehr schmächtig. Aber er hat nie lamentiert. Auch nicht dann, wenn er nicht spielte. Und das war zu Beginn oft der Fall. Er arbeitete still, geduldig und konsequent. Das ist in diesem Alter selten.»
Geholfen hat Manzambi auch die Freiburger Philosophie. Der Weg von der Akademie zu den Profis ist beim Bundesligisten traditionell kürzer als bei vielen anderen Klubs. Dazu komme seine Polyvalenz, die ihn besonders interessant macht. «Dank seiner Spielintelligenz kann er praktisch jede Position spielen – sogar als Aussenverteidiger.»
Valente wünscht «gute Entscheidungen»
Auch in der Nati hat Manzambi schon auf verschiedenen Positionen gespielt. Die zwei Tore gegen Bosnien erzielte er als Flügelspieler. Gegen Kanada setzte er dann als hängende Spitze und erstmals als Stammspieler seine Akzente. Er funktioniert scheinbar überall. Und egal, ob als Joker oder in der Startelf. «Die Energie in seinen Augen beim Torjubel im Bosnien-Spiel, diese pure Freude – da hatte ich das Gefühl, er sei mit einer klaren Mission auf den Platz gekommen: Er wollte dem Spiel seinen Stempel aufdrücken.»
Längst haben Europas Topklubs Manzambi auf dem Radar. Vieles deutet darauf hin, dass er Freiburg in diesem Sommer eine Rekordablöse einbringen könnte. Valente wünscht seinem Ex-Spieler vor allem eines: «Dass er weiterhin gute Entscheidungen trifft – so wie bisher gemeinsam mit seiner Familie und dem Verein. Und dass er einen Klub findet, bei dem er international spielen und gleichzeitig regelmässig auf dem Platz stehen kann.»
Bald der neue Schweizer Rekordmann?
Das Portal Transfermarkt taxiert Manzambis Marktwert bereits auf 50 Millionen Euro. Damit ist er schon heute der wertvollste Nati-Spieler und zählt weltweit zu den 100 teuersten Profis. Doch wer ihm an dieser WM zusieht, spürt: Das dürfte längst nicht das Ende der Fahnenstange sein. Denn Manzambi nutzt die grösste Bühne des Weltfussballs, als hätte er nie etwas anderes getan.
In einer Zeit, in der längst mehr als 20 Spieler die Marke von 100 Millionen Euro geknackt haben, scheint selbst diese Dimension für den Romand nicht mehr unrealistisch – vorausgesetzt, er bleibt gesund und der nächste Karriereschritt gelingt.
«Schon vor der WM war das Interesse an Johan gross. Durch seine Auftritte in den USA und Kanada hat es nochmals deutlich zugenommen», verrät sein Berater Ismaël Piller im Gespräch mit Blick. Die ersten beiden Gruppenspiele der Schweiz verfolgte er live im Stadion. «Ich bin unfassbar stolz auf Johan, wie er der Nati mit seiner Leistung hilft. Aber auch auf seinen Charakter. Er ist über die Jahre immer der gleiche bodenständige Junge von früher geblieben.»
Die Deutschen wollen Manzambi bei Bayern
Der entstandene Hype rund um Manzambi nimmt auch Piller wahr. «Durch die grosse WM-Bühne kennt ihn jetzt wirklich jeder.» Über die Zukunft wird derzeit aber bewusst nicht gesprochen. «Wir haben das Thema komplett auf die Seite gelegt. Solange er in Amerika ist, will er davon nichts hören.» Klar ist jedoch schon jetzt: Mit jedem starken Auftritt wird der Kreis jener Klubs kleiner, die sich Manzambi überhaupt noch leisten können.
In Deutschland würden sie ihn am liebsten behalten. Erst adelte ihn Thomas Müller (36) öffentlich, danach titelte die «Bild»-Zeitung: «Das ist einer für Bayern.» Doch das Interesse reicht längst weit über die Bundesliga hinaus.
Berater hat bei einer Erinnerung Gänsehaut
Einigen würde dieser Hype zu Kopf steigen. Bei Manzambi macht sich Piller aber keine Sorgen. «Johan sieht sich selbst gar nicht als etwas Besonderes. Er denkt einfach: Ich bin, wer ich bin, und ich mache das, was ich liebe. Manchmal müssen wir ihn sogar daran erinnern, dass er tatsächlich etwas Besonderes ist.»
Piller begleitet Manzambi seit neun Jahren. Er hat den Genfer aufwachsen sehen – und weiss deshalb genau, wie dieser mit Druck umgeht. Eine Szene, als dieser noch für die U18 von Servette spielte, hat sich bei ihm besonders eingebrannt. «Vor einem Cupspiel gegen Basel am 10. Dezember 2022 sagten wir ihm, dass mehrere Scouts von europäischen Klubs nur seinetwegen auf der Tribüne sitzen. Wir erklärten ihm auch: Das könnte das wichtigste Spiel deiner bisherigen Karriere werden. Wenn du überzeugst, öffnen sich Türen. Wenn nicht, müssen wir womöglich warten.»
