Darum gehts
- Schweiz scheidet nach 120 Minuten im WM-Viertelfinal gegen Argentinien aus
- Rote Karte für Breel Embolo war fünf Minuten nach Ausgleich entscheidend für Niederlage
- Nico Elvedi: «Wir waren bis zum Platzverweis die bessere Mannschaft»
Während einiger Minuten durfte man in Kansas City vom nächsten grossen WM-Coup träumen. Die Schweiz kommt wie fast immer an der WM sehr stark aus der Halbzeitpause, trifft mit einer sehenswerten Kombination durch Dan Ndoye zum Ausgleich (67.). Das Momentum im WM-Viertelfinal gegen Argentinien kippt spürbar auf die Schweizer Seite und im Stadion sind die zu grossen Teilen südamerikanischen Fans plötzlich ganz still. «Wir hatten das Spiel komplett im Griff und waren total im Flow», sagt Fabian Rieder über diese Minuten.
Nach dem Abpfiff herrscht in der Schweizer Kabine Totenstille und bei zahlreichen Spielern fliessen die Tränen. Denn fünf Minuten nach dem Ausgleich folgt der folgenschwere Embolo-Platzverweis. Der Rest ist Geschichte.
Die Nati im Breel-end – und gleichzeitig auch stolz. Denn 120 Minuten hat die Schweiz bewiesen, dass man den Titelverteidiger weit mehr als nur ärgern konnte. «Wenn man unterlegen ist oder der Gegner besser ist, kann man sagen: Okay, ihr habt verdient gewonnen», sagt Remo Freuler im Anschluss. Aber so schmerze es nur noch viel mehr. Der WM-Halbfinal wäre möglich gewesen. «Wir haben sie gut analysiert, haben sehr gut gespielt und die ganze Schweiz hat gesehen, dass wir mit Herzblut dabei gewesen sind», so Freuler. Er gibt aber auch zu: Der Schmerz und die Wut überwiegen aktuell den Stolz über die erreichten Ziele am Turnier.
Granit Xhaka hässig wegen Aussage über Augenhöhe
Dafür ist Manuel Akanji mächtig stolz – vor allem auf seine Teamkollegen: «Ich war nach dem Spiel so stolz wie noch nie auf diese Mannschaft. Wie mutig wir gegen den amtierenden Weltmeister aufgetreten sind. Wir haben der ganzen Welt gezeigt, was wir können.» Captain Granit Xhaka wird gar sauer, als er darauf angesprochen wird, dass man mit dem Titelverteidiger auf Augenhöhe gewesen sei. Er kritisiert die mangelnde Wertschätzung der anwesenden Schweizer Journalisten: «Augenhöhe ist schön gesagt. Es wäre besser, wenn man nach so einem Spiel etwas mehr Lob von euch bekommen würde. Aber wir kennen es ja», so Xhaka.
Ein Spieler, der definitiv Wertschätzung erhalten muss, ist Nico Elvedi. Der 29-Jährige hat eine überragende WM gespielt. Topnoten in jedem Spiel inklusive. «Wir hatten nicht nur Messi, sondern die ganze Mannschaft gut im Griff, haben fast nichts zugelassen», sagt Elvedi. Er sei überzeugt, dass das Spiel mit einer vollzähligen Schweizer Mannschaft anders geendet hätte. «Wir waren bis zum Platzverweis die bessere Mannschaft. Wir haben das beste Spiel dieser WM gezeigt», so das Fazit von Elvedi.
Duell mit Messi? «War natürlich geil»
Gregor Kobel hätte derweil gerne ein nächstes Duell vom Elfmeterpunkt gehabt. «Wir hätten es uns mit unserer Leistung und unserem Kampf verdient gehabt, ins Penaltyschiessen zu kommen.» Er sei stolz auf seine Vorderleute, wie sie sich auch in Unterzahl gegen das Ausscheiden gewehrt hätten. «Wir können sehr stolz darauf sein, was wir erreicht haben und was für ein Auftreten wir als Mannschaft während der WM gezeigt haben», so die Nummer 1 im Schweizer Tor.
Miro Muheim hat nach seinem Einsatz gegen den amtierenden Weltmeister ebenfalls Mühe, sich positiv über seine erste WM-Teilnahme zu äussern. «Es wird in den kommenden Tagen vermutlich kommen, aber jetzt überwiegt die Enttäuschung. Wir haben sehr gut gekämpft, waren nur wenige Minuten vom Penaltyschiessen entfernt.» Mit einer Frage schafft es Blick dennoch, Muheim ein Lachen zu entlocken. Wie war es, gegen Lionel Messi zu spielen? «Es war natürlich geil. Dass ich das erleben durfte, ist unglaublich.»
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