«Peinlich-Aus», «DFB-Debakel» und «Blamage» – die deutsche Nationalmannschaft wurde nach einem erschreckend schwachen Sechzehntelfinal gegen Paraguay mit Häme überschüttet. Einmal mehr verabschiedet sich Deutschland früh von der WM – das Nationalteam steckt in einer tiefen Krise.
Immerhin: Während man es bei den letzten beiden Turnieren nicht über die Gruppenphase hinaus geschafft hat, hat man sich dieses Jahr wenigstens für die K.o.-Phase qualifiziert – XXL-Turnier sei Dank.
In einer ersten Amtshandlung drängten die Verantwortlichen beim DFB Bundestrainer Julian Nagelsmann danach zum Rücktritt. Der 38-Jährige hätte zwar gerne weitergemacht, doch ein Verbleib schien aussichtslos. Als Erbe soll nun Jürgen Klopp kommen. Doch das DFB-Debakel ist längst noch nicht überstanden – es nimmt vielmehr immer grössere Ausmasse an.
Kritik an Captain Kimmich
Die jüngsten Enthüllungen aus dem Inneren des Teams stammen vom deutschen «Spiegel». Ein Insider berichtet dort, dass die Stimmung im Team zwar generell gut gewesen sei, dass das Spiel an sich aber aus dem Fokus geraten sei: «Man merkt, dass aus manchen Talenten Ich-AG's mit tausend Ablenkungen von aussen gemacht werden.»
Das Magazin habe mit vielen Insidern gesprochen, namentlich zitiert werden will aber keiner. Dennoch ergibt sich ein klares Bild, das Rückschlüsse auf das Scheitern ziehen lässt.
So soll Captain Joshua Kimmich Leistenbeschwerden beklagt haben. Es wurde gar sein Physiotherapeut in die USA eingeflogen, geholfen habe es nicht viel. «Tatsächlich meldete sich Kimmich spielfit, doch das gesamte Turnier lang schien er mit seinem Körper zu kämpfen zu haben», schreibt der Spiegel.
Es gab offenbar auch Stars, die gegen den Bayern-Captain stänkerten: «Er verlangt nichts, was er selbst nicht einhält. Aber manchmal ist er einen Tick drüber, so dass manche abwinken», verrät ein Insider.
Nagelsmann vom DFB-Job «erdrückt»?
Im Fokus der Kritik steht aber auch bei den «Spiegel»-Enthüllungen der geschasste Trainer Nagelsmann. So sorgte dieser mit einer höchstumstrittenen Rückholaktion von Manuel Neuer ins Tor für Schlagzeilen. Nach einem Testspiel zählte er öffentlich Matchwinner und Edeljoker Deniz Undav an und sorgte so für den nächsten Eklat. Der Ex-DFB-Trainer entschuldigt sich zwar danach, trotzdem scheint die vermeintliche Fehde weiterhin zu bestehen.
Undav wurde beim 7:1-Sieg gegen WM-Neuling Curaçao eingewechselt und lieferte ein Tor und zwei Assists. Gegen die Elfenbeinküste wurde er ebenfalls wieder eingewechselt und schoss seine Farben mit einem Doppelpack spät zum Gruppensieg. Trotzdem reichte es erst gegen Paraguay für die Startaufstellung. Gegen die tiefstehenden und rabiat spielenden Südamerikaner hat der Stuttgart-Stürmer einen schweren Stand und wird in der 63. Minute ausgewechselt.
Auch haben die Spieler das Spielsystem von Nagelsmann nicht verinnerlicht. Trotzdem habe es nicht nur kritische Stimmen gegenüber dem Trainer gegeben, wie ein DFB-Funktionär dem «Spiegel» verrät: «Sein interner Umgang, seine Eloquenz und Vorbereitung waren Weltklasse. Nach aussen sah das ganz anders aus. Vielleicht hat ihn die Wucht des Amtes erdrückt, vielleicht kam es zu früh.»