Der Druck? Enorm. Die Verhältnisse? Miserabel. Es schneite. Die Reaktion? Typisch Manzambi. «Basel glich kurz vor der Pause zum 1:1 aus. Unmittelbar nach dem Wiederanstoss sah Johan, dass der Basler Goalie weit vor seinem Tor stand. Er schoss aus der eigenen Platzhälfte und traf. Dieses Spiel hat sein Leben verändert. Noch heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich daran denke.»
«Johan macht das nie»
Für Piller ist diese Szene bis heute sinnbildlich für seinen Schützling. «Immer wenn der Druck am grössten ist, zeigt Johan seine beste Leistung.» Vielleicht liegt genau darin sein grösstes Talent. Manzambi hat früh verstanden, dass ihm niemand den Weg nach oben abnehmen kann. «Wir können ihn als Familie und Berater unterstützen, antreiben und beschützen. Aber spielen muss er selbst. Wenn ein 20-Jähriger das schon verinnerlicht hat, sagt das alles.»
Und noch etwas hebt ihn von vielen anderen Toptalenten ab. «Selbst wenn es einmal nicht läuft, kämpft er weiter. Er läuft weiter und versucht immer, das Beste aus jeder Situation zu machen. Viele Spieler mit seinem Talent schalten irgendwann ab. Johan macht das nie.»
Erst WM, dann Champions League
Wenn Manzambi sich genau diese Mentalität bewahrt, dürfte er seine grossen Ziele eher früher als später erreichen. Erst kürzlich verriet sein Bruder Holly im Gespräch mit Blick, dass er schon immer davon geträumt habe, eines Tages in der Champions League zu spielen. Gut möglich, dass sich dieser Traum schon in wenigen Monaten erfüllt.
Vorerst gilt der Fokus aber ganz der WM. Im Sechzehntelfinal soll der Hype um den Genfer das nächste Kapitel schreiben. Und wenn er seinen Lauf fortsetzt, könnte die Nati in diesem Sommer noch oft Manzambi tanzen. Und wir tanzen alle mit.
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Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Mexiko | 3 | 6 | 9 | |
2 | Südafrika | 3 | -1 | 4 | |
3 | Südkorea | 3 | -1 | 3 | |
4 | Tschechien | 3 | -4 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Schweiz | 3 | 4 | 7 | |
2 | Kanada | 3 | 5 | 4 | |
3 | Bosnien und Herzegowina | 3 | -1 | 4 | |
4 | Katar | 3 | -8 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Brasilien | 3 | 6 | 7 | |
2 | Marokko | 3 | 3 | 7 | |
3 | Schottland | 3 | -3 | 3 | |
4 | Haiti | 3 | -6 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | USA | 3 | 4 | 6 | |
2 | Australien | 3 | 0 | 4 | |
3 | Paraguay | 3 | -2 | 4 | |
4 | Türkei | 3 | -2 | 3 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Deutschland | 3 | 6 | 6 | |
2 | Elfenbeinküste | 3 | 2 | 6 | |
3 | Ecuador | 3 | 0 | 4 | |
4 | Curacao | 3 | -8 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Niederlande | 3 | 6 | 7 | |
2 | Japan | 3 | 4 | 5 | |
3 | Schweden | 3 | 0 | 4 | |
4 | Tunesien | 3 | -10 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Belgien | 3 | 4 | 5 | |
2 | Ägypten | 3 | 2 | 5 | |
3 | Iran | 3 | 0 | 3 | |
4 | Neuseeland | 3 | -6 | 1 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Spanien | 3 | 5 | 7 | |
2 | Kap Verde | 3 | 0 | 3 | |
3 | Uruguay | 3 | -1 | 2 | |
4 | Saudi Arabien | 3 | -4 | 2 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Frankreich | 3 | 8 | 9 | |
2 | Norwegen | 3 | 1 | 6 | |
3 | Senegal | 3 | 2 | 3 | |
4 | Irak | 3 | -11 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Argentinien | 3 | 7 | 9 | |
2 | Österreich | 3 | 0 | 4 | |
3 | Algerien | 3 | -2 | 4 | |
4 | Jordanien | 3 | -5 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kolumbien | 3 | 3 | 7 | |
2 | Portugal | 3 | 5 | 5 | |
3 | Demokratische Republik Kongo | 3 | 1 | 4 | |
4 | Usbekistan | 3 | -9 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | England | 3 | 4 | 7 | |
2 | Kroatien | 3 | 0 | 6 | |
3 | Ghana | 3 | 0 | 4 | |
4 | Panama | 3 | -4 | 0 |


